Mitvergangenheit

9783942907002.jpgMaria beschäftigt sich auf dessen ausdrücklichen Wunsch hin mit der Vergangenheit ihres Großvaters. Schon bald gerät sie dabei in Lebensgefahr. Nicht nur alte Nazis haben ein Interesse daran, ihre Nachforschungen zu stören – auch in Griechenland gibt es Menschen, die mit allen Mitteln verhindern wollen, dass ans Licht kommt, was während des Zweiten Weltkriegs in einem griechischen Bergdorf geschehen ist.
Zuletzt wagte Klaus Modick 2003 in seinem Roman "Der kretische Gast" die Auseinandersetzung mit diesem unrühmlichen Kapitel der deutschen Geschichte. Ana Vasia geht weiter als Modick und beschreibt auch die griechischen Verstrickungen während der Besatzungszeit - und deren Fortwirken in der Gegenwart.
Ana Vasias Roman verwebt meisterhaft historische und zeitgeschichtliche Fakten mit einer spannungsreichen Enthüllungsgeschichte.

Mitvergangenheit ist ...
 eine Familiengeschichte: warum sind die Raupachers so oberflächlich, verstört und manchmal auch brutal? Liegt wirklich alles am Verhalten des Großvaters? Warum war der alte Mann so hart zu Frau und Kindern? Maria, seine Enkelin, beschäftigt sich mit der Vergangenheit des Großvaters und bringt die wahre Familiengeschichte ans Licht.
 ein Gegenwartskrimi: noch in Österreich wird Maria bedroht - in Griechenland trachten Unbekannte ihr offen nach dem Leben. Nur knapp entrinnt sie Anschlägen, als sie mit kriminalistischem Spürsinn versucht, die Familiengeschichte zu enthüllen.
 ein Roman zur deutschen Geschichte: ungesühnte Verbrechen der Wehrmacht in Griechenland bilden den historischen Hintergrund des Romans. Doch das "historische" Thema ist brandaktuell - denn die Klagen der Opfer aus Griechenland werden immer noch vor europäischen Gerichten verhandelt, da Deutschland die Reparationszahlungen verweigert.
 ein Griechenlandroman: Ana Vasia beschreibt den griechischen Alltag - und den Umgang der Griechen mit der eigenen Vergangenheit - authentisch und ohne Verklärung. Und so wird klar: auf beiden Seiten gab und gibt es Verbrecher.
 ein Österreichroman: die Raupachers stammen aus der Steiermark. Ana Vasia kennt ihre Landsleute gut, ihre Figuren sind mitten aus dem Leben gegriffen.

Meine Gedanken zum Buch: 

Ich habe den Roman von Ana Vasia, der eine Mischung aus Krimi und Familiengeschichte ist, mit sehr viel Interesse gelesen. Die Figuren sind so gezeichnet, dass sie mir sehr plastisch vorstellen konnte. Obwohl die Autorin zu denen gehört, die mit schmückenden Details und Beschreibungen auf Kriegsfuss steht. Trotzdem hatte ich beim Lesen immer das Gefühl, genaus zu wissen, wer wie aussieht und wie es wo aussieht.
Die Geschichte hat einen sehr ernsten Hintergrund, der immer noch aktuell ist - denn Griechenland hat bis jetzt noch immer keine Zahlungen für Kriegsverbrechen während der Besatzungszeit erhalten; und bitte - jetzt nicht mit dem Rettungsschirm der EU verweben, das ist dann doch etwas anders gelagert...;-)
Dass Vasia nie den zeigefinder erhebt, sowohl Österreicher, als auch Deutsche als auch Grieche gleichermaßen verantwortlich macht und/oder als Opfer zeigt, hat mir das Lesen sehr leicht gemacht. Wer immer schon einmal Griechenland abseits der Touristenrouten kennen lernen wollte und Spaß an interesanten Charakteren, Humor und Ernsthaftigkeit hat und auch mit spannenden Begebenheiten umgehen kann, dem sei dieser Roman von mir ans Herz gelegt.

Verlag: 
abdruck Verlagshaus
Auflage: 
Erstauflage
ISBN: 
978-3-942907-00-2