Die Stadt der Blinden

Stadt_der_Blinden.jpgEine Ampel in einer namenlosen Stadt springt auf Grün. Ein Auto bleibt dennoch stehen. Der Fahrer ist urplötzlich erblindet. Den freundlichen Helfer, der den Erblindeten nach Hause bringt und sich anschließend dessen Auto bemächtigt, ereilt das gleiche Schicksal. Wie eine Epidemie greift die Blindheit um sich. Der Staat reagiert brutal.
Die Erblindeten weden in einem leerstehenden Irrenhaus interniert, wo sie sich selbst überlassen werden.
Doch es gibt eine Sehende unter ihnen, die die Krankheit nur vorgetäuscht hat, um bei ihrem Mann zu bleiben. Mit ihrer Hilfe könnte der Ausbruch gelingen... (Klappentext)

Meine Gedanken zum Buch: 

Wer Josè Saramaog als Autor schätzt, wird auch an diesem Roman Gefallen finden.
Sein Schreibstil ist wie gewohnt nicht einfach... kein Roman, wo man so locker drüber liest... und trotzdem empfand ich ihn im Vergleich zu "Eine Zeit ohne Tod" sehr flüssig geschrieben.
 
Die Spannung bleibt auf den gesamten 399 Seiten immer aufrecht. Was mich als Leser von der Grundidee her schon sehr neugierig machte... bekam im Laufe des Roman`s ungeahnte Ausmaße.... und ich ertappte mich mehrfach dabei, wie ich entsetzt von den Zeilen aufblickte.
Saramago zeigt hier ein sehr düsteres Bild einer Gesellschaft, die durch Macht und auch Angst erschreckende Wege einschlägt..
Wozu ist man als Mensch fähig.... wieviel Menschlichkeit steckt in uns????? Wie realitätsfern bzw. -nah ist dieses ganze Szenario eigentlich????
Ein Satz auf der letzten Seite lies mich sehr nachdenklich zurück:
Ich glaube nicht, daß wir erblindet sind, ich glaube, wir sind blind, Blinde, die sehend nicht sehen....
 
Wirklich lesenwert!!!!!
 
 

... im Unglück, im erlebten wie im vorhersehbaren, erkennt man seine Freunde.

Seitenangabe für Zitat1: 
130

... es gibt Situationen, da sind Wörter nutzlos, ich wollte, ich könnte auch weinen, alles mit Tränen sagen, und müsste nicht sprechen um verstanden zu werden.

Seitenangabe für Zitat2: 
214

... wie zerbrechlich das Leben ist, wenn man es im Stich lässt....

Seitenangabe für Zitat3: 
302
Verlag: 
Rowohlt Taschenbuch Verlag
Auflage: 
21. Auflage 2010
ISBN: 
978 3 499 22467 6

Kommentare

Dem Arzt war, als hörte er jemanden weinen, ein kaum hörbarer Ton, wie er nur von Tränen kommen kann, die langsam zu den Mundwinkeln hinunterlaufen und dort versiegen, um den ewigen Zyklus unerklärlicher menschlicher Schmerzen und Freuden von neuem zu beginnen.