Silbermond und Kupfermünze

Im Alter von 40 Jahren verlässt der Londoner Börsenmakler Charles Strickland (Paul Gauguin)seine
Familie, gibt seinen Beruf auf und zieht nach Paris, um zu malen. Rücksichtslos gegen sich und andere Menschen, gesellschaftliche und künstlerische Konventionen missachtend, lebt er nur noch für die Kunst. Auf der Suche nach seinem Paradies wandert er nach Tahiti aus um seine künstlerische Vision zu realisieren.

Meine Gedanken zum Buch: 

Das Leben der Romanfigur Charles Strickland ist eng angelehnt an das Leben des französischen Malers Paul Gauguin, ist aber keine Biographie. Es geht um den Konflikt zwischen Genie und bürgerlicher Gesellschaft. Ein Künstlerroman über einen genialen und kompromisslosen Maler der alles über Bord wirft um seiner Leidenschaft zu folgen. Maugham gelingt es den Leser von der ersten Seite an zu fesseln. Man ist hin und hergerissen zwischen Abscheu und Bewunderung für die Hauptfigur. Jeder bilde sich sein Urteil. Ich für mein Teil sehe die Bilder des Paul Gauguin jetzt mit anderen Augen.  

"Ja, um Himmels Willen, warum haben sie dann Ihre Frau verlassen?"
"Ich will malen"
"Aber sie sind doch 40 Jahre alt!"
"Ja, eben darum fand ich, dass es höchste zeit sei mit dem malen anzufangen."
 

Seitenangabe für Zitat1: 
9899

"Und nun will ich ihnen sagen, was so seltsam daran ist: dass sie sich nämlich, sobald es vorüber ist, außerordentlich rein fühlen. Sie fühlen sich wie ein körperloser Geist, immateriell; und sie glauben an die Schönheit rühren zu können, als wäre sie ein greifbares Ding; und sie fühlen ein inniges Einssein mit der lauen Brise und mit den sprossenden Bäumen und mit dem Gleißen des Flusses. Sie fühlen sich gottgleich. Können sie mir das erklären?"

Seitenangabe für Zitat2: 
106
Verlag: 
Eduard Kaiser Verlag
Auflage: 
Neuauflage
ISBN: 
0 330 24111 7

Kommentare

"Why do nice women marry dull men?"
"Because intelligent men won't mary nice women."
("The Moon and Sixpence", Dover Publications Inc., 1995, 1. Auflage, Seite 12)

I have always been a little disconcerted by the passion women have for behaving beautifully at the death-bed of those they love. Sometimes it seems as if they grudge the longevity which postpones their chance of an effective scene.
 
(Seite 43)

Maugham ist ein gute Erzähler, und einmal mehr vermittelt er das Bild einer bürgerlichen Gesellschaft, die mit Menschen wie Charles Strickland nichts anfangen kann. Kein Wunder, denn er entscheidet sich zugunsten seiner Passion dafür, mit dieser Gesellschaft nichts mehr zu tun haben zu wollen. Strickland will malen, dafür geht er über Leichen. Und erst im fernen Tahiti findet er beides: die ideale Umgebung zum Malen und Menschen, die ihn so akzeptieren und lieben, wie er ist, ohne Kompromisse.
Gemeinsamtkeiten mit der Lebensgeschichte Gaugins sind natürlich gegeben, wobei dieser bei weitem nicht so verantwortungslos gehandelt hat wie die Romanfigur, die einfach Frau und Kinder von heute auf morgen verlässt, ohne sie finanziell abzusichern und ohne sich je wieder bei seiner Familie zu melden.
Abgesehen von ein paar langwierigen Betrachtungen über das Leben liest sich das Buch recht kurzweilig und gehört für Fans der klassichen Unterhaltungsliteratur auf jeden Fall zur Pflichtlektüre.