Frisch

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Zwei Brüder, Archie und Sean - und Maggie, Seans Frau. Royston, ein Stadtteil von Glasgow, ein so genannter sozialer Brennpunkt. Eine Hühnerverarbeitungsfabrik, in der Sean sein Auskommen hat, durch harte, ehrliche Arbeit. Archie hingegen, der Ältere, ist schon früh auf die schiefe Bahn gedriftet. Sean hasst den Bruder für seine Grobheit, die Unverfrorenheit, mit der der sich nimmt, was er haben will, aber dass Archie sich schon als Kind in der Schule für ihn geprügelt hat, damals, als sie gerade ihre Mutter verloren hatten, das vergisst er ihm nie. Und als er sich von den tausend Pfund, die Archie bei ihm »hinterlegt« hat, siebenhundert »ausleiht«, damit die Tochter ins Schullandheim fahren kann und Sean selbst vielleicht beim Pferderennen gewinnt, da ahnt er nicht, dass diese kleine Verfehlung sein Leben für immer verändern wird.

Meine Gedanken zum Buch: 

Zwei Brüder, führen ein ähnliches und doch total unterschiedliches Leben. Von nun an Esse ich keine Hühner mehr aus dem Supermarkt, kaufe sie nur mehr noch direkt beim Bauern.

Die Haken zeihen sie unter Wasser, wo ein Stromstoß Augenblicke, bevor Gummiräder ihnen die Federn von der Haut mahlen, ihr Herz zum Stillstand bringt

Seitenangabe für Zitat1: 
13

DIe Teile werden nicht zur Bequemlichkeit der Hausfrau gemacht. Viele Tiere in der industriellen Landwirtschaft kriegen Geschwüre, Abszesse, Gangräne und Wunden, weil sie in der beengten Scheune um jedes bisschen Platz rangeln. Niemand würde ein Huhn kaufen, das auf der Brust einen Riesenabszess hat, aber die Beine, Flügel und die andere Brust schon. Oder Produkte aus dem Fleisch, das man vom Skelett geschabt hat.

Seitenangabe für Zitat2: 
62

Sean packte Archie hinten an der Jacke und versuchte, ihn wegzuziehen. Der Riese würgte Maggie einfach weiter. Sean schaute sich um und sah zwischen dem Geschirr neben der Spüle ein Messer. Er packte es und rammte es seinem BRuder weit ausholend in den Rücken. Archie grunzte und spannte sich an, ließ aber noch immer nicht los. Maggie hustete wie eine Sterbende. Sean packte den Jackenkragen und riss das Messer heraus. Mit aller Kraft zog er den Jeansstoff herunter und stach in den ungeschützen Hals. Er stach und stach, bis Archie wie ein Schlachtschiff in einem schäumenden Blutmeer niedersank. Sean trat zurück, als der große Mann auf den Boden krachte.

Seitenangabe für Zitat3: 
258
Verlag: 
Deutscher Taschenbuch Verlag
Auflage: 
Deutsche Erstausgabe
ISBN: 
10: 3-423-24627-8

Kommentare

Da ich bei einer Marktmusikkapelle mitwirke - es gibt bei jedem Fest "Grillhendl" - habe ich mit den Hühner schon lange abgeschlossen und esse keine mehr. Man kann mich mit "Grill- oder Backhendl" sehr verärgern bzw mir den Appetitt nehmen.
PS: Bei bookreaderstreffen keine "Hendl" gg sondern Kaviar und Sekt gg

Ich möchte ein wenig ausholen. Dieses Buch ist brutal. Nicht so sehr der Inhalt, sondern die Sprache, die aus den Untiefen des Drogenmilieus kommen. Witzige Momente wechseln sich mit interessanten Tagträumen ab. Sehr interessante Sätze, und auch sehr gute Umsetzung des Slangs (wie das auf englisch klingt, kann man sich bildhaft vorstellen). Die Sicht von Sean, der es erfolgreich raus aus dem Dreck geschafft hat, ist sehr interessant. Nur sein brutaler Bruder pfuscht immer wieder in sein Leben (und in das seiner Frau). Na, was kann es da für eine Lösung geben. Bis zum Schluss glaubt man nicht an ein so klassisches Ende.
Nochmals: Die Sprache überrascht und ekelt an manchen Stellen. An allen Ecken und Enden wird gelogen und auf niedertächtigste Weise wird der Andere schlecht gemacht. Auch die vermeintlich "Guten" sind in dem Schlamassel (der Gesellschaft?) natürlich gefangen und reagieren mit den gleichen Waffen.
Stellenweise ist die Spannung unerträglich und man vergisst die reale Umwelt. Ich glaube, das ist das, was ein gutes Buch schaffen kann und das ist (doch) ein gutes Buch.
schreibt Reinhard XING

Bei diesem Buch hat mir der (bayerische/deutsche) Dialekt gestört, er hat das Buch sehr abgewertet bzw verändert.