Finale

finale_0.jpgNach langer Abwesenheit kehrt ein Mann in seine Heimatstadt Wien zurück und trifft gleich am ersten Abend auf eine Frau, die der Liebe seines Lebens zum Verwechseln ähnlich ist. Doch sie kann es nicht sein, denn Klara ist tot, vor Jahren unter mysteriösen Umständen ertrunken.

Meine Gedanken zum Buch: 

Zentrales Thema ist meiner Ansicht: Kann die Liebe zu einer Person, dessen Eignung für eine gewisse Sache erhöhen? Werden dadurch durchschnittlich begabte Personen in Spezialpositionen gehieft und dadurch eigentlich  verheizt? "Du bist die/der Richtige dafür" sind Sätze, die nicht ausgesprochen werden sollten.
Ein Buch voller blinder Liebe - fast schon Hörigkeit. Unbedingte Empfehlung meinerseits.

Ein zweites kulturelles Großereignis (der Apotheker hatte das Trachtentreffen tatsächlich als kulturelles Großereignis bezeichnet) sei von einer Ortschaft wie Ratten nicht zu verkraften, schon ein einziges sommerliches Kulturfest würde die Infrastruktur von Gemeinde und Region bis an die äußersten Grenzen beanspruchen, daher komme es nicht infrage und sei keinesfalls in Erwägung zu ziehen, dem Trachtentreffen durch eine andere Veranstaltungsreihe Konkurrenz zu machen, insbesondere, da das Trachtentreffen ein sinnvolles Bewahren regionaler Tradition darstelle, ein Festival in der von uns umrissenen Art jedoch keinerlei Anbindung an den ländlichen Raum erwarten lasse.

Seitenangabe für Zitat1: 
86

Zum ersten Mal trug Ulla ein Kleid, blau, aus leichter Wolle, sie ging vom Esstisch in die Küche, kehrte zurück, und während ich mich dem Tisch näherte, bemerkte ich, dass auch Alfred ihr nachsah, er und ich folgten Ulla, die das Nachtmahl auftrug, mit unseren Blicken.

Seitenangabe für Zitat2: 
87

Der Block war mir vom Schoß gerutscht, in der Stille hörte ich nichts als das Rascheln der papierenen Blätter im Gras.

Seitenangabe für Zitat3: 
187
Verlag: 
btb
Auflage: 
1. Auflage
ISBN: 
9783442735921

Kommentare

ist offensichtlich nicht geeignet für den Auftrag, den sie erfüllen soll - sie ist sogar überfordert. Es ist meiner Ansicht nach auch nicht ganz klar, was der Erzähler von "seinen Klaras" will. Eine normale Beziehung zu Frauen ist das nicht. (Moldauer hat da anscheinend einen anderen Zugang zu den Frauen.) Der Erzähler mystifiziert Klara und hat es wahrscheinlich nie geschafft, sie tatsächlich zu berühren.

dass du's schon durch hast.
Ja, das ist ganz eigenartig. Sein Wunsch, sie könnte es bitte doch sein, die Freundin aus der Vorzeit, gipfelt in eine Art Blindheit und in ein hoffendes Experiment mit diesem Konzert am Land.
Er gibt sich mutig - jedoch ist das fast fahrlässig. Durch seine Krankheit wird ihm diese Idee, kommt mir vor, eher erlaubt. Oder?
Narrenfreiheit, kränkliches Aufbäumen, ...
schreibt Reini

tatsächlich die neue Klara?
Hätte denn die "alte" das gehalten, was sich der Erzähler versprochen hat?
Ist denn die "neue" tatsächlich nicht die "alte"?
War deshalb das Experiment mit dem Festival ganz umsonst?
Nein, sage ich, recht hat er, no risk no fun, und den Spass hat er gehabt und sich selbst ein paar wunderschöne Wochen geschenkt. Seine letzten.
Hätt er's nicht gemacht, wär er einfach so im stillen Kämmerchen zu Grunde gegangen, oder?
 

darf er mit Menschen nicht so umgehen, als wären es Puppen, und er allein bestimmt, was passiert. Natürlich - es ist gut, dass er sich aufgerafft hat und leidenschaftlich sein Ziel verfolgt. Aber die neue "Klara?" war nur Spielzeug in seinem Spiel und wusste nicht wie ihr geschieht und war - wie gesagt - überfordert.

möglicherweise überfordert. Aber nur mit der Musik, die sie hätte spielen sollen. Und welcher Tutti-Musiker kann der Versuchung widerstehen, endlich den Grundstein für seine Solokarriere zu legen? Ich denke Wallner hat hier sehr gut das freizügige Leben, die Intrigen und den Ehrgeiz in Musikerkreisen wiedergegeben.
Bedeutet nicht, Klara als "Puppe" zu bezeichnen ihr gleichzeitig zu unterstellen, sie wüßte nicht was sie tue? Ich denke eher, es war Klara, die hier - mit vollem Risiko zwar, aber sehr bewußt - gespielt hat.
 

die alte Klara sein, denn, das liegt auf der Hand, ihr Talent nicht der alten entspricht. Nr. 1.
Jedoch bewundere ich den Mut der neuen Klara, die genau weiß, dass sie das Geforderte nicht erfüllen kann. Ich glaube, sie liebt die Liebe, die ihr entgegengebracht wird, ohne die Person ihres Entdeckers zu lieben. Sie schätzt also, und freut sich, der Chance, die ihr gegeben wird. Sie weiß ja definitiv nichts von der alten Klara, nur ihr Umfeld setzt sie immer wieder in Beziehung zur alten. Ich glaube, dass wir alle gerne in eine Richtung gelenkt werden, wenn das mit Bewunderung (egal woher diese kommt und stammt oder herrührt) geschieht und gerne (passiv) in eine Richtung gestoßen werden.
"Jemand vertraut mir, also hau ich mich rein" das dürfte der Leitspruch der neuen Klara sein.
schreibt Reinhard