Die Liebe in den Zeiten der Cholera

Die_Liebe_in_den_Zeiten_der_Cholera.jpgSchon aus praktischen Gründen hat die schöne Fermina den jungen Florentino nicht heiraten können. Einundfünfzig Jahre, neun Monate und vier Tage später ist er wieder zur Stelle und erklärt ihr seine Liebe... Garcia Marquez hat einen großen Roman geschrieben, eine Geschichte voller Lebenskraft und Poesie, einen Hymnus auf die absolute Liebe

Meine Gedanken zum Buch: 

Eine der schönsten und berührendsten Liebesgeschichten, die ich je gelesen habe, wobei man sich an dieser Bezeichnung nicht stoßen sollte.
Mit der ihm eigenen Wortgewalt erzählt García Marquez die Lebensgeschichte eines Mannes mit all ihren Facetten, die letztendlich in der Erfüllung seiner Träume gipfelt.
Dieses Buch war für mich der Anlass, Spanisch zu lernen, um es - irgendwanneinmal - im Original lesen zu können. Ich liebe die Bildhaftigkeit der Lateinamerikaner, und García Márquez ist ihr Großmeister.

Verlag: 
Fischer (Tb.)
Auflage: 
3. Auflage
ISBN: 
ISBN-13: 978-3596162512

Kommentare

bei der Literatur von Italo Svevo. Seither habe ich 3 Kurse italienisch besucht und auch schon gewisse Werke in Originalsprache zu Hause.
 
Marquezs Stil ist mir ein wenig zu dick aufgetragen, vor allem dieses lähmende Dinosaurier-Gedächnis, was Zeitangaben betrifft, lässt mich erschaudern.
 
schreibt Reinhard

Einen Kinofilm gibt es nun scheinbar auch, habe letztens in Wien ein Kinoplakat gesehen, allerdings weiß ich nicht wo und wann er gespielt wird.

werde ihn mir gleich anschauen, bin echt gespannt, wie man einen Marquez gut verfilmen kann...

habe auch ich dieses Buch gelesen. Es wurde mir schon im Jahr 1994 von einer Deutschprofessorin empfohlen, ich hatte es auch seit dieser Zeit zu Hause liegen. Dass es jetzt verfilmt wurde, habe ich zum Anlass genommen, die über 500 Seiten endlich zu lesen. Ich hoffe, dass ich den Film dazu auch noch sehen werde.
Die Geschichte ist wirklich eigenartig und in der Realität nur schwer vorstellbar, aber die Liebe geht oft unergründliche Wege - kann ich nur selbst bestätigen!

das klingt doch, als häte das Buch Ihnen gut gefallen. Reinhard findet es ja langatmig und schwülstig, soweit ich mich erinnern kann, das habe ich aber überhaupt nicht so gesehen. Ich finde, dass gerade die Sprache ein Mittel ist, um diese ewig lange Zeit darzustellen, die diese Liebe bis zu ihrer Erfüllung braucht.
Den Film hab ich noch immer nicht geschafft - warum hat man bloß immer so wenig Zeit!
Ich finde es übrigens bewundernswert, dass Du ein Buch nach 14 Jahren aus dem Regal genommen hast, damit tu ich mir - und es gibt natürlich auch in meinem Regal diese ungelesenen "Leichen" - nämlich recht schwer. Aber meistens muss für ein Buch der richtige Zeitpunkt kommen, und gerade dieses ist vielleicht auch nicht für jugendliche (ich hoffe, ich beleidige jetzt niemanden!) Leser geeignet.
Liebe Grüße
Germana

Ständig kamen ihr irgendwelche Fragen in den Sinn, die nur er hätte beantworten können. Er hatte ihr einmal etwas erzählt, was sie sich nicht hatte vorstellen können: Amputierte fühlen in dem Bein, das sie nicht mehr haben, Schmerzen, Krämpfe, Kitzeln.
So fühlte sich sich ohne ihn, sie spürte in dort, wo er nicht mehr war.

