Die Wolke

pausewang_wolke_cover.jpgWas niemand wahrhaben wollte, passiert: Deutschland erlebt einen Supergau. Die 14-jährige Janna-Berta verliert ihre Familie und landet selbst im Lazarett.

Meine Gedanken zum Buch: 

Mit „Die Wolke“, welches 1988 mit dem deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet wurde, habe ich ein Buch gefunden, was mir noch lange in Erinnerung bleiben wird. Schonungslos berichtet Gudrun Pausewang über das aktuelle Thema eines Supergaus in einem Atomkraftwerk. Dabei spezialisiert sie sich auf die 15-jährige Janna-Berta, deren Leben sich durch das Unglück schlagartig verändert und nie mehr so sein wird wie zuvor. Man bekommt einen genauen Einblick, welche Panik und Angst sich auftut, wenn jeder ums nackte Überleben kämpft und einem auf einmal seine Mitmenschen als unwichtig erscheinen nach dem Motto „Nur das eigene Leben zählt!“. Außerdem erfährt man, welche Auswirkungen eine solche Atomkatastrophe hat, da nicht nur Abstand von Menschen aus den jetzigen Sperrzonen genommen wird, sondern auch massenweiße Evakuierte im ganzen Land untergebracht werden müssen und die Suche nach unverseuchtem Essen immer schwieriger wird.
Da „Die Wolke“ erstmals 1987 veröffentlicht wurde, darf man sich von Namen wie Janna-Berta oder dergleichen nicht abschrecken lassen. Auch die Sprechweiße der Jugendlichen kann man manchmal mit der Heutigen nicht mehr vergleichen, was mich jedoch nicht gestört hat.
Außerdem gibt es eine Verfilmung dieses Buches, die sich nach seiner Inhaltsangabe nach jedoch in einigen Dingen unterscheidet und eine Liebesgeschichte in den Vordergrund stellt. Zudem wurde die Geschichte als Comic nachgezeichnet.
Ein sehr tiefgründiges, trauriges Buch, welches mit aller Härte ein sehr schreckliches Ereignis schildert und zum Nachdenken anregt!

Ein paar Männer schoben einen Wagen von der Straße in den Graben, während der Besitzer des Wagens sich von der anderen Seite dagegenstemmte. „Nur ein Liter!“, schrie er verzweifelt. „Mit einem Liter komm ich bis zur nächsten Tankstelle!“
Dann war das Hindernis aus dem Weg geräumt, die Männer stiegen in ihre eigenen Wagen und fuhren weiter. In dem Wagen, der nun halb im Graben stand, saßen zwei alte Frauen. Janna-Berta drehte sich noch ein paarmal um. Sie sah, wie der Mann den Frauen aus dem Wagen half und mit ihnen zu Fuß weiterging.

Seitenangabe für Zitat1: 
35

Den meisten anderen Kindern im Saal ging es ähnlich wie Ayse und Janna-Berta: Nach Tagen scheinbarer Gesundheit ging es ihnen elender als zuvor. Gequält von hohem Fieber und Durchfall wimmerten sie vor sich hin oder dösten teilnahmslos. Ayse begann eines Morgens, hysterisch zu schreien. Sie hatte sich gekämmt, und dicke Strähnen ihres üppigen schwarzen Haars waren im Kamm hängengeblieben. Auf ihrer Kopfhaut erschienen kahle Stellen. Als Janna-Berta tröstend den Arm um sie legte, schlug sie nach ihr. Erschrocken starrten die anderen Kinder zu ihr hinüber und fuhren sich verstohlen über die eigenen Köpfe.

Seitenangabe für Zitat2: 
73

„Gleich am ersten Vormittag, nur ein oder zwei Stunden nach dem Unfall, haben sie einen Gürtel um die Sperrzone EINS gezogen. Polizei und Militär in Schutzanzügen. Sie haben die Leute in der Zone aufgefordert, in die Keller zu gehen. Und – es heißt, wer flüchten wollte, auf den wurde geschossen. Mit Maschinengewehren.“ (…)
„Glaubst du, es ist wahr?“, fragte sie.
„Ja“, antwortete Almut. „Sie haben es zu verheimlichen versucht, aber so was lässt sich nicht verheimlichen.“
„Und warum –“
„Es heißt, die Bewohner der Sperrzone EINS seien so verseucht gewesen, dass sie den anderen gefährlich geworden wären. Und es heißt, sie hätten sowieso keine Überlebenschance gehabt. Sie wären langsam und qualvoll verreckt.“
Nach einer langen Pause fragte Janna-Berta: „Aber die Polizisten und Soldaten, wie können sie –?“
„Menschen sind zu allem fähig“, antwortete Almut. 

Seitenangabe für Zitat3: 
108
Verlag: 
Ravensburger Buchverlag
Auflage: 
14. Auflage
ISBN: 
ISBN-13: 978-3473580149 / ISBN-10: 3473580147