Die unglaubliche Geschichte des Henry N. Brown

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Henry N. Brown erblickt das Licht der Welt, als ihm das zweite Auge angenäht wird, am 16. Juli 1921. So beginnt ein turbulentes Leben. Eine Odyssee durch Europa, durch das zwanzigste Jahrhundert, durch Krieg und Frieden. Und überall, wo Henry hinkommt, bemerkt er, dass die Menschen vor allem ein Bedürfnis haben: Sie brauchen jemanden, der ihnen zuhört.

Meine Gedanken zum Buch: 

Fast ein ganzes Jahrhundert begleiten wir den Teddybären Henry N(early) Brown auf seinen Reisen. Gemeinsam mit ihm durchleben wir Kriegszeiten oder Zeiten des Aufschwungs und des Hoffens, Naturkatastrophen, Familiendramen, Krankheiten... Wir reisen durch viele Länder Europas, trösten kleine Kinder oder einsame Erwachsene, kommen unter in reichen, armen und zerrissenen Familien, werden von manchen als Zuhörer, Trostspender oder Gefährte angesehen oder dienen anderen wiederum einfach nur als Staubfänger.
Ich war von diesem Buch überwältigt, es ist so einfach zu lesen und trotzdem beinhaltet es so viele Weisheiten, die nur eine unbedarfte Seele, wie sie der Teddybär in diesem Buch hat, so treffend erfassen kann. Fast naiv wirken die Gedanken manchmal, wie die eines Kindes, aber sie sind einfach nur wahr.
Die Geschichte regt dazu an,  manche Gedanken wieder einmal neu zu ordnen und darüber nachzudenken, was einem wirklich wichtig ist.
Lasst euch nicht davon abschrecken, dass ein Teddybär die Hauptrolle spielt und auch nicht vom Cover - es handelt sich keineswegs um ein kindisches Buch, sondern viel eher um eine wunderbare Geschichte über das Menschsein.
Dieses Buch werde ich heuer ganz bestimmt einigen Freunden und Verwandten unter den Christbaum legen.

Es dauerte noch zwei Tage, ein Kaffeekränzchen mit Tante Lottchen, Friedrichs Schwester Franziska und Schwägerin Fritzi sowie drei Flaschen Rotwein, dann war ich zu folgender Theorie gelangt: Es schien in diesem Land hauptsächlich drei Gruppen zu geben. "Das Volk", die Nazis und die Juden - "Das Volk" waren Leute wie Marlene, Franziska und Tante Lottchen. Der Führer und Karl Freiberg, unser Nachbar, waren Nazis, und Sarah, Marlenes beste Freundin, war Jüdin.
Wenn ich es richtig verstand, sollte "Das Volk" im Großen und Ganzen alles tun und glauben, was der Führer sagte, und ansonsten keine Fragen stellen. Währenddessen sorgten berufene Scheusale wie Karl Freiberg, die sich für die Diamanten in der Krone der Schöpfung hielten, dafür, dass Juden wie Sarah den gelben Stern auf der Brust trugen und dann von der Bildfläche verschwanden, denn laut Führermeinung waren sie eine minderwertige Rasse. Und weil dies die Führermeinung war, musste "Das Volk" zumindest so tun, als glaubte es dasselbe, denn alle wussten: Zuwiderhandlung wurde schwer bestraft.
Ich konnte das kaum glauben. Waren denn hier alle verrückt geworden?

Seitenangabe für Zitat1: 
201

Es fiel mir schwer, zu begreifen, was hier vor sich ging. Eine Familie wie diese war mir noch nicht untergekommen. Die Hofmanns hatten alles, was das Herz begehrte. Ein großes Haus, ein großes Auto, einen großen Fernseher, einen großen Bekanntenkreis. Laura ertrank in Spielsachen, Claire in der Auswahl ihrer Kleider und Bernard in seiner Hausbar. Doch sosehr sie es auch glauben wollten - all das konnte sie nicht glücklich machen.

Seitenangabe für Zitat2: 
399

Kommt und holt mich. Schaut euch die Liebe an, die mein Leben bestimmt hat. Haltet sie in euren Händen und fühlt, wie sie pulsiert. Vielleicht hilft es euch. Vielleicht erweckt es in euch den Glauben an das Gute zu neuem Leben. Vielleicht schöpft ihr Mut. Vielleicht werdet auch ihr euch ein Leben lang an mich erinnern.

Seitenangabe für Zitat3: 
474
Verlag: 
Rowohlt Taschenbuch Verlag
Auflage: 
4. Auflage
ISBN: 
978-3-499-252899-1