Mit "Die Lieben in Zeiten der Cholera" hat Marquez einen sehr gefühlvollen Roman zu Papier gebracht. Diese Liebe, zu der Florentino Arzia fähig ist, hat mich sehr beeindruckt und auch berührt. Durch Marqez Ausdruckskraft und Spiel mit den Worten konnte man teils wirklich mitfühlen und mitleben, ich war nich nur als Leser (Zaungast) zugegen, sondern ich  war mitten drin, es gibt nicht viele Bücher, die das bis jetzt bei mir geschafft haben. (Ein liebender Mann von Martin Walser zB wäre ein Buch, das die gleich Wirkung bei mir erzeugt hat).
Eine Frage stellt sich mir allerdings: Können so intensive Gefühle auch in der Realität existieren oder ist es eine der Sachen, die  nur in Büchern und Filmen passieren?? Kann man nur durch Blicke und geschriebene Worte eine so intensive Bindung aufbauen, die auch ein ganzes Leben lang hält???
Das einzig negative an diesem Roman war für mich teils die Länge. Ich fand die Handlung oft zu ausschweifend.  Meiner Meinung nach hätten ca. 100-150 Seiten weniger der Qualität dieses Buches auf keinen Fall geschadet. Im Gegenteil, ich hätte mir manchmal gewünscht, dass der Autor am Punkt bleibt... das ist allerdings mein einziger Kritikpunkt.
Ein schöner Roman über Liebe, Schmerz und Hingabe...
 
 

Ich habe dieses Buch schon zweimal gelesen, und finde garnicht, dass es zu langatmig ist. Aber ich kann auch sehr in Márquez' Sprache aufgehen, sie mir auf der Zunge zergehen lassen wie ein Stückerl Nougat, genauso süß ist sie auch immer wieder.
Ob es diese Art von Liebe in der richtigen Welt gibt? Warum nicht? Lustigerweise kenne ich einen ganz ähnlichen Fall. Ein Paar hat sich vor mehr als 15 Jahren getrennt, der Mann hatte nie wieder eine andere Frau, weil er nur die eine liebt. Und niemand, der die beiden kennt, glaubt, dass sich das je ändern wird. Diese oder keine, auch wenn es für viele nicht nachvollziehbar ist.
Es gibt übrigens eine sehr schöne Verfilmung dieses Romans mit Xavier Bardém in der Hauptrolle, die man sich nicht entgehen lassen sollte, wenn einem das Buch grundsätzlich gefallen hat.

Schön wie du dein Leseerlebnis beschreibst. Genau solche Gedanken/Vergleiche und Empfindungen machen für mich ein gutes, leseswertes Buch aus. Es gibt leider viel zu wenige, die so einen Eindruck hinterlassen -oder sie verstecken sich einfach zu gut, kann auch sein Wink
"Langatmig" ist für mich nicht der richtige Ausdruck (das kling so negativ), sprachlich sehr schön aber manchmal holt er mir einfach ein bisschen zu weit aus. Das wäre meiner Meinung nach einfach nicht muss.
Ich habe Marquez Sprache auf jeden Fall auch sehr zu schätzen gelernt und bin auch schon am überlegen, welches seiner Bücher ich noch lesen könnte. "Erinnerung an meine traurigen Huren" ist mir da schon ins Auge gesprungen. Hab ich beim Stöbern auf Amazon endeckt und hat wirklich gute Kritiken bekommen.
Echt, du kennst jemanden in so einer Situation. Hut ab vor jedem Menschen, der zu solch intensiven Gefühle fähig ist. Einerseit bestimmt erdrückend, andererseit aber auch etwas ganz Besonderes. Die beiden waren, wie du schreibst aber vor der Trennung schon länger zusammen.
In diesem Fall (Fermina und Florentino) hat sich ja alles anfänglich mehr nur durch Blicke und Briefe hochgeschaukelt. An Florentinos Liebe zweifle ich, aber was war es bei Fermina. Vielleicht auch der Reiz des Verbotenen??? (ihr Vater hat sie ja doch ziemlich isoliert)

"Erinnerung an meine traurigen Huren" hat mir sehr gut gefallen, es ist der Rückblick eines alten Mannes auf die vielen Frauen, die er für Sex bezahlte. Ich finde den ersten Satz schon sehr bezeichnend für den Ton, in dem das ganze Buch geschrieben ist: „Im neunzigsten Jahr meines Lebens wollte ich mir zum Geburtstag eine liebestolle Nacht mit einem unschuldigen Mädchen schenken“.
 
