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Die Stille ist ein Geräusch, Eine Fahrt durch Bosnien

Bild von Eugen Hold
Verfasst von white bookreader Eugen Hold am Mi, 10/09/2008 - 10:30
Inhaltsangabe

Im Sommer 2001 unternimmt die Autorin eine Erkundungsreise durch das noch verminte Bosnien nach dem Krieg am Balkan, im Auto mit ihrem Hund.

Zitate

Schon wieder stoppt mich die Polizei. Ich greife nach meinem SFOR-Ausweis, der am Rückspiegel hängt wie in anderen Autos der Rosenkranz. Der Beamte winkt ab, ich kann nicht durchfahren, egal wer ich bin. Da vorne auf der Straße nach Mostar ist keine Straße mehr. Ich steige aus, er hält mich am Arm und zeigt auf die Stelle. Mindestens fünf Mal bin ich auf meinen Ausflügen schon drübergefahren, zum letzten Mal heute Mittag. Eine Mine ist explodiert und hat den Asphalt weggerissen. Heilige Mutter Gottes, ich bin mit einer Armee Schutzengel unterwegs. Ihre flügelschlagenden Schatten müssen hinter mir am Boden zu sehen sein. Der Arm des Polizisten  beschreibt einen weiten Bogen, weist eine Umleitung über die Berge.

Seitenangabe für Zitat1:
170

Monsieur Pescaron: Wir sind umzingelt von Symbolen. Es lohnt nicht, dagegen zu kämpfen...
Das Böse reist um die Welt und macht hier und da Station. Wo es sich gezeigt hat, ist eine Zeitlang alles voller Zeichen. Sie sollten das schätzen lernen.
 

Seitenangabe für Zitat2:
173

Wenigstens hat sie Humor, die Maria: Nachdem ich lange staunend, lachend und kopfschüttelnd zugesehen habe, wie die Pilger barfuß, mit ausgebreiteten Armen und einknickenden Knien ihren Weg suchen über scharfkantiges , rotes Geröll, wie sie lästerliche Flüche unterdrücken, sich schweißgebadet nach dem Beten erheben und ihre geschundenen Füße in die Schuhe zwängen; nachdem ich lange nachgedacht habe, zu welchen Taten der Mensch sich selber treibe, reißt an meiner rechten Sandale der einzige Riemen. Nichts mehr zu retten.

Seitenangabe für Zitat3:
168
Quellenangaben
Verlag:
Schöffling&Co, Frankfurt am Main
Erscheinungsjahr:
2002
Auflage:
1.Auflage
ISBN:
ISBN 3-89561-055-0
Meine Gedanken zum Buch:

Der Balkan nach dem Krieg 91-99 ist Juli Zehs immer wiederkehrendes Thema. Ihr Reisebericht wohl die Erzählung über den Beginn einer Liebe. Spannend , voll trockenem Humor, engagiert und tief poetisch, vermittelt das Buch auch diesen tiefen Bezug, die Liebe zu einem verwundeten, oft kargem aber wunderschönen Land. Ich verdanke dem eigenartigen Philosophen Pescaron ein Zitat, das ich nach einem traumatischen Erlebnis für allgemein gültig halte. So jung und so alt und weise ist diese Autorin. Ausgestattet mit einer Sprachbegabung, die ich bewundere und mit der ich gerne ein Buch lang mitlebe.

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