Eine blaßblaue Frauenhandschrift

Leonidas Tachezy bekommt einen Brief seiner Jugendliebe Vera Wormser, in der er als wohlhabender Sektionschef gebeten wird ihrem 17 jährigen Sohn einen Platz in einer guten Schule zu besorgen. Leonidas ist wie vom Donner gerührt und ist der Überzeugung, das von seinem Sohn die Rede ist, der aus eine kurzen aber intensive Liebesaffaire mit Vera entsprossen ist. Das schlechte Gewissen beginnt ihn zu packen, wilde Phantasien machen sich breit, denn frühere Briefe von Vera hat er ungelesen vernichtet. Leonidas verliert seine aalglatte Oberfläche, wird angreifbar. Schliesslich ringt er sich durch, Vera zu treffen...

Meine Gedanken zum Buch: 

Schlechtes Gewissen und Taten aus längst vergangenen Tagen können das Jetzt aufs erstaunlichste beeinflußen. Hier hilft keine Abgebrühtheit, kein Training, denn der Schlag kommt ohne Vorwarnung in Momenten der größten Selbstgefälligkeit!

Wenn er den Brief liest, wenn zur Gewißheit wird, was er nicht einmal zu ahnen wagen darf, dann gibt es kein Zurück mehr. [...] Ratlos steht er im engen Raum, während die Sekunden eilen. Ihm wird übel vor seiner eigenen Angst und Niedrigkeit.

Seitenangabe für Zitat1: 
25
Verlag: 
Fischer Taschenbuch Verlag
Auflage: 
16. Auflage
ISBN: 
3-596-29308-1

Kommentare

auch wenn mich dieses Buch inhaltlich nicht sooooo angesprochen hat (kann deine Kritik gut nachvollziehen), so finde ich Werfel`s Sprache einfach wunderbar zu lesen.
Für mich zwar mein erster Werfel, aber sicher nicht mein letzer... bin neugierig geworden!!!!
 

 S. 17: Eine Sekunde lang taucht er den Blick in Amelies Augen. Sie sind grünlich und sehr hell. Leonidas kennt genau diese wechselnde und gefährliche Färbung. An gewissen Tagen hat seine Frau meteorologisch verändeliche Augen. "April-Augen" hat er`s selbst einmal genannt. In solchen Zeiten muss man vorsichtig sein. Szenen liegen in der Luft ohne die geringste Ursache.

Ich musste dieses Buch in der Schule mit einem Referat vorstellen, ist schon lang her... Auf jeden Fall hat mir Werfel gefallen. In einen Menschen zu schauen, seine Gedanken, Ängste, Sehnsüchte zu erfahren ist immer spannend. Und das beschreibt Werfel echt toll!