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Die Tropfen, der Baum und der See - Warten und Musterhaft

Bild von felix
Verfasst von white bookreader felix am Fr, 22/01/2010 - 01:52
Inhaltsangabe

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In blühendster Jugend verliebten sie sich ineinander. Sie gab ihm ihr Ja, und so nahm er das jahrelange Warten auf die Hochzeitsnacht gern auf sich. Gern für diese eine, die er von ganzem Herzen wollte und deren Liebe er sich so gewiss war.
Nach der Hochzeit aber vermisste er ihre Freude, ihre Lust, ihr ganzes Interesse an ihm. Sie bat ihn wieder um Zeit. Und er begann wieder zu warten …
Das sensible Kammerspiel einer vielleicht zu bodenlosen Liebe bildet den Auftakt dieser Trilogie über das Suchen und Fragen nach dem Du.

Zitate

Er wartete. Still. Sie hätte abends noch einen Termin in der Stadt, eine Probe für irgendeinen Anlass an irgendeinem Ort, also wartete er. Irgendwann würde sie hier vorbeikommen. Musste hier vorbeikommen. An ihm. Weil sie doch, wie gesagt, zur Probe musste. Irgendwann also, irgendwann würde sie kommen. Sein Blick war gespannt auf die Wegbiegung gerichtet, etwa dreißig Meter die Straße hinauf, an der sie nun jeden Moment auftauchen musste. „Jetzt dann aber gleich“, murmelte es in seinem Innern, unentwegt, während er den sanften Schwung der Kurve fokussierte. Zelebrierte. Wie Speichel kribbelnd in der Mundhöhle zusammenrinnt, so vermischten sich Freude, Erwartung und Aufregung in seinem Magen, verkochten zu einer dampfenden Suppe, die kitzelnd hinunterkroch in seine Hoden. Erregt presste er seine Arschbacken zusammen, einmal, zweimal, dreimal, ein jedes Mal heftiger und länger als davor. Seine Augen aber klebten nach wie vor regungslos an dem Punkt aus Asphalt und wogenden Halmen. Ersterer lag verbraucht, verwahrlost, lautlos vergewaltigt vor ihm, hundertmal geflickt und doch wieder klaffend weit aufgerissen vom Frost im letzten Winter. Und Zweitere wogten bedächtig hin und her und folgten, getaucht in gleißendes Gegenlicht brennender Wolkenfäden, willig den sanften Stößen des Abendwindes, schwer bestückt mit fast reifen Samen.

Seitenangabe für Zitat1:
12

Polarisierter Blick. Regungslos kippte er ihn in den längst nicht mehr frischen Blumenstrauß am Klavier. Und leerte ihn Tropfen für Tropfen in dessen schlanke, gläserne Vase. Horchen. Horchen, mehr und mehr in diese wirre Geräuschkulisse hinein, die sich von der Straße her durch das offene Fenster aufdrängte. Ohne es zu merken fing er an, in sie hineinzuforschen, hinein in diese Klangsuppe aus Vogelgezwitscher und Stadtverkehr. Und er konnte sie immer besser darin orten, ihr durchdringendes Geräusch immer klarer erkennen und verfolgen, bis er irgendwann meinte, sie gar leibhaftig vor sich zu sehen. Diese kesse Garnitur, grün wie das steirische Wappen, die sich gerade wimmernd in die Kurve vor dem Haus legte. Ihre reizend weibliche Silhouette, die sich geschmeidig wie ein Schlangenkörper auf dem eisernen Schienenstrang dahinwälzte, sich lasziv dabei räkelte wie das Becken eines Dessous-Models, wenn es sich keck über den Laufsteg schiebt. Und jetzt, mit lautem Stöhnen und Stoßen, passierte sie die Weiche, an der sich die Gleise unter ihr entzweiten, aufgabelten, und begannen, immer weiter auseinanderzuklaffen. Schon näherte sie sich mehr und mehr dem Punkt, an den sie wollte, war aber derart mächtig in Fahrt, dass sie ihre nachdrängende Masse nur unter lautem Stöhnen noch zu bremsen vermochte, erbebte dabei heftig und kam an, öffnete mit einem letzten Ruck all ihre Schleusen, Menschen stiegen aus, vielleicht jedenfalls. Stille.

Seitenangabe für Zitat2:
35

Du hast dein Ja gegeben. Willst du es nun zurücknehmen? Was bei genauerer Betrachtung gar nicht möglich ist, muss man dazu sagen, so der Vollständigkeit halber. War es doch, und das weißt du genau, schließlich kein Ja auf Zeit. Sondern einfach ein Ja. Dein Ja. Möglicherweise das einfachste Wort der Welt. So simpel, keusch und nackt, dass es einmal ausgesprochen der nächste Windhauch schon hinwegfegt ins vage Meer alles Vergangenen und es im übernächsten Moment schon nicht mehr wahr wäre, wenn was es meint, nicht ständig neu geboren würde in deinem Innern und gleich einem sprudelnden Quell beständig aus dir herausfließen würde als ein klares Jauchzen fröhlich glucksender Tropfen in ihrer ewig einfach fließen wollenden Hinbewegung zu diesem einen Menschen, dem es doch gilt, ja.

Seitenangabe für Zitat3:
48
Quellenangaben
Verlag:
novum pro
Erscheinungsjahr:
2009
Auflage:
Erstauflage
ISBN:
978-3-850-22953-1
Meine Gedanken zum Buch:

Es ist alles so rührend erzählt, in einer kraftvollen und doch stilvollen Art und geht absolut unter die Haut: Ein junger Mann liebt ein Mädchen. Sie will, dass er noch wartet und er wartet. Aber das Warten nimmt kein Ende ... Es hat mich so erinnert an meine eigenen durchheulten Nächte und dieses ständige Warten und Hoffen, dass sie doch endlich anruft oder sich meldet und was sagt! Ich konnte das Buch gar nicht mehr weglegen. Ist ganz kurz, in 3 Stunden gelesen. Aber manche Abschnitte muss man lesen wie ein Gedicht. Langsam und aufmerksam. Und dann ein wenig wirken lassen, bevor man weiterliest. Ich bin schon so gespannt auf den zweiten Teil, der soll im Sommer erscheinen. Die Rezensionen auf amazon sind auch ganz hilfreich.
felix

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Bild von felix

warten und musterhaft

ich würde mich gerne mit jemand unterhalten, der das buch auch gelesen hat.
vielleicht meldet sich ja jemand!??

;))

felix

Bild von felix

... also leute, jetzt wart ich hier schon wochen ...

... aber die liebe Liebe scheint hier nicht so zu interessieren, jedenfalls nicht die unglückliche ...
egal.
ich hab das buch mit gewinn gelesen.

lg
felix

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