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Franziska oder ein Teenager entdeckt sich selbst

Bild von Andreas Rudolf
Verfasst von white bookreader Andreas Rudolf am Do, 16/10/2008 - 21:29
Inhaltsangabe

3866114117vaaa.jpg Das Buch erzählt die Geschichte eines 18jährigen Mädchens, das von ihrer Mutter in den Sommerferien gezwungen wird, zu sich selbst zu finden. Dabei behandelt die Mutter ihre Tochter so, wie sie sich benimmt - wie ein Baby.

Franziska lernt die Welt mit neuen Farben sehen und erfährt, was wahre Mutterliebe und Freundschaft sind.

Ich habe eine Website entdeckt, auf der das Buch genauer vorgestellt wird: http://franziska.oyla14.de

Zitate

Ich bin Franziska und 18 Jahre alt. Manche behaupten, dass ich ein Aprilscherz sei (Ha-ha), weil es gerade der Erste war, als ich auf die Welt kam. Das aber berührt mich nur peripher (oder auf Deutsch: das geht mir glatt am Ar*** vorbei).
Von meinem Aussehen her werde ich oft mit einem Kind verwechselt. Na ja, ist ja auch kein großes Wunder, wenn man sehr klein und zierlich ist – nur 1,37 Meter bei einem Gewicht von knapp 36 Kilogramm. Dabei „wurde“ ich schon kräftig gewachsen, weil ich sonst noch viel kleiner wäre (so kann ich wenigstens über die Tischkante gucken, wie manche Blödmänner in meiner Klasse sagen). Meine Mutter sagt, dass es nicht nur am Aussehen liegen würde, sondern vor allem an meinem Verhalten, dass viele mich nicht wie eine Erwachsene behandeln, sondern wie ein kleines KIND!
...
Ich besuchte bis zu den Ferien das Gymnasium in der zwölften Klasse in Bernau, einer Stadt am Rand von Berlin. Ich gehöre zu den beliebtesten Mädchen in meiner Clique, mit der ich auch häufiger in der Disco bin (und das immer bis weit nach Mitternacht). Und wenn das nicht geht, hängen wir am Bahnhof ab. Wie oft das ist, kriegt meine Mutter nicht mit, denn da ich sehr sportlich bin, habe ich mich schon oft abends aus dem Fenster gehangelt. Na ja, ab und zu erwischt die mich schon.
Einmal war die voll gemein! Da hat die doch einfach dort, wo ich immer lande, mein altes Planschbecken mit Wasser hingestellt. Natürlich traf ich voll und rutschte auch noch aus! Oh, war ich sauer! Weißt du, wie man sich da fühlt? Wie eine Katze, die gerade aus dem Aquarium klettert! Natürlich war mein „Ausflug“ damit beendet. Als ich wieder in mein Zimmer ging, stand die „alte Dame“ einfach nur da und sah mich an, ohne ein Wort zu sagen. Und die hatte mir auch noch ein Badetuch hingelegt…
...
Ungeschminkt verlasse ich natürlich nie das Haus. Make-up, Wimperntusche, Lid-schatten und ähnliche Segnungen der Kosmetikindustrie sind sehr wichtig für mich. Meine Mutter sagt immer, dass viel Spachtelmasse eigentlich in den Bereich der Schönheitschirurgie gehöre und ein umfangreiches Farbsortiment eher etwas für den Restaurator sei. Einmal hat sie mir doch glatt eine Büchse mit echter Spachtelmasse hingestellt und dazu noch blauen Reparaturlack!