Ja, dieses Paar war ca. 10 Jahre zusammen. Aber man darf ja nicht vergessen, dass zu Zeiten Ferminas und Florentinos die Annäherung eine ganz andere war. Da kamen die Dichter beim Anblick eines Handgelenks ins Schwärmen und liefen bei einem Fußknöchel rot an. Und schlussendlich ist Márquez' Geschichte eine erfundene, die auch keinen Anspruch auf Realität stellt, sondern eben eine "magische Realität", die Ausflüge in die Welt der Fantasie und Wünsche erlaubt.

Zitat Germana : "Da kamen die Dichter beim Anblick eines Handgelenks ins Schwärmen und liefen bei einem Fußknöchel rot an.".... Smile ja das waren halt noch Zeiten, nicht so wie bei der heutigen Jugend: " He du, wüllst mit mir gehn??? ....Na!!!! Ok, kann ma a nix mochen!!!! ROFL
Aber jetzt im Ernst, da hast du Recht. Damals galten auf jeden Fall andere Maßstäbe wie heute. Wo heute ein Kuss zB schon fast etwas Selbstverständliches ist, war er damals vermutlich etwas "Unvorstellbares", eine Berührung schon "das höchste der Gefühle"!
Man muss sich auf jeden Fall in diese damalige Zeit mit ihren Einstellungen und Eigentümlichkeiten zurückversetzen, um die Intensität dieser Liebe begreifen zu können. Trotzdem schön zu hören, dass es so etwas Annäherndes heute auch noch gibt.
 
Sehr gut, also liege ich mit meiner Wahl für den nächsten Marquez genau richtig.  Ich habe diesen Satz auch schon im Internet gelesen und genau dieser Satz war es auch, der mich neugierig gemacht hat. Ich hoffe, dieses Buch hat auch wieder ein paar sprachliche Highlights zu bieten, inhaltich dürfte es auf jeden Fall recht interessant werden...

Nachdem mir das Buch schon so gut gefallen hat, hab ich am Wochenende nun auch den Film gesehen.
 
Schön, einfach nur schön......
Am Anfang ging mir die Handlung etwas zu schnell, aber das ist bei der Filmversion nun halt mal leider immer so. Wenn man das Buch im Vorfeld gelesen hat, wartet man ja schon regelrecht auf die eine oder andere Szene und wird dann leider oft darum betrogen.
Nichts desto trotz hab ich diesen Film mit Begeisterung gesehen und zum Schluss dann sogar ein paar Tränen verdrückt.
Zu guter letzt hat Florentino doch sein Glück gefunden und diese Szenen werden im Film so gut umgesetzt, dass es sofort tief unter die Haut geht.
Eine gelungene und sehr berührende Verfilmung zu einem absolut schönen Roman.
@Germana: Danke für die Leihgabe und GLG nach Wien

Gerne! Und stell Dir vor, ich hab in meinem Fundus auch "Seide" als Fim entdeckt! Sobald ich ihn mir angeschaut habe, wandert er Richtung Süden, das kann aber noch ein Weilchen dauern, weil ich im Moment wenig Zeit habe.

OOOOOOHHHHH mein Gooooot - ja - BITTE BITTE BITTE !!!!!!!!!
Dein Fundus hält ja wahre Schätze verborgen - Seide - den würd ich super gern anschauen.
Jetzt wirst du lachen, aber ich wollte die Tage schon mal bei Amazon reinschauen, ob`s den auch als DVD gibt. Trifft sich ja prima, das du den daheim hast :-))))))))
Das Buch ist ja auch soooo schön, auf die Verfilmung wär ich echt gespannt.
LG Claudia

