Sitemap

Die sechste Laterne

Bild von tedesca
Verfasst von yellow bookreader tedesca am Fr, 03/07/2009 - 09:35
Inhaltsangabe

Die_sechste_Laterne.jpgAls der junge Italiener Silvio Balestri 1914 nach New York auswandert, wird er von einem einzigen Gedanken beherrscht: Er will einen zweiten Turm zu Babel bauen. Jahrelang arbeitet er Nacht für Nacht an den Plänen. Als seine Frau einfach verschwindet, bemerkt er dies kaum.
Während Balestri das innerste Geheimnis der Baukunst ergründet, heuert ihn ein Architekturbüro für die Lösung eines scheinbar ganz profanen Geheimnisses an: Die New Yorker Architekturbüros stehen in einem gnadenlosen Wettkampf um den höchsten und modernsten Wolkenkratzer der Welt. Jede neue Idee wird sogleich der Konkurrenz in die Hände gespielt. Balestri soll das Leck finden. Die Aufgabe führt ihn in ein unentwirrbares Geflecht aus Intrigen und schließlich zu dem Geheimbund Die sechste Laterne.

Zitate

Ende der Vierzigerjahre führte ein Brand in einem Nachtclub an der Südspitze Manhattans dazu, dass zwei komplette Häuserblocks dem Erdboden gleichgemacht wurden und benachbarte Gebäude einen solchen Schaden nahmen, dass sie abgerissen werden mussten. Eins von den zerstörten Gebäuden war das Museum Caylus. Obwohl bereits 1939 geschlossen, barg es in seinem Inneren, verborgen unter Schichten von Staub und Spinnweben, noch immer eine Sammlung von Modellen, die das Caylus berühmt gemacht hatten. Die zweiundfünfzig Einzelstücke aus Pappe, Holz und Papier warendabei keine Abbildung der New Yorker Wolkenkratzer, wie es seinerzeit in den Reiseführern immer wieder gestanden hatt, sondern vielmehr handelte es sich um Modelle von Gebäuden, die niemals gebaut worden waren. Die Grundidee des Caylus war nämlich, dass eine Stadt sich nicht allein dadurch definiert, was ihren Raum sichtbar bestimmt, sondern ebenfalls durch die vereitelten Projekte und unerfüllten Träume.

Seitenangabe für Zitat1:
10

Es wra in den Wochen nach Gretas Verschweinden, als Balestri an dem Projekt seines Lebens zu arbeiten begann. Er nannte es Zikkurat, weil die erste idee sich an den beiden babylonischen Treppentürmen anlehnte, von denen nur der eine später als Turm von Babel in die Geschichte einging.
 
Eigentlich war seine Aufgabe, die architektonische Interpretation zu liefern, die dem Mythos fehlte. Doch Balestri wollte auch die anderen Aspekte nicht außer Acht lassen.
 
Die erste Interpretation - die Bestrafung des menschen für seinen hybriden Ehrgeiz - wurde dadurch versinnbildlicht, dass der Turm, obwohl fertig, an einen Baumstumpf erinnerte. Im Laufe der Jahre zeichnete Balestri Hunderte von Skizzen, die die Weiterentwicklung seiner Ideen eindeutig zeigte. In den ersten Zeichnungen - zu Beginn der Zwanzigerjahre - suggerierte dieser unfertige Aspekt noch ein Scheitern, ja, man könnte sogar den Eindruck bekommen, der Turm wäre eingestürzt. Später wirkte das Fragmentarische eher wie eine freiwillige Baupause: Die Arbeit verzögert sich nicht aufgrund äußerer Einflüsse oder einer Katastrophe, sondern aufgrund eines erkennenden Innehaltens. Und dieser Einschnitt - herausgearbeitet mit einer Präzision, die keine Kuppel oder keine Spitze hätte übertreffen können - vermittelte den Eindruck, als könnte man den Turm wirklich endlos weiter in die Höhe treiben.
 
Die zweite Interpretation war die linguistische, und dafür rechte es, den Turm mitten in der Stadt mit all ihren unterscheidlichen Sprachen zu errichten. Wenn die Legende von einer einzigen Sprache erzählte, die sich in viele aufspaltete, so ging der Turm von dieser Sprachverwirrung aus, um die einzelnen Sprachen in der einen, reinen der Architektur wieder zu vereinen.
 
Für Balestri bedeutete Zikkurat, die dritte Interpretation real, die vergessene Version des Mythos sichtbar werden zu lassen: Sie war das Bemühen, etwas zu schaffen, von dem man wusste, dass es unmöglich war, um auf der Erde eine Spur dieses utopischen Wunsches zu hinterlassen

Seitenangabe für Zitat2:
76
Quellenangaben
Verlag:
Unionsverlag
Erscheinungsjahr:
2009
Auflage:
1. Auflage
ISBN:
ISBN-13: 978-3293204508
Meine Gedanken zum Buch:

De Santis hat mit der ihm eigenen sprachlichen Brillanz einmal mehr einen Roman verfasst, der die Grenzen des Denkens und des Möglichen sprengt, der die geistige Welt über die reale stellt. Auch wenn dieser weniger skurril ist als seine Vorgänger (Die Fakultät, Die Übersetzung, Voltaires Kalligraph), finden wir uns immer in Situationen, die einem einen Vergleich mit Kafka regelrecht aufdrängen. Eine spannende Geschichte, die in höchster literarischer Qualität erzählt wird.

Die User-Beiträge decken sich nicht zwingend mit der Meinung der Betreiber von bookreaders.at.
Sollten diese Ihre Rechte verletzen, bitten wir um .

Dein Lieblingsbuch im Bücherforum nicht gefunden?

Werde selbst Buchpate!

Inhaltsangabe bzw. Zusammenfassung - selbst verfasst oder der Buchklappentext, Zitate, Quellenangaben, deine Meinung, und schon bist du Buchpate. Wir freuen uns auf deine Lieblingsbücher.

Stelle deine Bücher im Forum vor und diskutiere mit anderen bookreaders über das Buch. Rezension bzw. Rezensionen sind zwar "hübsche" Worte, auf bookreaders.at schreibt einfach jeder seine Meinung in der Diskussion. Eine Bewertung des Inhalts mit Sternchen oder dergleichen, wie sie in Buchbesprechungen üblich scheint, gibt es auf bookreaders.at nicht. Was zählt sind die persönlichen Eindrücke über den Inhalt, den Autor, ... Wir freuen uns über jede Buchvorstellung.