Seitenangabe für Zitat1:
6

In der Nacht vor der Physikprüfung habe ich noch einmal die theoretischen Kenntnisse aus dem Unterricht gründlich „vertieft“, indem ich sie in die Praxis um-setzte (auf Deutsch: ich kletterte mal wieder aus dem Fenster). Wir wollten noch ein wenig abhängen. Leider war es dann doch schon „etwas“ später, als plötzlich zwei „freundliche Herren“ in blauen Uniformen auf dem Bahnhof auftauchten. Wie immer hatte ich meinen Ausweis nicht bei. Die Typen brachten mich, selbstverständlich unter Alkohol stehend, mit dem Limousinendienst (sogar mit Chauffeur, was für ein Service) nach Hause. Dass sie aber auch noch meine Mutter rausgeklingelt haben, war doch irgendwie gemein, denn sie musste immerhin am nächsten Tag wieder früh raus… und sie sah mich nur an, so trau-rig… und sagte kein Wort… Dabei ist die doch selbst schuld, wenn sie mich immer einsperren will!
Als meine Mutter, kurz nachdem sie mich früh geweckt hatte, vom Blaulichtfahr-zeug zum Noteinsatz abgeholt wurde, drehte ich mich spontan auf die andere Seite. Als ich wieder aufwachte, hatte ich kaum noch Zeit, mir die Zähne zu putzen. Frühstück? Wozu! Also im Sprint zur Schule! Als ich erschien, fielen mir fast die Augen zu, ich konnte mich kaum konzentrieren.
Ach war das fies! Ich wollte doch noch einen anderen Kugelschreiber einstecken! Und wo ist die Formelsammlung? Der Spickzettel war ja griffbereit – auf dem Schreibtisch zu Hause. Da lag er gut! Also ohne Hilfsmittel! Der absolute Volltreffer! Sch*** Verhältnisgleichungen… Wie gingen sie noch mal?
Ich bin zwar nicht gerade die Schlechteste in Physik, aber das konnte mich nun leider auch nicht mehr retten. Also meldete ich mich, weil ich (angeblich) aufs Klo musste. In Wahrheit wollte ich schnell mit dem Handy ins Internet, denn da finde ich alles! Leider aber kam Frau Stubenrauch (meine absolute „Lieblingslehrerin“, die die Aufsicht hatte) zu mir, als ich das Handy gerade in der Hand hatte, denn die Hose war zu eng, so dass ich nichts in die Taschen stecken konnte. So zog die blöde Kuh es „nur“ ein und sagte, dass sie es meiner Mutter vorbeibringen würde.
Ich war stinksauer, denn das Handy war meine letzte Chance. So brauchte ich einfach viel zu lange… und die Formel zur Berechnung von Quadraten kann sich doch keiner merken… Ich war einfach zu müde und konnte mich kaum konzentrieren. Daher gab ich Lösungen ab, die teilweise mehr Fragen stellten als beantworteten. Die Lehrerin schrieb drunter: „Sehr interessante Auffassung über das Wirken physikalischer Gesetze!“ Na ja, wenigstens hat es noch zur drei gereicht.
Später ging ich zusammen mit der Clique erst einmal in die Kneipe, denn ich musste meine Wut über die Prüfung und ihren Ablauf irgendwie wieder loswerden. Leider aber schüttete mir so ein Typ sein Bier über die Klamotten, und meine Mutter war entsprechend „begeistert“. Als sie mich auch noch volllaberte, war ich ganz schnell wieder am Bahnhof.
...
Mathematik… war auch eine interessante Prüfung. Ich gab einen Zettel ab, auf dem stand: „Siehe Formelsammlung, Seiten 19 – 21.“ Dazu schrieb ich: „Ich weiß, dass ich nichts weiß. Und damit weiß ich mehr als derjenige, der nicht weiß, dass er nichts weiß.“ Auf das nächste Blatt malte ich einen Raum mit einer Qualmwolke und schrieb dazu: „Für einen intelligenten Menschen ist es einfach, sich dumm zu stellen. Nur umgekehrt wird es problematisch!“
Ich hatte einfach keinen Bock, denn ich wusste, dass ich bei DER Lehrerin sowieso keine Chance habe, mehr als 9 Punkte zu erreichen… da kam es auf eine Klausur mehr oder weniger doch auch nicht mehr an! Leider gab ich versehentlich (Wirklich! Das musst du mir glauben!) den Zettel mit meinem kreativen Erguss auch mit ab. Und auch noch Sport… da habe ich immer durch Abwesenheit geglänzt…

