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Hello Kitty muss sterben

Bild von tedesca
Verfasst von yellow bookreader tedesca am Mi, 09/02/2011 - 16:40
Inhaltsangabe

Eine junge Chinesin in San Francisco: Den Traditionalismus ihrer Eltern im Kreuz und die Herausforderung totaler Freiheit vor sich, trifft Fiona Yu einen alten Schulfreund wieder, der sich vom Außenseiter zum eleganten Serienkiller gemausert hat. Gemeinsam erleben sie eine rasante Zeit jenseits aller gängigen Klischees von Leidenschaft und Sex. Dass eine gehörige Zahl von Menschen für diese Vision mit dem Leben bezahlt, ist es ihnen wert.
Fiona Yu ist eine hochintelligente junge Frau. In dem Anwaltsbüro, in dem sie arbeitet, ist sie ständig unterfordert. Aber Fiona ist ein bisschen verwirrt, was ihr Frausein angeht. Denn sie kommt aus einem freundlichen, aber sehr traditionellen chinesischen Elternhaus. Und sie lebt in San Francisco, einer freundlichen, aber sehr freiheitssüchtigen Stadt. Fiona will nicht länger die "Hello-Kitty-Rolle" spielen, die ihre Eltern von ihr erwarten: stumm sein, keine Emotionen zeigen, einen chinesischen Mann heiraten. So unternimmt sie einiges, um ihr Jungfernhäutchen loszuwerden, wirklich aber bricht sie mit ihrem alten Leben erst, als sie dem Schönheitschirurgen Sean Killroy begegnet. Sie beginnt eine Beziehung mit ihm, die zu ihrer Freude ohne diesen hässlichen Sexdings-Zwang auskommt. Denn Sean hat eine ganz andere Leidenschaft: Er ist ein passionierter Serienkiller. Dass er all die Leute umbringt, die ihr blöd kommen, ist Fiona zunächst unangenehm, dann aber versteht sie es immer mehr als Ausdruck seiner Liebe. Den gezielten Gnadenmord entdeckt sie schließlich auch für sich als praktisches Mittel gegen die, klar, total gut gemeinte Verheiratungspolitik ihrer Eltern. Doch irgendwann beginnen die beiden, Fehler zu machen.

Zitate

Ich nannte meinen Dildo Mr Happy. Das schien mir ein angemessener Name für etwas, das das Privileg genießen sollte, die Ehre meiner Familie zu zerstören, welche ich beinahe drei Jahrzehnte lang gehorsam zwischen meinen Beinen aufrechterhalten hatte.

Seitenangabe für Zitat1:
8

Ich liebe Beerdigungen. Sie sind zum Bersten voll mit positiver Energie, was für jeden Menschen mit poröser Seele ideal ist. Es ist, als badete man in reinem Sonnenschein.
Ich habe eine sehr poröse Seele.
Wenn man den Verstorbenen gehasst hat, ist man froh - ja, gar glücklich -, dass er tot ist. Wenn man den Verstorbenen gelibt hat, ist man traurig. Man vermisst ihn und trauert, weil man ihn geliebt hat. So oder so schlagen sich die daraus resultierenden Gefühle positiv nieder. Nichts als positive Energie. Keine Eifersucht, kein Neid oder Groll, wie man sie bei Hochzeiten trifft.
Bloß reine Liebe und vielleicht eine geringfügige Portion Schadenfreude.
Niemand sagt je: "Ich war nun schon siebenundzwanzigmal Sargträger und noch nie der Verstorbene. Wann bin ich endlich derjenige, der vor den Altar getragen wird?"
Nimadn sagt je: "Ich wünschte, ich wäre diejenige in der Kiste mit der vom Leichenbestatter draufgekleisterten Schminke und dem Duft nach Formaldehyd."
Und die Topfgucker halten den Mund, weil niemand je fragt: "Und wann hast du vor, den Löffel abzugeben? Was für einen Sarg hättest du gern? Mahagoni oder Ebenholz?"
Vor allem aber rennt der Verstorbene nicht gestresst herum und plärrt Freunde und Familie an, sie sollten dafür sorgen, dass sein großer Tag genau so verläuft, wie er es sich seit seinem sechsten Geburtstag erträumt hat.

Seitenangabe für Zitat2:
211

Was Katie betraf, die bekam eine Gratisreise ins Leichenschauhaus. Denn das geschieht mit Hello Kittys, die sich nicht an die Spielregeln halten.

Seitenangabe für Zitat3:
238
Quellenangaben
Verlag:
Luchterhand Literaturverlag
Erscheinungsjahr:
2010
Auflage:
1. Auflage
ISBN:
ISBN 9783630873398
Meine Gedanken zum Buch:

Hauptakteuerin in diesem finster-humorigen Roman ist Fiona, die junge chinastämmige Anwältin, die sich trotz ihres Diploms einer Eliteuni ständig von ihrem Vater mit irgendeiner Dumpfbacke verkuppeln lassen muss, Hauptsache, der Typ ist Chinese. Und die in Hello-Kitty-Manier schön den Mund hält und immer brav ein Schleifchen im Haar trägt.
Da kommt ihr alter Schulkollege Sean wie gerufen, um ein Bisserl Spannung in ihr Leben zu bringen. Und um ihr so manches Hindernis aus dem Weg zu räumen.
"Hello Kitty muss sterben" ist als Thriller nicht wirklich spannend, weil im Grunde bis zum Schluss niemand auf die Idee kommt, Fi oder Sean irgendeiner bösen Tat zu verdächtigen. Die Geschichte lebt viel mehr von den locker hingeworfenen zynisch-ironischen Betrachtungen der beiden, wie sie das Leben als solches sehen und ganz besonders das Leben als chinesischstämmige Frau in den USA, wo Traditionen höher gehalten werden als im alten Heimatland.
Wirklich stimmig fand ich den Schluss, der hätte einfach garnicht anders sein können.
Was mich unglaublich gestört hat, war, dass im Klappentext schon erwähnt wird, dass Sean Serienmörder ist. Wie schade! Der Leser hätte doch so viel mehr Spannung erlebt, wenn er gemeinsam mit Fi so schön langsam dahintergekommen wäre, was hinter der glatten Fassade des Chirurgen steckt, der Jungfernhäutchen rekonstruiert. Dass man dem Leser so einen Teil des Erlebnisses nimmt, kann ich eigentlich nicht verstehen.
Alles in allem war "Hello Kitty muss sterben" ein kurzweiliger Lesespaß ohne tiefgreifende Emotionen oder Erkentnisse. Einfach gute Unterhaltung, und das darf ja auch sein.

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