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Fräulein Else

Bild von Christina
Verfasst von grey bookreader Christina am So, 21/09/2008 - 12:49
Inhaltsangabe

Else ist mit reicher Verwandschaft in den Urlaub gefahren. Dort erreicht sie ein Expressbrief: eine gewisse Summe an Geld muss ihrem Vater schnellstmöglich überwiesen werden, oder es droht Bankrott und schlimmer: Gefängnis, Entehrung.
Else soll den reichen Herrn von Dorsday im Urlaub bitten, das Geld zu leihen. Dieser erklärt sich bereit-- unter einer Bedinung die Else so abscheulich vorkommt, dass sie verzweifelte Mittel anwendet.

Zitate

    Die Luft ist wie Champagner. In einer Stunde ist das Diner, das "Dinner". Ich kann Ciyy nicht leiden. Um ihr Mäderl kümmert sie sich überhaupt nicht. Was zieh' ich an? Das blaue oder das schwarze? Heut' wär vielleicht das schwarze richtiger. Zu dekolletiert? Toilette de circonstance heißt es in den französischen Romanen. Jedenfalls muß ich berückend aussehen, wenn ich mit Dorsday rede. Nach dem Dinner, nonchalant. Seine Augen werden sich in meinen Ausschnitt bohren. Widerlicher Kerl. Ich hasse ihn. Alle Menschen hasse ich. Muß es gerade Dorsday sein? Gibt es denn wirklich nur diesen Dorsday auf der Welt, der dreißigtausend Gulden hat? Wenn ich mit Paul spräche? Wenn er der Tante sagte, er hat Spielschulden, - da würde sie sich das Geld sicher verschaffen können.-
    Beinahe schon dunkel. Nacht, Grabesnacht. Am liebsten möcht' ich tot sein. -- Es ist ja gar nicht wahr. Wenn ich jetzt gleich hinunterginge, Dorsday noch vor dem Diner spräche? Ah, wie entsetzlich! -- Paul, wenn du mir die dreißigtausend verschaffst, kannst du von mir haben, was du willst.

Seitenangabe für Zitat1:
60
Quellenangaben
Verlag:
Fischer Taschenbuch Verlag
Erscheinungsjahr:
2007
Auflage:
19. Auflage
ISBN:
ISBN 978-3-596-29102-1
Meine Gedanken zum Buch:

Schnitzler schreibt unglaublich einfühlsam über den Gefühlstumult einer 20-jährigen jungen Frau aus gutem Hause zur k.u.k Zeit. Die Stilform des inneren Monologes lässt einen tief in den Charakter des Fräulein Else einblicken, so wirkt ihr ganzes Hadern und ihre Bedenken und schließlich ihre Verzweiflung noch realer als vielleicht bei einem auktorialen Erzähler.
Ich las das Buch zum ersten Mal kurz nach der Matura und seitdem immer wieder-- diese Novelle bleibt stets fesselnd und man entdeckt jedes Mal mehr an der Geschichte und der Schreibweise. Der Text an sich fasst gerade mal 120 Seiten-- ein weiteres Argument um diese Novelle zu lesen, denn es gibt nicht viele klassische österreichische Schriftsteller die sich so kurz und prägnant halten.
Ich bin jedes mal aufs Neue überrascht und berührt von dem Text, und wie bei Romeo und Julia wünscht man sich insgeheim, dass es diesmal gut ausgeht.

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Bild von markuskrimi

Habe dieses Stück auf der

Habe dieses Stück auf der Ebene 3 im Schauspielhaus gesehen. Super moderninsziniert!!!

Bild von Michael Hausmann

Wirkliche Unschuld

schliesst Schnitzler in all seinen Charakteren aus.
Unterschiede bestehen hauptsächlich aus dem Vermögen dieselbe besser oder schlechter darzustellen und in das enge Korsett der Gesellschaft des Fin de siècle zu pressen. Auch Fräulein Else würde gerne, kann und wagt es jedoch nicht aus sich herauszugehen.
Und dann gibt es da noch die echten Schlitzohren und Falschspieler.
Wo ist der Unterschied zu heute? Das Niveau des gewohnten und ungewohnten mag sich verschoben haben, auch die Mittel und Methoden der Selbstdarstellung, die Akteure jedoch spielen zu jeder Zeit auf der selben Bühne der oberflächlichen Moral.
 

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