Perfect Copy - Die zweite Schöpfung

14141673n.jpgIn Wolfgangs Klasse grassiert seit Wochen das Klon-Fieber. Ein kubanischer Wissenschaftler hat zugegeben, vor 16 Jahren zusammen mit einem deutschen Mediziner einen Menschen geklont zu haben. Nun sucht alle Welt nach dem Klon, der ungefähr in Wolfgangs Alter sein müsste. Und Wolfgangs Vater, Chefarzt der örtlichen Kurklinik, hat den Kubaner zu fraglichen Zeit gekannt. Als schließlich eine große Boulevardzeitung mit Wolfgangs Foto und der Schlagzeile "Ist das der deutsche Klon?" auf der Titelseite erscheint, ist in dem idyllischen Kurstädtchen die Hölle los...

Ist die Individualität eines Menschen ausschließlich abhängig von seinen Erbanlagen?
Und ist ein Klon notwendigerweise nur eine Kopie?
Bestsellerautor Andreas Eschbach hat einen atemberaubenden Thriller über die brisantesten Fragen unserer Zeit geschrieben.

Meine Gedanken zum Buch: 

„Perfect Copy – Die zweite Schöpfung“ erzählt von dem 15-jährigen Wolfgang, deren Eltern ihm eine große Musikkarriere voraussagen und ihn stundenlang Cello üben lassen. Doch als man in den Medien nichts mehr anderes findet als den Verdacht, er sei der Klon, welcher auf Hochtouren gesucht wird, beginnt die Fassade ganz langsam zu bröckeln, als Wolfgang bald darauf Unglaubliches herausfindet…
Selten habe ich ein so spannendes und mitreißendes Buch gelesen wie dieses. Man wird wortwörtlich von einem zum anderen Ereignis geschleudert, wobei dies ohne Pause und Ende geschieht. Die Langeweile ist einfach chancenlos, wenn man gespannt über die Seiten hinwegfegt und sich vor Neugierde nicht mehr halten kann. Außerdem nimmt diese tolle Geschichte dauernd Wendungen an und wurde von Andreas Eschbach bis ins kleinste Detail ausgeschöpft. Oft war ich mir, was den Ausgang des Buches angeht schon sehr sicher, doch Eschbach nimmt einem seinen Verdacht sofort wieder ab und lenkt die Geschichte in eine komplett andere Richtung. Ich kann mich nur an wenige Personen erinnern, die ich nicht verdächtigt habe, Wolfgang irgendetwas Schlechtes zu wollen oder gar ein Spion zu sein, da ein ständiges Misstrauen mein Begleiter war.
Wer sich außerdem für das Thema Klontechnik interessiert, wird bei diesem Buch nicht enttäsucht werden, da es einiges an Wissen enthält, sodass man zu keinem Zeitpunkt verwirrt ist.
„Perfect Copy“ ist wirkliche ein bewundernswertes Buch, welches eine spannende Geschichte mit Musik und Wissen vereint und mich dazu veranlasst, weitere Jugendbücher von Eschbach zu lesen. Empfehlenswert!

Er schob einen Zettel, auf dem ein paar gekritzelte Zeilen standen, über den Tisch. „Der Junge heißt Wolfgang Wedeberg“, sagte er. „Das ist die Adresse, die Schule, in die er geht, und so weiter.“
Der andere Mann war untersetzt und hatte ein leicht aufgedunsenes Dutzendgesicht. Er nahm den Zettel an sich und überflog, was darauf stand. „Nur beobachten?“, fragte er.
„Nur beobachten. Und Fotos. Er darf Sie nicht bemerken.“
Der andere faltete den Zettel zusammen und schob ihn in die Brusttasche seines grauen Kaufhaushemdes. „Davon lebe ich“, sagte er und langte nach seinem Bierglas. „Dass man mich nicht bemerkt.“

Seitenangabe für Zitat1: 
8

Das Licht im Esszimmer schien sich plötzlich verändert zu haben. Die Schatten, die die Tannenzweige vor dem Fenster warfen, sahen auf einmal aus wie die Schatten monströser Krallenarme. Mit den Wänden schien auch etwas nicht zu stimmen: Aus den Augenwinkeln sah es fast so aus, als pulsierten sie wie ein langsam schlagendes Herz.
Wolfgang war sich nicht hundertprozentig sicher, ob sein eigenes Herz noch schlug. Bis zu dem Augenblick war die „Klonomanie“ für ihn einfach nur ein Tick der Lehrer gewesen, die ohnehin dauernd von irgendwelchen Marotten geritten wurden. Dass es etwas mit ihm selbst zu tun haben könnte, beziehungsweise mit seiner Familie, wäre ihm nicht im Traum eingefallen.

Seitenangabe für Zitat2: 
72

War er ein Klon? Morgens vor dem Badezimmerspiegel betrachtete er sein Spiegelbild und fragte sich, was es bedeuten würde. Ein Klon zu sein, das kam ihm vor, als habe er sich versehentlich in den Finger geschnitten und entdeckt, dass unter seiner Haut eine Plastikschicht war. Als hätte er sich den Arm gebrochen und gesehen, dass darin Kabel und Gestänge liefen. Natürlich war das Unsinn. Ein Klon war kein Roboter – aber doch ein künstliches Wesen, oder? Etwas durch und durch Unnatürliches.

Seitenangabe für Zitat3: 
155
Verlag: 
Bastei Lübbe
Auflage: 
2. Auflage
ISBN: 
ISBN-13: 978-3404243433 / ISBN-10: 3404243439

Kommentare

Ich mag Eschbachs Stil - egal ob Jugendbuch, wie hier oder Erwachsenen-Story. Es unterscheidet sich eigentlich nur durch die handelnden Personen, die halt auch Jugendliche sein können. Habe auch die Marsbücher gelesen und war begeistert. Bitte nicht durch die oft plumpen Covers abschrecken lassen. Von Eschbach kann man alles lesen und wird gut unterhalten.