Seitenangabe für Zitat2:
9

Ich habe gut geschlafen und bin richtig gut drauf. Da kann ich heute Abend mit Opas Moped nach Cottbus in die Disco fahren. Fahrerlaubnis habe ich zwar keine, da ich für Moped „zu klein“ bin laut TÜV… Aber ich habe genau aufgepasst, wie Opa das Ding gestartet hat! Also mache ich Abendsport, indem ich in der Nacht aus dem Fenster klettere.
Also… zuerst das Moped… ich sag dir, das ist schwer… leise vom Hof schieben… schnell anwerfen… schon fahre ich los!
MIST!!! Wieso muss mir der Straßengraben in den Weg springen?! Wenigstens sind die Bäume zur Seite gegangen…
Ich rappele mich mühsam auf und bewege mich. Zwar tut mir der Arm etwas weh, aber sonst ist mir nichts passiert. Nur das Moped… verbeult… Jetzt kriege ich Angst, denn meine Mutter hat mir so oft gepredigt, dass ich nie ohne Flebben fah-ren darf. Was soll ich machen? Ich haue ab! Endgültig! Obwohl ich Oma und Opa mag, weiß ich nicht, wie ich den beiden das erklären soll und wie sie reagieren… und meine Mutter… lieber verzichte ich auf das Abi! Sch*** drauf! Ab in die Freiheit!
Kurzer Check: Handy, Portemonnaie, Ausweis, Kontokarte… alles da. Auf geht’s! Ich laufe die paar Kilometer bis Guben und fahre mit dem Zug nach Berlin. Untertauchen ist auch nicht schwer, wenn man (wie ich) genug Geld hat. Das ist richtig schön, die absolute Freiheit zu genießen… und meine Kumpels, die ich getroffen habe, die verstehen mich auch. Da gibt es kein Problem, mit denen Party zu machen und zu trinken…
Als ich irgendwann meine Augen einen Spalt öffne, sehe ich flackernde blaue Lampen… und Leute in roten Jacken… und döse wieder weg…
Als ich das nächste Mal wach werde, liege ich in einem Zimmer, das ich nicht ken-ne… es ist ein Krankenhaus… mir ist so schlecht… die faseln was von Alkoholvergiftung… und dass ich noch Glück gehabt hätte, dass mir nichts weiter passiert sei… und nur das Geld weg ist… und meine Mutter bald käme…
Als sie am Bett steht, sagt sie, dass wir dringend reden müssen, da es so nicht weitergehen könne mit mir. Sie gibt mir zwei Möglichkeiten zur Auswahl, zwischen denen ich mich bis morgen zu entscheiden habe:
Möglichkeit eins: Ich kann eine Wohnung in Sarnow eingerichtet kriegen, einem kleinen Kuhkaff mitten in der Schorfheide. Sie würde Unterhalt und Miete zahlen, so dass ich nicht verhungern würde. Dort bekäme ich auch eine Ausbildung in der Tierhaltung. Die hätten dort eine Lehrstelle im Stall frei. Sie hätte sich schon erkun-digt, und die würden mich auch nehmen. Somit könne ich in neuer Umgebung völlig neu anfangen… Spinnt die „Alte“? Ist die mit dem Klammersack gepudert? Oder wurde die als Kind zu heiß gebadet? Hat die zu lange in der Sonne gelegen? Das ist ja am Ar*** der Welt!!! Völlig unannehmbar!!!
Möglichkeit zwei: Wenn ich auch weiterhin zu Hause wohnen wolle, würde sie mich mit Zwangsmaßnahmen festhalten. Ich könne immer versuchen, das Haus zu verlassen, um abzuhängen, wenn ich die Chance bekäme. Meine Mutter dürfe aber alles unternehmen, was sie wolle, dass ich zu Hause bliebe. Sie darf also über mich verfügen?! Sie kann weiter über mich bestimmen?! Aber wenn ich mich nicht drauf einlasse… Mich im Haus einsperren? Das packt die doch nie!!! Das beweise ich ja schon seit Jahren!!! Also kein Problem!
Ich will sofort zusagen, als meine Mutter sagt, dass ich erst überlegen solle, denn es bedeute auch, dass ich eine Erklärung abzugeben hätte, dass ich mit allen Maßnahmen einverstanden sei, die mich zu Hause festhalten, also auch mit allem, was mir Zeit zum Nachdenken gibt. Und diese Genehmigung soll für die Dauer von vier Wochen gültig sein. Na ja, das sitze ich auf einer Ar***backe ab! Da hänge ich eben in meinem Zimmer bei Musik und Fernseher ab. Alles kein Problem!

Seitenangabe für Zitat3:
11
Quellenangaben
Verlag:
pro literatur Verlag, Mering
Erscheinungsjahr:
2008
Auflage:
1. Auflage
ISBN:
978-3-866-11411-1/ 3-866-11411-7
Meine Gedanken zum Buch:

Ich finde die Geschichte interessant. Obwohl sie sich so wahrscheinlich nie ereignen wird, erzählt die Franziska die krassen Methoden so, als ob sie sie gerade erlebt. Am interessantesten aber ist, dass auch die Gefühle der Protagonistin so ausführlich dargestellt werden, dass der Leser sich in die Situation als Beobachter hinein begibt - fast so, als ob Franziska ihn an die Hand nimmt.

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