Schiffbruch mit Tiger

Pi Patel, der Sohn eines indischen Zoobesitzers und praktizierender Hindu, Christ und Muslim erleidet mit einer Hyäne, einem Orang-Utan, einem verletzten Zebra und einem 450 Pfund schweren bengalischen Tiger namens Richard Parker Schiffbruch. Bald stehen sich nur noch die zwei gegenüber - der Tiger und Pi. Alleine treiben sie in einem Rettungsboot auf dem Ozean. Eine wundersame, abenteuerliche Odyssee beginnt.

Meine Gedanken zum Buch: 

Eine Geschichte, zwei Geschichten. Welche glaubt der Leser, welche glaubt man Pi? Stellenweise glänzend erzählt und Bilder im Kopf. Dann auch wieder längere Durststrecken. Gegen Ende etwas surreal - und ganz zum Schluss der Hammer. Ich möchte hier eine Überlegung über Kannibalismus starten: Gesetzt den Fall - wie in diesem Buch - man ist schiffbrüchig und mit einer Gruppe auf einem Rettungsboot. Man hat keine (oder nur eine geringe) Chance auf Gerettetwerden (okay, das ist ein wenig hypothetisch). Da gibt es dann physisch starke und psychisch starke Persönlichkeiten. Nicht immer deckt sich dies. Die, die länger durchhalten, werden also von denen die es ohne Nahrung nicht so lange aushalten gemetzelt? Sind also die, die so eine Grenzerfahrung überleben die psychisch schwächeren? Ich bitte um Deine Meinung, lieber bookreader/ liebe bookreaderin! Empfehlung, wegen der tollen Tiergeschichten und der zwei Storys.

Wenn Sie zu einem Haus gingen, die Tür einträten, die Leute, die dort wohnen, hinaus auf die Straße scheuchten und riefen: "Geht! Ihr seid frei! Frei wie ein Vogel! Hinaus mit euch!" - meinen Sie, die Leute würden vor Freude tanzen? Bestimmt nicht.

Seitenangabe für Zitat1: 
34

Wenn Sie den Willen zum Überleben haben, dann werden Sie überleben. Viel Glück!

Seitenangabe für Zitat2: 
206

Schon erstaunlich, die Menge an Tieren, die da auf dem Rettungsboot war.

Seitenangabe für Zitat3: 
361
Verlag: 
Fischer Taschenbuch
Auflage: 
wahrscheinlich 1. Auflage
ISBN: 
9783596510115

Kommentare

Man hat ja schon öfter davon gehört: Gruppe überlebt nur weil sich einer geopfert hat. Natürlich ist der der sich opfert der psychisch stärkere. Da gehört schon was dazu, um sich für andere zu opfern. Da sind alle anderen nur die Lutscher!
Diejenigen Nutznießer des Aufopfernden brauchen glaub ich nur einen dementsprechenden Überlebenstrieb um die Sache zum Ende zu bringen. Und wer will schon nicht überleben?
Andreas
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Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten.

-- Andreas --

Was ist jedoch, wenn sich das Opfer nicht heldenmütig opfert, sondern hinterrücks hergemeuchelt wird. Das stelle ich mir als das leider Wahrscheinlichere vor. Wer bleibt dann über? Die starken, niemals hungrigen Helden? Ich glaube nicht, denn die werden ja vernichtet.
schreibt Reinhard

Ich hatte dieses Buch bereits einmal begonnen, aber nicht zu Ende gelesen. Heute frage ich mich: Wie konnte ich es fast ungelesen wieder weglegen? Dieses Mal hält es mich gefangen.
Bin jetzt auf S. 218 und sehr gespannt, wie's ausgeht. Habe versucht, Eure bisherigen Kommentare nicht zu lesen, um bloß nicht in eine bestimmte Richtung gelenkt zu werden. Mal schauen, ob ich zu Eurer Diskussion etwas beitragen kann, wenn ich das Buch ausgelesen habe. Wink
Jana

