Ich und Kaminski

kaminski_0.jpg Ein Kunst-Student will die Biographie eines alten, blinden Malers schreiben. Aus dem Gerangel zwischen dem jungen Autor und seinem widerstrebenden Opfer machte Daniel Kehlmann eine bitterböse Satire über die Sucht nach Ruhm und die Roheit der Medien

Meine Gedanken zum Buch: 

Dieser arrogante Nichtsnutz will aus reiner Gier mit teilweise verbotenen Mitteln den versteckt lebenden alten Künstler Kaminski jeden Tropfen Lebensblut nehmen. Es wäre ihm recht, würde der alte Mann bald sterben. Seine Biogrphie wäre ja dann ein umso größerer Erfolg. Er schaftt es aber nicht und enträtselt den Künstler. Er befreit ihn direkt. Den ganzen Text über (es sind ja nur 174 Seiten) wirkt dieser junge "Held" überdreht, übermotiviert direkt fahrig. Kaminski wird hingegen jünger und jünger. Am Ende fühlte ich so, als ob sie sich altersmäßig entgegengegangen wären.
Stilistisch äußerst intensiv und in absoluter Jetztzeit. Kehlmann erzählt nicht, er läßt die Handlung geschehen. Wo andere Schriftsteller sinnlose Seiten füllen, reduziert Kehlmann auf das Notwendigste - und das ist halt manchmal auch banal. Warum auch nicht? Ein großer Künstler.
Übrigens wird das Buch noch 2009 verfilmt.
 

... es gibt so viele Erklärungen, so viele Versionen von allem, am Ende ist die Wahrheit das banalste.

Seitenangabe für Zitat1: 
51

Er murmelte etwas unverständliches, wir sahen uns mißtrauisch an. Dannn trennten wir uns.

Seitenangabe für Zitat2: 
71

Ehrgeiz ist wie eine Kinderkrankheit. Man überwindet ihn und ist gestärkt.

Seitenangabe für Zitat3: 
104
Verlag: 
Suhrkamp Taschenbuch
Auflage: 
1
ISBN: 
9783518456538

Kommentare

Ich hatte das Buch auch bereits am Wickel. Und zwar ziemlich zeitnah nachdem ich das Buch beendet hatte, dessen Patenschaft ich in diesem Forum übernommen habe. Da verweise ich gern auf "Am Hang" von Markus Werner.
Der Klappentext mit den beiden gegensätzlichen Figuren - "junger-unbedarfter" Student und "alters-weiser" Künstler - hat mich Neugierig gemacht. Auch das Sujet, um jeden Preis Erfolg zu haben in unserer heutigen Gesellschaft, auch auf Kosten Anderer, interessierte mich und interessiert mich noch...
Also auch von mir kriegt das Buch den Daumen HOCH, schon aufgrund seiner Kürze und Prägnanz mit der hier u. a. Gesellschaftskritik geübt wird.
chiacchierata