Die Sau under Mörder

Ein bekannter Autor wird ermordet aufgefunden. Er war Mitglied der Dülmener Serapionsbrüder, eines obskuren Dichterzirkels. Seine Kollegen, allen voran der penetrante Xtra Vaganz, glauben nicht an die Selbstmordtheorie der Polizei. Nannen stochert im schillernden Mikrokosmos der lokalen literarischen Szene herum. Eine skurrile Situation jagt die nächste, bis Nannen einer Organschmuggelbande auf die Schliche kommt. Oder geht es um etwas ganz Anderes?

Meine Gedanken zum Buch: 

Diese Buch ist der dritte Teil einer Reihe um den Bulderner Dorfdetektiv Dieter Nannen. Da ich es selber geschrieben habe, liegt es nahe, die Patenschaft zu übernehmen.
Wer gerne eine Leseprobe möchte, schreibe mich unter michael.bresser(at)blackpublications.de an.
Liebe Grüße Michael

Angefangen hatte die unappetitliche Chose an einem ganz normalen Herbststag. Lauer Wind, bunte Blätter, milde Sonne; ein Tag, an dem ich gerne mein Haus verließ. Vor allem, wenn ein entspannter Routinefall darauf wartete, von mir behaglich abgeschlossen zu werden. Bauer Josef Hisker betrog seine angetraute Gisela Maria. Konnte ich ihm nicht verdenken, denn die Namensvetterin der Mutter Gottes trug einen Damenbart über der Lippe und auf den Zähnen. Allerdings hatte mich die Hofeigentümerin mit der Aufgabe betraut, Beweise für die außerehelichen Aktivitäten des Landwirts zu erbringen. Pecunia non olet, wie der Münsterländer Volksmund nach einigen Wacholdern zum Besten zu geben wusste, und so war ich hinter Josefs Trecker durch die Landschaft gezuppelt. Sehr gemütlich, bis zu dem Zeitpunkt, wo der testosterongesteuerte Bauer eine dunkelgelbe Ampel überquerte. Mir blieb die Rotphase. Dabei hatte ich leider das schwarze Wollknäuel übersehen, das eine ältere Dame hinter sich hergezerrt hatte. Künstlerpech. Im Rückspiegel hatte ich noch registriert, wie sich die Oma über die schwarze Masse gebeugt hatte, dann hatte Hisker wieder oberste Priorität genossen. Nur der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass mir vom Tennenfenster optimale Schnappschüsse von Jupp auf der Nachbarsbäuerin gelungen waren. Pikanter als zwanzig Jahre alter französischer Ziegenkäse.
Ich hatte die Angelegenheit bereits vergessen, als ich eines nicht ganz so schönen Herbstmorgens Post von der Dülmener Polizei erhielt. Frau Erna Rehwald hatte Anzeige erstattet. Ich hätte absichtlich ihren Pudel Wilma überfahren und Fahrerflucht begangen. Es gäbe sieben Zeuginnen für die Tat. Die Vornamen lauteten Luzi, Elisabeth, Hannelore, Else, Hertha, Hedwig und Alma. Alles klar? Die Gute hatten ihren gesamten Häkelverein mit selbstgebackenen Nussecken als Zeuginnen gekauft. Darüber hatte ich nur grinsen können. Das Lachen war jedoch zu einer Grimasse gefroren, als ein verknöcherter Richter die Zeuginnen als uneingeschränkt glaubwürdig befunden hatte. Dabei hatten drei der betagten Damen geschworen, der Täter hätte einen Vollbart getragen. Zwei hatten im fahrenden Auto meine Glatze blitzen sehen, und Hertha hatte sich an meinen bayrischen Trachtenanzug mit Baseballschläger in der Hosentasche erinnert. Die in meinen blauen Augen funkelnde Mordlust hatten aber alle beobachtet. Folgerichtig verurteilte mich der Intendant des Kommödienstadls zu vierzig Sozialstunden und zehn Gruppentherapiesitzungen.

Verlag: 
Ullstein Verlag
Auflage: 
Erstauflage
ISBN: 
978-3548280288 / 3548280285