...dass sich einer der Gruppe geopfert hat? Doch nur von den Überlebenden; ich stimme der Meinung zu, dass die Gruppe eher einen auswählt, der geopfert wird. Die Überlieferung vom selbstlos handelnden Helden, der sich opfert, entsteht nur zur Rechtfertigung einer »unmenschlichen« Tat.
Ich halte es für äußerst schwierig, von solchen Ausnahmezuständen und den daraus resultierenden Taten auf psychische Stärke oder Schwäche zu schließen.
Ich traue es keinem Menschen zu, dass er sich für eine Gruppe anderer, vielleicht sogar fremder, Menschen opfert, denn in solchen Situationen dominiert bei jedem der Überlebenstrieb. Vermutlich gibt es aber Unterschiede bei der Aktivität, soll heißen, wo der eine eher passiv die Umstände erträgt, versucht der andere, die Lage zu verbessern. Sicher spielt dabei auch der oft grausam anmutende Grundsatz der Natur eine Rolle, dass nur die Stärkeren überleben. In dieser Beziehung sind wir Menschen vermutlich wieder nur Tiere. Wieso sollte uns auch unser Wissen oder psychische Stärke dazu bevorrechten, eher zu überleben als der körperlich Stärkere, der ganz simpel die Art erhält.

schlägt auch: Falk von Joseph Conrad (Leseempfehlung)
weiters tokio von Mo Hayder (Bitte umbedingt die Buchpatenschaft hierzu lesen)
Ich glaube, dass Meuchelmord auch von einem Schwachen ausgeführt werden kann. Psychisch oder auch physisch.
schreibt Reinhard

S. 71
"Ich weiß nicht mehr, ob ich das Blut spritzen sah, bevor ich mich in Mutters Arme flüchtete, oder ob ich es später in der Erinnerung dazumalte, mit breitem Pinsel. Aber die Ohren konnte ich nicht verschließen. Was ich hörte, versetzte mich in äußerste vegetarische Panik."

Der dritte Teil dieses Buches war für mich sehr schnell vorbei. Ich wünschte mir eine Erklärung/Umschreibung der fleischfressenden Insel, da auch diese für mich einen wesentlichen Teil der Geschichte darstellte.

Endlich - Martina hat für mich eine gute Erklärung für die fleischfressende Insel:
Als Symbol des Kannibalismus.
Wie einige meiner aufmerksamen Mitkinobesucher bemerkten, hatte die Insel im Film die Form eines menschlichen Körpers. Pi biss auf dieser Insel in eine Wurzel; innen war die Wurzel rot und fleischig...

"Wer einen Bruder verliert, der verliert jemanden, mit dem er gemeinsam alt werden konnte, jemanden, der ihm eine Schwägerin, Nichten und Neffen bescheren sollte, Menschen, die den Baum eines Lebens bevölkern und ihm neue Zweige geben sollten. Den Vater zu verlieren heißt den zu verlieren, der dem Leben die Richtung gibt, denjenigen, zu dem man geht, wenn man in Not ist, der einen trägt uind erhält, wie ein Stamm die Äste eines Baumes trägt. Und wenn man die Mutter verliert, das ist, als verlöre man die Sonne am Himmel."

Mich hat dieser Roman restlos begeistert und zwar von der 1. bis zur letzten Seite, sodaß ich ihn regelrecht verschlungen habe.
Vor allem fand ich die Fantasie des Autors bewundernswert und auch die Idee mit den beiden Varianten ist ihm gut gelungen.
Spannend war es, gruselig und fantastisch erzählt.
Allerdings wollte ich nicht darüber nachdenken wie es wäre, wenn man selber in einer solchen Gruppe auf dem Meere treibt und darüber, wer wen zuerst verspeist. Ich glaube, dass man da auch keine Voraussagen treffen kann. Gerade in Panik und Chaos reagieren Menschen unvorhersehbar.

Schiffbruch mit Tiger ist ab 26.12. im Dieselkino Gleisdorf zu sehen.

Habe gestern in angenehmer Runde den Film gesehen. Wir haben danach einiges diskutiert. Die Meinungen gingen in alle Richtungen. Oberste Frage: Wer ist der Tiger? Das Böse im Menschen, einfach ein Tiger oder vielleicht Gott? Weitere Punkte:
absolut kein Kinderfilm (obwohl keine Altersbeschränkung - dadurch einige Kinder im Saal, negativ)
Film hält sich sehr genau an die Vorlage. (+ Understatement-Ende - wunderbar)
Film besticht inhaltlich mit dem, was er nicht zeigt (sich aber jeder ausmalen kann)
Sehr religiöse Aufarbeitung des Buches. (Beim lesen nicht so intensiv empfunden)
Wunderbare Bilder. (bunt und spiegelnd schön)
gelungene Animation (oder besser die neue Wortkreation: Animalition)
tolle Darstellung der Insel (hab ich im Buch komplett überlesen)
Alles in allem ein angenehmer Kino-Abend, den ich jedem wünschen will.
Pro7 Neujahr
Reinhard, Team bookreaders