Engel des Vergessens

Engel_des_Vergessens.jpgEs ist die Geschichte eines Mädchens, einer Familie und zugleich die Geschichte eines Volkes. Erinnert wird eine Kindheit in den Kärntner Bergen. Überaus sinnlich beschwört die Autorin die Gerüche des Sommers herauf, die Kochkünste der Großmutter, die Streitigkeiten der Eltern und die Eigenarten der Nachbarn. Erzählt wird von dem täglichen Versuch eines heranwachsenden Mädchens, ihre Familie und die Menschen in ihrer Umgebung zu verstehen. Zwar ist der Krieg vorbei, aber in den Köpfen der slowenischen Minderheit, zu der die Familie gehört, ist er noch allgegenwärtig. In den Wald zu gehen hieß eben »nicht nur Bäume zu fällen, zu jagen oder Pilze zu sammeln«. Es hieß, sich zu verstecken, zu flüchten, sich den Partisanen anzuschließen und Widerstand zu leisten. Wem die Flucht nicht gelang, dem drohten Verhaftung, Tod, Konzentrationslager. Die Erinnerungen daran gehören für die Menschen so selbstverständlich zum Leben wie Gott.Erst nach und nach lernt das Mädchen, die Bruchstücke und Überreste der Vergangenheit in einen Zusammenhang zu bringen und aus der Selbstverständlichkeit zu reißen - und schließlich als (kritische) junge Frau eine Sprache dafür zu finden.

Meine Gedanken zum Buch: 

"Engel des Vergessens" ist Maja Haderlap`s Romandebüt, für welches  sie sogar den Ingeborg-Bachmann-Preis 2011 gewonnen hat.
Allein schon diese Tatsache hat einiges hoffen lassen, aber ich muss gestehen..... so ganz hat mir dieses Buch nicht erreicht. Vielleicht waren die Erwartungen auch zu groß..... schwer zu sagen.
Ich muss natürlich aber auch anmerken, dass mein Wissen bzw. auch mein Interesse an diesen geschichtlichen Dingen, wie dem 2. Weltkrieg und den Partisanenkämpfen, nicht soooo groß ist. Allein das hat auf jeden Fall dazu beigetragen, dass es für mich oft schwer war, mich in diverse Dinge reinzudenken und auch reinzufühlen.
Was Haderlap aber sehr anschaulich und mit mit viel Feingefühl hier zeigt, ist die Ohnmacht und auch die Hilflosigkeit, mit der der Krieg seine Opfer zurück lässt..... vorallem in der Person des Vaters wird das sehr deutlich... die Dämonen haben ihn nach all den Jahren noch immer fest im Griff und es ist ein unerbitterlicher Kampf, den er nach wie vor jeden Tag mit sich selbst austragen muss...
Eine Flucht aus den Erinnerungen ist unmöglich..... ein Vergessen undenkbar..... und auch die schnelllebige Zeit und die Veränderungen, die das heutige Leben mit sich bringt, lassen sich schwer in das Gewohnte miteinflechten.
Es gibt viele Momente in diesem Buch, die mir als Leserin sehr ans Herz gegangen sind.... die mich betrüben und nachdenklich machen..... und auch ein bisschen froh..... froh darüber, dass all dies vor meiner Zeit war und mich in meinem Leben und Fühlen nicht beeinflusst bzw. geprägt hat....
 

Der Krieg ist ein hinterhältiger Menschenfischer. Er hat sein Netz nach den Erwachsenen geworfen und hält sie mit seinen Todesscherben, mit seinem Gedächtnisplunder gefangen.

Seitenangabe für Zitat1: 
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Die Tränen des Polizisten, der bei  Großmutters Verhaftung assistierte, treiben auch den Erzählern Tränen in die Augen, als ob ihnen die Emotionen des Fremden erst die eigenen Trauer ermöglichten, als ob sich ihre Verzweiflung in den Augen des fremden Polizisten wirklicher und glaubhafter widerspiegelte als in ihrem eigenen Inneren.

Seitenangabe für Zitat2: 
0
Verlag: 
Wallstein Verlag
Auflage: 
7. Auflage
ISBN: 
978-3-83553-0953-1