Fegefeuer

Fegefeuer.jpgWer Äußerstes erlebt hat, ist auch zum Äußersten bereit... Wer Äußerstes erlebt hat, ist auch zum Äußersten bereit – das zeigt dieser vielfach ausgezeichnete und hoch spannende Roman über zwei Frauen, die sich wie zufällig begegnen und die doch eine gemeinsame Geschichte und vergleichbare Erfahrungen verbinden: Egal welches politische System auch herrscht, Opfer sind immer die Frauen.

Meine Gedanken zum Buch: 

"Fegefeuer" ist ein sehr ungewöhnliches Buch. Sprachlich hat es mich ja nicht so beeindruckt, wie ich es nach den vielen Rezensionen erwartethätte. Es ist schlicht, ohne dabei besonders originell oder irgendwie großartig zu sein. Die Sprache schafft für mich die Distanz zu der Geschichte, die man mit mehr Pomp auch nicht erzählen könnte, ohne in etwas Wertendes abzurutschen, und genau das gefällt mir an dem Buch.
Eine der Hauptfiguren ist ja wirklich alles andere als sympathisch, trotzdem wird ihr Teil der Geschichte ebenso neutral erzählt, wie der der jungen Frau, die als Prostituierte verkauft und unglaublich brutal missbraucht wird.
Die Geschichte an sich ist ja nicht neu, sie passiert auf der ganzen Welt immer wieder. Sowohl die Unterwerfung eines ganzen Volkes mit all den dazugehörigen Repressalien, als auch der Missbrauch von jungen Frauen. Letzteren finden wir höchstwahrscheinlich ganz in unserer Nähe, Frauenhandel ist immer noch ein florierendes Geschäft.
Alles in allem erzählt Sofi Oksanen eine schockierende Geschichte mit einer feinen Schlusspointe, die aber nicht lustig ist, sondern einen noch einmal mehr darüber staunen lässt, wozu Menschen imstande sind, und welche Motivationen sie antreiben. Ein wirklich lesenswertes Buch!

Verlag: 
btb Verlag
Auflage: 
1. Auflage
ISBN: 
978-3442742127

Kommentare

gestern begonnen und nach den ersten Seiten ist schon mal kar, Sofi Oksanen trifft den richtigen Ton und wenn ich mir so die Amazon-Bewertungen anschau, ja.... dürfte ein Volltreffer sein.
Bin schon sehr gespannt auf den weiteren Verlauf....

gestern begonnen und nach den ersten Seiten ist schon mal kar, Sofi Oksanen trifft den richtigen Ton und wenn ich mir so die Amazon-Bewertungen anschau, ja.... dürfte ein Volltreffer sein.
Bin schon sehr gespannt auf den weiteren Verlauf....

 ........ puh... da kommt ja so einiges daher, dass einen echt an die Nieren geht....Oksanen schreibt eigentlich realtiv nüchtern, der Ton ist sehr leise, ohne viele Ausschweifungen... vielleicht ein Grund, warum mir vieles direkt unter die Haut geht. Was es mit Aliide auf sich hat, ist noch im Dunkeln....diese Frau ist ganz eigenartig...auf der einen Seite so kalt und distanziert, dann aber doch irgendwie hilfsbereit. Sie lässt den Leser bisher noch nicht so richtig hinter die Fassade blicken...

... so, gestern beendet.
 
Ein Buch, das wirklich auf`s Gemüt schlägt.
Oksanna erzählt die Geschichte zweier Frauen, deren Leben durchwegs von Gewalt dominiert wird. Sie leben unter der Herrschaft von Männern, die sie körperlich wie auch seelisch zerstören.
Dieser Bruch ist deutlich spürbar, obwohl die Autorin einen sehr nüchternen und distanzierten Ton pflegt. Vieles ist der Fantasie des Leseres überlassen, wird aber trotzdem so formuliert, dass automatisch Bilder entstehen, die man auch nicht so schnell wieder abschüttelt.
Spannung, Erschütterung und auch Neugier packen einen und begleiten einen durch die Seiten.
Was ich an diesem Roman allerdings als etwas Negativ empfungen habe, war seine Länge.... vieles wird so unendlich ausgedehnt, dass man oft schon ungeduldig wird.... man wartet und wartet..... denkt sich: "Jetzt muss es doch endlich weiter gehen" .... aber nein, man steckt noch immer in der gleichen Situation fest... Dinge werden ins Endlose beschrieben, Begebenheiten ins Endlose Ausgeschlachtet.... oft war ich kurz davor, echt die Geduld zu verlieren...
Nichts desto trotz ein wirklich lesenswerter Roman, der den Leser auf keinen Fall kalt lassen  und auch das Thema Frauenhandel/Missbrauch in den Gedanken wieder präsenter machen wird.