Georg Friedrich Händels Auferstehung

Georg_Friedrich_H__ndels_Auferstehung.jpgInspiriert von der Kraft eines Schöpfergeistes, der selbst den Tod noch bezwingt, huldigte der Dichter Stefan Zweig (1881-1942) mit seiner ergreifenden Novelle *Georg Friedrich Händels Auferstehung* einer *Sternstunde der Menschheit*: Nach langer schwerer Krankheit scheint die Schaffenskraft des Komponisten Händel schon für immer gebrochen, als er sich 1741 wie erweckt aus den Fängen des näher rückenden Todes befreit. Im Verlauf dreier rauschhaft erlebter Wochen vollendet Händel die Niederschrift seines berühmten *Messias* und schafft ein Kunstwerk von bleibendem Wert und unvergänglicher Schönheit.

Meine Gedanken zum Buch: 

Diese Geschichte ist nur eine von zwölf, die man in "Sternstunden der Menschheit" finden kann. Sie wurde hier als eigenes, kunstvoll gestaltetes Büchlein zum Preis von 5 Euro neu aufgelegt, ein schönes Geschenk für Musikliebhaber, vielleicht als Beigabe zur entsprechenden CD, den berühmten "Messias". Denn darum geht es hier, um die Entstehung eines Werkes, das seinesgleichen nie gefunden hat. Wenn man liest, in welchen Wahn Händel beim Schreiben verfällt, hört man die Musik im Kopf, wie sie sich überschlägt, anschwillt, ganz leise wird und letztendlich in dem berühmten Halleluja ihren Höhepunkt findet.
So ganz nebenbei erfahren wir auch noch einiges über das Leben des berühmten Mannes, der zeitlebens in Geldnot war und trotzdem alle Einnahmen aus dem "Messias" für wohltätige Zwecke gespendet hat.
 
Dass Zweig großartig schreibt, muss ich wohl nicht erwähnen.
 
Das Büchlein selbst ist, wie gesagt, nett gestaltet, wobei mir die Grafik nicht gefällt, aber das ist halt, wie so oft, Geschmackssache. 35 Seiten Lesestoff durch relativ nichtssagende Zeichnungen eines Kirchenfensters auf 70 aufzupeppen... naja.

Vier Monate lebt Georg Friedrich Händel ohne Kraft, und die Kraft war sein Leben. Die rechte Hälfte seines Leibes blieb tot. Er konnte nicht gehen, er konnte nicht schreiben, nicht mit seiner Rechten eine einzige Taste zum Klingen bringen. Er konnte nicht sprechen, schief hing ihm die Lippe von dem furchtbaren Riß, der durch seinen Leib gegangen, nur lallend und verdumpft quoll ihm das Wort aus dem Munde. Wenn Freunde Musik für ihn machten, floß ein wenig Licht in sein Auge, dann regte sich der schwere ungebärdige Körper wie ein Kranker im Traum, er wollte mit in den Rhythmus, aber es war ein Frost in den Gliedern, eine grausige Starre, die Sehnen, die Muskeln gehorchten ihm nicht mehr; der einst riesige Mann fühlte sich hilflos eingemauert in ein unsichtbares Grab. Sobald die Musik zu Ende war, fielen ihm die Lider schwer zu, und er lag wieder wie eine Leiche. Schließlich riet der Artz aus Verlegenheit - der Meister war offensichtlich unheilbar -, man solle den Kranken in die heißen Bäder von Aachen sende, vielleicht brächten sie ein wenig Besserung.

Seitenangabe für Zitat1: 
17

Beim ersten Wort fuhr er auf. "Comfort ye", so begann der geschriebene Text. "Sei getrost!" - wie ein Zauber war es, diese Wort - nein, nicht Wort: Antowrt war es, göttlich gegeben, Engelsruf aus verhangenen Himmeln in sein verzagtes Herz. "Comfort ye" - wie dies klang, wie es aufrüttelte innen die verschüchterte Seele, schaffendes, erschaffendes Wort. Und schon, kaum gelesen, kaum durchfühlt, hörte Händel es als Musik, in Tänen schwebend, rufend, rauschend, singend. O Glück, die Pforten waren aufgetan, er fühlte, er hörte wieder Musik!

Seitenangabe für Zitat2: 
35
Verlag: 
Anaconda
Auflage: 
1. Auflage
ISBN: 
978-3866475984