Eine fantastische Geschichte hat sich Marquez da ausgedacht und letzten Endes hat es mir sehr gut gefallen. Auch am Anfang bin ich sehr gut in die Geschichte hineingekommen, aber dann ist mir Florentino mit der detailierten Schilderung seiner amourösen Abenteuer ziemlich auf die Nerven gegangen.
Die schöne Sprache hat mich aber immer wieder zur Lektüre zurückgeholt, obwohl mir Florentino eigentlich nie recht sympathisch geworden ist, vor allem nicht mit zunehmendem Alter. In seiner Verbissenheit ist er mir eher wie ein ewig pubertierender Jüngling vorgekommen, nicht wie ein liebender Mann.
Und selbst als ihn Fermina nach dem Tod ihres Mannes erhörte, erinnerte mich die Art eher an eine Kapitulation.  Florentino hat seine Angebetete eigentlich nie gefragt, was sie möchte, sondern hat von seinen Gefühlen einfach auf die ihren geschlossen. Sehr symbolträchtig fand ich auch die nicht endenwollende Fahrt auf dem Choleraschiff. Für mich war sie gleichbedeutend mit der Gefangenschaft des Paares in seinem Beziehungsgeflecht aus dem es kein Entrinnen gibt.
Gerade die verschiedenen Interpretationsmöglichkeiten haben mich fasziniert und so habe ich den Roman sehr gerne gelesen.

Marquez  muss man einfach lieben.... ich finde es immer wieder faszinierend was er mit seinen Worten alles hervorbringt......
 
ein kleiner Tipp von mir, versuch doch auch mal "Erinnerung an meine traurigen Huren"..... für mich sein schönster Roman....

Die Erinnerungen des Herrn Marquez an seine traurigen Huren habe ich bereits gelesen, und ich darf Dir verraten, dass ich davon sehr enttäuscht war. Allerdings ist es schon eine Zeitlang her, vielleicht war ich auch nicht in der richtigen Stimmung für dieses Buch, und so ist es möglich, dass ich es noch einmal versuche.
Ich hatte damals jedoch sehr stark das Gefühl, dass das nicht der wortgewaltige Dichter ist, den ich kenne. Es kam mir fast so vor, als hätte er den Gipfel seiner Schaffenskraft längst hinter sich, und ich hätte jetzt bloß Altmännergeschwätz in Textform vor mir. 
Dasselbe Gefühl hatte ich übrigens auch bei Günter Grass. "Die Blechtrommel" habe ich mehrmals verschlungen und über seine Wort- und Satzerfindungen immer wieder gestaunt. Den "Butt" habe ich geliebt, und mich so in diese unglaubliche Textkomposition hineingedacht, dass ich selbst nach beendeter Lektüre noch eine Zeitlang solche Sätze im Stillen für mich selber formuliert habe. Dieser Stil hat mich einfach nicht losgelassen. 
Aber alles, was später kam, wie etwa "Im Krebsgang" oder "Beim Häuten der Zwiebel" war für mich nur noch ein schwacher Abklatsch einstiger Meisterschaft.
Wahrscheinlich ist es auch beim Schreiben so wie sonst im Leben und in der Natur: Knospen, Blühen, Vergehen ...
Natürlich sind das alles nur meine rein subjektiven Empfindungen, die keinen Anspruch auf Richtigkeit erheben. Für mich ist Literatur eben "nur" Leidenschaft, keine Wissenschaft.

Für mich ist Literatur eben "nur" Leidenschaft, keine Wissenschaft.... ja.... "nur".... und zu Recht steht dieses kleine Wort unter Anführungszeichen... denn genau darauf kommt es an... beim Autor sowie beim Leser....  ein sehr schöner Satz, der`s genau auf den Punkt bringt..... denn Literatur ist Leidenschaft....
 
Die Erinnerungen... waren nicht so wortgewaltig wie die anderen Romane, die ich bis jetzt von ihm gelesen habe... das stimmt...... aber mich hat es inhaltlich so berührt... ich hab mit jeder neuen Seite gespürt, wie dieser Mann "zu leben" beginnt... und wie er dann für sich erkennt, auf was es eigentlich ankommt.... es gibt da so einen Satz (kann ihn leider nicht zitieren, da ich das Buch grad hergeborgt hab)...für mich der Höhepunkt des ganzen Buches..... wo ihm klar wird, dass es eigentlich nichts Schöneres gibt, als eine schlafende Frau zu betrachten... nur zu betrachten.... also das hat mich schon sehr berührt....
Aber wie du schon sagst, es kommt auch immer auf den Zeitpunkt und auf das eigene Befinden an.... als Mensch kann man gewisse Dinge ganz unterschiedlich an sich heranlassen....  oft können ein und dieselbe Sache von einer Person mit ganz anderen Augen betrachtet werden.... aber so soll es ja auch sein, das macht uns als Mensch ja auch aus...
 
glg Claudia