In blinder Wut

013_961_305.jpgAmokläufe an Schulen stellen vor ein Rätsel: Wie kommt es, dass aus unauffälligen Schülern plötzlich Killer werden? Obgleich die gesellschaftlichen Ursachen deutlich sind, werden mit Vorliebe individualistische Erklärungsansätze herangezogen. Das Buch legt dar, inwiefern eine solche Sicht zu kurz greift, und wirft dabei einen kritischen Blick auch auf die Schule. Es zeigt, wie diese selbst derartige Extremreaktionen begünstigt und damit mitschuldig an den Amokläufen ist. Solange sie die gesamtgesellschaftlichen Defizite reproduziert, kann sie der inneren Vereinsamung und Bindungslosigkeit von Amokläufern nichts entgegensetzen. Andererseits existieren bewährte Konzepte der Kriminologie, durch die antisoziales Verhalten reduziert werden kann. Nichts spricht dagegen, sie auf die Schulen zu übertragen. Allerdings hätte das eine weitgehende Umgestaltung von deren Struktur und Verfahrensweisen zur Folge.

Meine Gedanken zum Buch: 

Wegen einem Referat über Amokläufe an Schulen beschloss ich, da das Internet eher spärliche Informationen zu diesem Thema liefert, ein Buch über dieses tragische Thema zu lesen. Viele Rezensionen haben ein interessantes, aufschlussreiches Buch vorausgesagt und anscheinend sollte es alles beinhalten, was ich für mein Referat brauchte. Obwohl der Klappentext sich nach einem recht anspruchsvollen Buch anhörte, fand „In blinder Wut“ sich schon wenige Tage später bei mir. Auch war ich zufrieden mit dem Preis, der sich bei anderen Büchern zum gleichen Thema oft noch um einiges steigert.  
Schon bei den ersten Seiten wurde mir klar, dass ich mich sehr konzentrieren und auch langsam lesen musste, um den Überlegungen von Hans-Peter Waldrich, dem Autor folgen zu können. Sofort merkt man, dass hier wirklich einer am Werk ist, der sich mit Amokläufen an Schulen auskennt und sich arg damit beschäftigt hat.
Ich muss zugeben, dass ich manche Seiten einfach übersprungen oder nur grob durchgelesen habe, da ich von dem, was Waldrich wahrscheinlich in ausführlichen, langwierigen Recherchen mühevoll zusammengetragen hat, nur mehr wenig verstand. Mit großer Sicherheit kann man aber sagen, dass ich einfach noch zu jung für dieses Buch bin. Ein Erwachsener würde Waldrichs Gedankengänge höchstwahrscheinlich besser nachvollziehen können. Das zeigt sich auch bei Amazon, wo jeder der vier Rezensenten mit 5 Sternen gestimmt hat.  
Auch wenn ich teilweiße wenig verstand, habe ich auch sehr viel Neues dazugelernt. Besonders das erste Kapitel hat mich sehr begeistert. Zu wissen, was in so einem Menschen vorgeht, war für mich sehr interessant. Der Autor geht wirklich auf alles ein. Er sucht nicht nur die Schuld beim Amokläufer selbst, sondern beschäftigt sich auch mit den Schulen selber oder leuchtet das soziale Umfeld aus, um nur einen kleinen Teil zu nennen. Für mein Referat hatte ich jedenfalls schon im ersten Kapitel genug Informationen.
 
Hier im Bücherforum wurden auch schon Bücher mit Geschichten von Amokläufen an Schulen vorgestellt: „Neunzehn Minuten“ von Jodi Picoult, „Ich knall euch ab!“ von Morton Rhue

Nach einiger Zeit spitzt sich diese Beschäftigung mit bestimmten Medieninhalten deutlicher auf ein bestimmtes Thema zu: den Schulamoklauf. Der Heranwachsende sammelt alles, was er dazu finden kann: Texte und Filme zu vorangegangenen Schulamokläufen, insbesondere zum Schulamoklauf an der Columbine High School in Littleton 1999. In einigen seiner Materialien werden die damaligen Täter, Eric Harris und Dylan Klebold, als Helden dargestellt oder in einigen Filmen auf Youtube zumindest eindrucksvoll in Szene gesetzt. Der Junge merkt sich genau, welche Waffen die Täter benutzten, was sie anhatten und wie sie vorgingen. Die Zahl der Toten ist ihm wichtig, denn er wird sich daran messen. Er merkt sich genau den Tag, an dem das Massaker ausgeführt wurde; es war der 20. April, der Geburtstag Adolf Hitlers. Er sammelt auch andere Medienberichte über Schulamokläufe. Besonders gefallen im die Darstellungen in den Boulevardzeitungen, in denen die Täter ganz groß herauskommen und eindrucksvoll über Tage hinweg auf den ersten Seiten abgebildet sind. Unter den gesammelten Materialien befinden sich auch virtuelle Darstellungen von Schulen, in denen man selbst einen Amoklauf „üben“ kann. So werden seine Phantasien immer konkreter.

Seitenangabe für Zitat1: 
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Hier sind keine Profikiller am Werk, sondern verwirrte Kinder und Jugendliche, die in den falschen Film geraten sind. Im großen Durcheinander versteht niemand, was da eigentlich geschieht. Auch die Täter können oft nichts Vernünftiges zu ihren Taten sagen. So geben Schulamokläufer, sofern sie das Massaker überlebten, manchmal zu Protokoll, keine Ahnung zu haben, weshalb sie das getan hätten. … Einige Fälle zeigen das besonders deutlich: Am 29. Januar 1979 schießt in San Diego, Kalifornien, eines der wenigen Mädchen bei School Shootings, Brenda Spencer, von ihrer Wohnung aus auf den gegenüberliegenden Schulcampus und tötet sowohl den Rektor als auch den Hausmeister und verletzt neun Schüler sowie einen Polizeibeamten. Auf die polizeiliche Frage, weshalb sie das getan habe, antwortet sie: „I don’t like Mondays. This livens up the day.“ (Ich mag Montage nicht. Dies bringt ein bisschen Leben in den Tag.)

Seitenangabe für Zitat2: 
19
Verlag: 
Papyrossa Verlagsges
Auflage: 
2. Auflage
ISBN: 
ISBN-13: 978-3894383749 / ISBN-10: 3894383747

Kommentare

Ein tolles Buch, das sich ebenfalls mit diesem Thema beschäftigt ist "Jesus von Texas" von DBC Pierre. Ich hab es vor einigen Jahren gelesen, aber hier noch nicht vorgestellt.
Eine interessante Doku zu diesem Thema ist "Bowling for Columbine" von Michael Moore.