In ihrer dunkelsten Stunde

In_ihrer_dunkelsten_Stunde.jpgEine ungewöhnliche Aufgabe für Avvocato Guido Guerrieri: Manuela, eine Studentin aus Rom, ist spurlos verschwunden, und der Polizei fehlt jeglicher Hinweis. Nun soll die Akte geschlossen werden – doch die verzweifelten Eltern bitten Guerrieri, dies zu verhindern. Schnell wird klar, dass er hier weniger juristisch nach einem Formfehler zu suchen hat, als vielmehr nach einer Möglichkeit, das unerklärte Verschwinden der jungen Frau doch noch aufzuklären und seinen Auftraggebern Gewissheit über das Schicksal ihrer Tochter zu verschaffen.
Und je mehr Guerrieri nachforscht, desto deutlicher wird, dass all jene, die Manuela gut kannten, mehr wissen, als sie sagen – und mit allen Mitteln versuchen, die grausame Wahrheit zu verbergen …

Meine Gedanken zum Buch: 

Endlich der lang ersehnte 4. Teil der Guido-Guerrieri-Reihe! Und, wie erwartet, lässt auch dieses Buch nichts zu wünschen übrig. Natürlich nur, wenn man sich für den Protagonisten und seine Umgebung interessiert, für seine Kindheit in Bari, für die Menschen dort, das dubiose Nachtleben und die bewegte Geschichte dieser Hafenstadt. Diese Dinge sind es, die Carofiglio-Fans schätzen. Dazu kommen natürlich die einfühlsamen Geschichten, die immer einen direkten Bezug zum aktuellen Geschehen und Leben unserer Zeit haben.
 
Der Autor, früher selbst Staatsanwalt im Kampf gegen das organisierte Verbrechen, kennt das Rechtssystem in Italien wie seine Westentasche, vor allem auch seine Mängel und Schwächen. Mitten in diesem täglichen Kampf um das Wohl seiner Klienten, wird Guerrieri mit der Suche nach einem verschwundenen Mädchen beauftragt und gerät in einen Strudel von Ereignissen, die sein eigenes Selbstbild völlig durcheinanderbringen.
 
Berührend und amüsant ist seine Freundschaft mit der ehemaligen Prostituierten Nadia und ihrem "Monsterhund" Pino, den er liebevoll "Baskerville" nennt.
 
Für mich knüpft Carofiglio mit diesem Buch nahtlos an sein letztes, "Eine Nacht in Bari" an, einem autobiografischen Roman, in dessen Mittelpunkt die Wandlung einer Stadt steht.
 
Alles in allem ist es für sich allein gestellt eine spannende Lektüre, jedoch glaube ich, dass man sie nur wirklich genießen kann, wenn man auch die drei Vorgänger dazu gelesen hat. Wenn man dann noch, so wie ich, Apulien liebt und Bari, DANN ist es ein Lesehochgenuss der besonderen Art.

Ich hörte auf, mit dem Sandsack zu kämpfen. Ich stellte mich vor ihn, versuchte meinen Atem zu kontrollieren, spürte, wie das Blut in meinen Schläfen pochte und in mir eine verzweifelte Zärtlichkeit für dieses Kind-Mann-Wesen aufstieg, das im Dunkeln unter den Decken lag und alles vor sich hatte, was noch kommen sollte.

Seitenangabe für Zitat1: 
66

"Welche Rasse ist dieses possierliche Tierchen denn?"
"Die einzige Hunderasse, die aus Apulien stammt."
"Und was soll diese Rasse sein Der Murgen-Teufel?"
"Es ist ein Cane Corso."
"Und das heisst..."
"... aber er heißt nicht so, weil er aus Korsika stammt. Corso kommt aus dem Lateinischen, von cohors, was so viel wie Hof, Einzäunung bedeutet. Der Cane Corso stammt von den apulischen Molossen ab. Pinos Vorfahren bewachten die Gutshöfe in Apulien, der Basilicata, in Molise. Oder sie kümpften mit Bären und Wildschweinen."

Seitenangabe für Zitat2: 
131
Verlag: 
Goldmann Verlag
Auflage: 
1. Auflage
ISBN: 
ISBN-13: 978-3442312290