Radubis

Radubis.jpgDie goldene Sandale, die ein Adler vor dem Pharao zu Boden fallen lässt, verwirrt ihn. Ob die Besitzerin so schön und elegant ist wie ihr Schuh? Die Sandale gehört keiner geringeren als der Kurtisane Radubis, deren weißer Palast auf einer Insel im Nil den Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens bildet.
Der Pharao beschließt, die Sandale höchstpersönlich zurückzubringen, und ahnt nicht, dass er damit sein eigenes Schicksal besiegelt. Denn während er und Radubis sich rücksichtslos ihren Leidenschaften hingeben, brodelt es im Volk, die Höflinge planen Intrigen und die Priester wollen den Machthunger des Pharao nicht länger hinnehmen.

Meine Gedanken zum Buch: 

Machfus hat eine ganze Reihe Bücher über das antike Ägypten geschrieben, die im Grunde immer die aktuelle Situation in seinem Heimatland anprangern. Dazu gehört auch "Radubis", die Geschichte einer Kurtisane, unter deren Einfluss das Land und Leute erbarmungslos ausgebeutet werden.
Radubis ist berühmt für ihre Schönheit, und auch der Pharao erliegt ihr bedingungslos. Beide erleben zum ersten Mal in ihrem Leben die wahre Liebe und ergeben sich dieser ohne Rücksicht auf Verluste, bis letztendlich das Volk sich erhebt und zur Wehr setzt.
Wenn man auf die Geschehnisse der letzten Jahre in Ägypten zurückblickt, dann kommt einem diese Handlung seltsam vertraut vor, und auch in der Zeit des Entstehens des Romanes dürfte es für das einfache Volk nicht anders gewesen sein.
Das Buch besticht durch eine einfache klare Sprache, wobei diese auch manchmal etwas seltsam klingt. Im Nachwort habe ich gelesen, dass sie "die Fremdheit der priesterlichen Gesänge und der pharaonischen Verkündigungen" widerspiegelt - darauf wäre ich selbst natürlich nicht gekommen.
Wenn man sich für das antike Ägypten interessiert, erfährt man viel darüber, wie die Menschen vor 4.000 Jahren gelebt haben, allein dafür mag ich das Buch. Ausserdem ist es eine Liebesgeschichte, die durchaus ihre romantischen und ergreifenden Momente hat. Alles in allem ein lesenswertes Buch.

Naht das Erwachen, fliehen die Träume.

Seitenangabe für Zitat1: 
243

Machfus verfügte über breite Kenntnisse der Ägyptologie, er war vertraut mid em Leben und der Kultur des alten Ägyptens und erkannte die Gemeinsamkeiten zwischen Ereignissen der alten Tage und seiner eigenen zeitgenössischen Welt. Die Beziehung zwischen dem Herrscher und den Beherrschten, dem Pharao und seinem Volk, sowie die politische Labilität und Unruhe, die entstehen, wenn die Führung schwach und maßlos ist, waren damals wie in den Tagen von Machfus für das Leben in Ägypten charakteristisch. Dsehalb hätten die Figuren aus Machfus' Pharaonen-Romanen und die politischen Ränkespiele und romantischen Eposoden, die ihr Leben antrieben, zum königklichen Hofstaat, zu den Ministern und den schicken Salons des vorrevolutionären Ägyptens gepasst.
(Aus dem Nachwort von Anthony Calderbank)

Seitenangabe für Zitat2: 
245
Verlag: 
Unionsverlag
Auflage: 
1. Auflage
ISBN: 
ISBN-13: 978-3293204539