Sitemap

Muo und der Pirol im Käfig

Bild von tedesca
Verfasst von yellow bookreader tedesca am Mo, 09/02/2009 - 11:08
Inhaltsangabe

Muo_und_der_Pirol_im_K__fig.jpgOb er ein Wahrsager sei, fragen sie, wenn Muo von den Mädchen und Frauen ihre Träume erfahren möchte, und sie lächeln ihn an. Vielleicht ahnen sie, daß der erste chinesische Psychoanalytiker und Traumdeuter von Freuds Gnaden noch etwas anderes im Schilde führt. Nach langen Jahren im französischen Exil kehrt Muo ins moderne postmaoistische China zurück, um »Vulkan des alten Mondes«, eine ehemalige Mitstudentin und seine große Liebe, aus politischer Gefangenschaft zu befreien. Dazu muß er die Gnade des Richters Di erwirken, und im Zuge eines seltsamen Wettstreits kommt der jungfräuliche Seelendoktor nicht nur quer durchs neue China, sondern endlich, endlich auch außerhalb seiner Träume in Berührung mit der wunderbaren Welt der Frauen. Diese Berührung elektrisiert Muo, ihm widerfahren allerlei Verwicklungen, und er macht Entdeckungen, auf die ihn keines seiner Lehrbücher im mindesten vorbereiten konnte.

Zitate

Freud und Richter Di sind nicht von der gleichen Welt. Um ehrlich zu sein, seit Muo wieder in China ist, regen sich in ihm gewissen zweifel an der Psychoanalyse. Leidet auch Vulkan des Alten Mondes am berühmten Ödipuskomplex? Die Männer, die sie geliebt hat, die sie liebt oder lieben wird, ja sogar ich, sind sie schlicht ein Ersatz für ihren Vater? Warum will Richter Di eine geschlitzte rote Melone kosten, ohne Angst zu haben, dabei seinen Penis zu verlieren? Was ist mit seinem Kastrationskomplex? Muo hat das Gefühl, das Schicksal gängle ihn, mache sich über ihn lustig wie ein kapriziöser Monarch. Nachts quälen ihn diese Fragen und lassen ihn nicht schlafen, und er wälzt sich schweißbedeckt im Bett. Er versucht, psychoanalytischen Werken entliehene orthodoxe Antworten auf diese Fragen zu finden, ohnd ei manchmal ziemlich befremdlichen Antworten frohen Herzens akzeptieren zu können. Was ihn am meisten quält, ist, daß er nicht ablassen kann von diesen Fragen, obschon er weiß, daß sie nie beantwortet werden können.

Seitenangabe für Zitat1:
117

"Darf ich Ihnen helfen, den Hosenladen auzumachen?" fratge sie mit der Natürlichkeit einer alten Prostituierten.
"Nein, danke", antwortete er verlegen.
"Mein Tarif ist ein Klacks für jemand, der so reich ist wie Sie, Professor Xiansheng."
"Hinaus", brüllte er sie an. "Sie sind ja wahnsinnig. Im übrigen, wer hat Ihnen gesagt, ich sei Professor?"
Sei ging folgsam hinaus und setzte sich ruhig wieder hinter ihren Verkaufstisch. Hätte sie im Namen ihres Geschäfts, im Namen ihrer Familie beharrt, oder hätte sie die in Not geratene Waise gespielt ... wer weiß, wie diese Klokomödie ausgegangen wäre.

Seitenangabe für Zitat2:
132

In genau diesem Moment glaubt er, die Quintessenz der modernen Kunst begriffen zu haben. "Sie allein, meine Geliebt, meine Balsameuse, verkörpert alle Frauen, deren Porträts in den großen Museen hängen, mit zwei Augen auf der einen Gesichtshälfte, mit ihren krummen, eckigen, geraden, zerschlagenen, zersplitterten Gesichtern; er sicht vor allem ein Bild Picassos vor sich, Die Frau mit der Mandoline und ihre schmelzende, tropfende Brust; nun versteht er, was für eine Leidenschaft auf diesem Bild festgehalten wurde. Er erinnert sich an ihren verfeinerten, auf das Wesentliche, auf ein winziges Rechteck reduzierten Kopf mit einem riesigen Auge in der MItte, das anmutig und verschmitzt aus einer dunklen, birnenförmigen Mandoline strahlt. Muos erster sexueller Akt läuft prfekt ab wie in einem Handbuch, ja, er verwandelt sich geradezu zu einer Dissertation über Picassos Werk. Er träumt, er sei Picasso, nicht wegen dessen Genialität oder Berühmtheit, sondern wegen eines zynischen, ungehemmten, unbestechlichen Blickes.

Seitenangabe für Zitat3:
234
Quellenangaben
Verlag:
Piper
Erscheinungsjahr:
2008
Auflage:
5. Auflage
ISBN:
ISBN-13: 978-3492245203
Meine Gedanken zum Buch:

Dai Sijie beschreibt mit einem Augenzwinkern sein Heimatland China mit all seinen Traditionen, der Korruption, dem Aberglauben, den Verbrechen an der Humanität. Nichts lässt er aus, und trotzdem ist es ein Buch, bei dem man immer wieder laut herauslachen muss. Muo in seiner unglaublichen Naivität macht sich auf den Weg, eine Jungfrau zu finden, den Bestechungspreis für den Richter, der das Geschick seiner großen Liebe in Händen hält. Sie zu befreien ist sein Lebenszweck, der Grund, warum er nach China zurückgekommen ist. Und obwohl sein Weg auch einmal auf erotische Wege abzweigt, verliert er doch sein Ziel nie aus dem Auge.
Wer China liebt oder es bereisen möchte, sollte dieses Buch lesen. Es heiter, bunt, ironisch, zynisch und böse - ein wahres Lesevergnügen.

Die User-Beiträge decken sich nicht zwingend mit der Meinung der Betreiber von bookreaders.at.
Sollten diese Ihre Rechte verletzen, bitten wir um .

Dein Lieblingsbuch im Bücherforum nicht gefunden?

Werde selbst Buchpate!

Inhaltsangabe bzw. Zusammenfassung - selbst verfasst oder der Buchklappentext, Zitate, Quellenangaben, deine Meinung, und schon bist du Buchpate. Wir freuen uns auf deine Lieblingsbücher.

Stelle deine Bücher im Forum vor und diskutiere mit anderen bookreaders über das Buch. Rezension bzw. Rezensionen sind zwar "hübsche" Worte, auf bookreaders.at schreibt einfach jeder seine Meinung in der Diskussion. Eine Bewertung des Inhalts mit Sternchen oder dergleichen, wie sie in Buchbesprechungen üblich scheint, gibt es auf bookreaders.at nicht. Was zählt sind die persönlichen Eindrücke über den Inhalt, den Autor, ... Wir freuen uns über jede Buchvorstellung.