Kind 44

Moskau, 1953. In der Sowjetunion herrscht die nackte Angst. Stalins letzte Säuberungswelle wütet im Land. Die Staatssicherheit hat Ohren und Augen überall - und jeder denunziert jeden, in der Hoffnung, die eigene Haut zu retten.
Der hochdekorierte Kriegsheld und Geheimoffizier Leo Demidow wird zu einem Kollegen geschickt. Fjodors kleiner Sohn ist ums Leben gekommen - und Fjodor besteht darauf, dass es kein Unfall war, sondern brutaler Kindsmord. Diese Behauptung kann die Familie das Leben kosten, denn die herrschende Ideologie besagt: Im real existierenden Sozialismus gibt es kein Verbrechen. Warum sollte in der perfekten Gesellschaft jemand Grund haben zu töten?
Leo beginnt heimlich im Fall des ermordeten Jungen zu ermitteln - und stellt fest, dass einem bestialischen Killer immer mehr Kinder zum Opfer fallen. Aber seine Nachforschungen bringen Leo in tödliche Gefahr: Der Apparat bestraft die kleinste Abweichung von der vorgegebenen Verhaltensnorm mit gnadenloser Härte.

Meine Gedanken zum Buch: 

Wow, ein Buch mit dem "Das-kann-ich-nicht-weglegen-Effekt". Spannung pur mit historischem (sehr erschreckendem) Hintergrund zur Sowjetunion unter Stalin.
Wer schnelle, fesselnde Thriller gerne mag, dem kann ich dieses Buch nur empfehlen!

Wenn man die Dinge einfach laufen ließ, würde dieses haltlose Mordgeschwätz wuchern wie Unkraut, sich unter den Leuten ausbreiten und sie verunsichern, bis sie womöglich einen der Grundpfeiler der neuen Gesellschaft hinterfragten: ES GIBT KEINE KRIMINALITÄT.

Seitenangabe für Zitat1: 
37

Leo erkannte die Anspielung auf Stalins berühmtes Sprichwort:
VERTRAUEN IST GUT, KONTROLLE IST BESSER.

Wenn man unter sich war, machten die Leute daraus:

KONTROLLIERE DIE, DENEN DU VERTRAUST.

Seitenangabe für Zitat2: 
55

Das System brachte sie in Gulags oder vielleicht auch in ein anderes Haus, das direkt hinter diesem an der Warsonofjewski-Gasse lag. Auch dies war ein Gebäude der Staatssicherheit, mit abgeschrägten Fußböden, und Schläuchen, mit denen man die Bäche von Blut wegspritzen konnte. Was die Hinrichtungsrate betraf, so kannte Leo keine genauen Zahlen, aber sie war hoch, mehrere 100 am Tag. Bei solchen Mengen spielten praktische Erwägungen (wie einfach und schnell man zum Beispiel saubermachen konnte) durchaus eine Rolle.

Seitenangabe für Zitat3: 
90
Verlag: 
Goldmann
Auflage: 
1. Auflage
ISBN: 
978-3-442-47207-9