Die Republik der Frauen

Die_Republik_der_Frauen.jpgFaguas ist das Land, von dem ganz Lateinamerika spricht, denn hier ist Unerhörtes gelungen: Eine Handvoll entschlossener Frauen, angeführt von der charismatischen Viviana Sansón, hat den rückständigen Machos die Macht entrissen. Mit Hilfe ihrer "Partei der Erotischen Linken", mit Humor, Toleranz und Selbstironie (und mit Hilfe eines Vulkanausbruchs, aber das ist eine andere Geschichte ...) haben Frauen jeden Bereich des öffentlichen Lebens übernommen. Das Land blüht auf - so sehr, dass selbst die Männer überzeugt sind. Alle Männer? Eines Tages, bei einer flammenden Rede der Präsidentin Viviana, geschieht es: Ein Attentäter schießt die wichtigste Frau des Landes nieder. Viviana aber lässt sich selbst von ihrem eigenen Koma nicht aufhalten. Sie träumt einen Traum zwischen Leben und Tod, dem deutlich anzumerken ist: Das letzte Kapitel der Erfolgsgeschichte ist noch nicht geschrieben ...

Meine Gedanken zum Buch: 

Belli bündelt in ihrem neuen Roman viele Ideen und Projekte der Frauenbewegung zu einer durchaus glaubwürdigen Utopie. Klarerweise mutet vieles etwas naiv an, weil sie nur bedingt auf die wirtschaftlichen Grundlagen des fiktiven Staates Faguas eingeht, alles läuft eine Spur zu glatt. Aber im Prinzip könnte es so funktionieren, wenn man den Frauen eine Chance gäbe, ihre Vorstellungen eines gemeinschaftlichen Lebens umzusetzen, die letztendlich ein harmonisches und gleichberechtigtes Leben für alle Bürger des Landes zum Ziel haben.
 
Besonders gut gefallen hat mir die Idee, in welcher Form das Leben an Viviana, die ja im Koma liegt, revue passiert. Es geschieht anhand verloren gegangener Gegenstände, die in einem Lagerraum darauf warten, von ihr berührt zu werden, um ihre Geschichte zu erzählen. Geschichten von  Liebe, Verlust, Freundschaft und den Mut, eigene Ideen zu formulieren, zu verbreiten und letztendlich auch umzusetzen. Es geht um starke schöne Frauen, die Erotik und Selbstbewusstsein propagieren und so überhaupt nicht dem Vorurteil der Emanze im grauen Hosenanzug entsprechen, die ihre Weiblichkeit verleugnen und im Grunde nur die Rollen der Männer übernehmen wollen.
 
Alles in allem greifbarer sanfter Feminismus, der sich trotzdem durchzusetzen vermag, ein Leseerlebnis, das zum Nachdenken anregt. Ein Buch, das eigentlich von Männern gelesen werden sollte, denn wir Frauen wissen ja bereits, dass wir viele Dinge anders anpacken und damit Erfolg haben würden.

Verlag: 
Droemer
Auflage: 
1. Auflage
ISBN: 
ISBN-13: 978-3426199152

Kommentare

Muss ich mal lesen, ist wohl eine angepasste Neuauflage von Lysistrata - einer griechischen Komödie die bereits mehrere 100 Jahre vor Christus verfasst wurde.
Die Idee zieht sich durch 2 Jahrtausende der Literatur und praktisch alle Kulturen. Auch Hochhuths Inselkomödie ist ja nichts anderes.

Der Gegenpol die Geschichte der Amazonen stammt übrigens ebenfalls aus dem alten Griechenland und die Frauenfigur ist konträr - nämlich die Kriegerin, Lysistrata war die friedliche Seite, die die Heere sozusagen auflöste.

Es gibt keine schlechten Bücher -
es gibt nur unfähige Autoren

"Die Republik der Frauen" ist ganz sicher keine "angepasste Neuauflage" von Lysistrata! Natürlich hat Belli das Thema Emanzipation nicht neu erfunden, aber hinter den Handlungen ihrer Protagonistinnen stecken komplexe Ideen und Konzepte, die weit über eine simple sexuelle Verweigerung hinausgehen.
 
Es handelt es sich bei diesem Roman auch keineswegs um eine Komödie, sondern einen sehr ernsthaften Versuch, zu zeigen, wie die Welt aussehen würde, hätten die Frauen das Sagen. SO weit geht Aristophanes in seinem Stück ja nun wirklich nicht, er beschränkt sich auf eine sehr simple, wenngleich auch wirkungsvolle, Handlungsweise, die allerdings dem Denken der modernen Frau so garnicht mehr entspricht. Ganz im Gegenteil: die moderne Frau definiert sich unter anderem (!) durchaus auch über ihre Sexualität und Erotik, und zwar in jeder Hinsicht, also auch der praktischen.
 
Von den Amazonen unterscheiden sich Bellis Frauen insofern, alsdass sie keine bedingungslose Herrschaft der Frauen fordern, sondern im Zusammenleben mit den Männern ein Gleichgewicht schaffen wollen, und zwar mit friedvollen Mitteln.

Nun ja , die Sache mit dem Sex-Entzug erledigt dankenswerter Weise ein Vulkan Lol

Zitat-------
Es stellte sich heraus, dass der Testosteronspiegel der Männer, normalerwiese zwischen 350 und 1.240 Nanogramm pro Deziliter, jetzt plötzlich nur noch 50 bis 60 Nanogramm betrug. Laborversuche zeigten, dass die Gase des Vulkans verantwortlich für diesen Effekt waren, der Faguas unerwartet mit einer bisher nie gekannten männlichen Sanftmut segnete."
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Auch der Name der Partei >>„Partei der Erotischen Linken“ (PIE)<< ist natürlich völlig wertfrei und ohne jeden Bezug. Lol

Es ist sicher richtig das es eine gut gemachte Geschichte ist und vergnüglich zu lesen (s.u.) es ist aber auch richtig das es auf einer 2400 Jahre alten Idee basiert (was aber per se nicht negativ ist oder sein muß)

Zitat NDR--------------
Vergnügliches Gedankenspiel
Wer sich auf dieses, ein wenig an den Haaren herbei gezogene, Gedankenexperiment von Gioconda Belli einlässt, kann einen vergnüglichen, herzfrischenden Roman lesen, in dem viel Lebensklugheit versteckt ist.
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Quelle http://www.ndr.de/kultur/literatur/buchtipps/nbrepublikderfrauen101.html

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