In unnütz toller Wut

In_unn__tz_toller_Wut.jpgIn unnütz toller Wut erzählt von den Bewohnern Monwards, einem verschlafenen Nest im Süden Hollands, deren Leben die rätselhafte Gegenwart der schönen Fotografin Lotte Weeda in Wallung bringt wie der Wind die Oberfläche des nahen, seichten Sees. Lotte hat sich vorgenommen, die zweihundert markantesten Gesichter des Örtchens zu bannen, darunter auch Abel, den Grafen. Plötzlich stirbt Abel -- ganz ähnlich wie viele andere der Porträtierten. Was hat die attraktive Fotografin mit den Todesfällen zu tun? Und was aber ist das Geheimnis, das hinter Lotte und ihren aufwühlenden Bildern steckt?

Meine Gedanken zum Buch: 

Ein literarischer Krimi, wie man ihn sich nur wünschen kann. Wobei die kriminellen Handlungen eher sehr am Rande stehen bwz. so gut wie garnicht vorkommen, aber das tut der Spannung und vor allem der Unterhaltung keinen Abbruch. Der Ich-Erzähler beschreibt mit Humor und einer guten Prise Zynismus das Leben in seinem holländischen Heimatdorf, nichts wird ausgelassen. Liebesgeschichten, Todesfälle, und jede Menge Kritik an der Gesellschaft, in der wir alle leben.
Nichts für Fans von beinharten Thrillers, aber für alle, die Wert auf gepflegte Sprache legen und gern beim Lesen ab und zu schmunzeln wollen.

"Sie hat mich fotografiert. Warum also stehe ich nicht im Buch?"
"Vielleicht weil Lotte das Foto nicht gefiel."
"Gütiger Himmel" Wenn hier jemand fotogen ist.... Ich meine: Du warst dabei, als sie das Ganze mit mir besprochen hat; sie wollte mir nicht in die Quere kommen, sagte sie, als ob ich... Was für eine riesige, unverschämte Sauerei, ich stehe nicht drin, während sie jede Menge von diesen reichen Arschlöchern hineingenommen hat, Ehepar, die vor Geld nur so stinken wie deine Leonore mit ihrem Abel. Die haben bestimmt dafür bezalt. Man kann mich doch nicht einfach übersehen? Schließlich bin ich mit Abstand die bekannteste Künstlerin hier im Dorf, ich..., ich..."

Seitenangabe für Zitat1: 
111

"Liebe Schicksalsgenossen! Ich habe Sie alle hierhin eingeladen, um mit Ihnen über den Fotoband zu reden. Seit das Buch vor ungefähr einem Jahr erschienen ist, sind von den zweihunderteins Portärtierten achtundvierzig verstorben. Neulich erst, wie Sie wissen, eine vierköpfige Familie, Mann Frau, Sohn, Tochter! Ich meine, wir müssen uns irgendwie gegen dieses Massaker wehren. Das Fotobuch ist nichts anderes als ein Totenregister."

Seitenangabe für Zitat2: 
206
Verlag: 
Piper
Auflage: 
1. Auflage
ISBN: 
ISBN-13: 978-3492246699

Kommentare

S. 181 "Dank des alljährlichen großen Auszugs verstummten auch in diesem Sommer die Straßen unseres glorreichen Dorfs fast vollkommen."
 
So schön kann man die Urlaubsruhe eines Dorfes umschreiben.

Nun bin ich fertig und ich find's schade. Gerne würde ich noch in diesem niederländischen Dorf bleiben. Als Krimi kann ich dieses Buch nicht beschreiben, eher erinnert es mich an die Polt-Geschichten. Ich könnte mir gut eine Verfilmung dieser Geschichte vorstellen.
 
Zum Abschluss noch ein Zitat:
 
S. 189: "Na ja, sie hat ja auch in erster Linie gerontologisch besonders Profilierte fotografiert."
 
Eben!

Meine aufmerksame Mutter hat mich darauf hingewiesen, dass die Verfilmung dieses Buches heute Abend im ZDF gesendet wird: "Ein Dorf sieht Mord" um 20.15 Uhr. Vielleicht hat jemand Zeit...

stimmig, überraschend bis zum Schluss, sehr gut gespielt. Nur das Notwendigste wird im Film gezeigt. Die Pointe dreht alles nochmals um. Danke für den Tipp.
schreibt Reinhard XING