Die Leiden eines Amerikaners

Die_Leiden_eines_Amerikaners.jpg(als Hörbuch gelesen von Volker Risch) Der Roman wird aus der Perspektive des Brooklyner Psychiaters und Psychoanalytikers Erik Davidsen erzählt, dessen Vater vor kurzem gestorben ist. Gemeinsam mit seiner Schwester Inga, einer New Yorker Schriftstellerin, kehrt er ins Elternhaus nach Minnesota zurück, um den Nachlass des Vaters zu sichten. Dabei stoßen sie auf umfangreiche Aufzeichnungen des Vaters, die tiefen Einblick in sein bewegtes Leben als Nachkomme norwegischer Einwanderer geben und eine Reihe von Geheimnissen enthüllen, die Erik und Inga verstören.

Im Laufe des Romans werden aber nicht nur die Geheimnisse des Vaters gelüftet, sondern auch viel Verdrängtes und Leid im Leben der Geschwister kommen ans Licht. Erik ist geschieden und sehr einsam. Er verliebt sich in seine Mieterin, bekommt allerdings nur zu ihrer fünfjährigen Tochter einen richtigen Draht. Inga wird von einer Journalistin verfolgt, die pikante Informationen über ihren verstorbenen Ehemann, den bekannten Schriftsteller Max Blaustein, zu haben scheint. Ihre Tochter Sonia trägt seit dem 11. September Ängste und traumatische Gefühle mit sich und ist unfähig, darüber zu sprechen. So haben alle Personen in Hustvedts Roman traumatische Verluste erlitten und versuchen, diese zu verarbeiten und eine eigene Identität zu finden. Dabei flicht Hustvedt gekonnt neueste Erkenntnisse über Trauma und Gedächtnis aus Neurobiologie, Kulturtheorie und Psychoanalyse in die Handlung mit ein.

Meine Gedanken zum Buch: 

Die einfache, schnörkellose Sprache von Siri Hustvedt hat mich noch in allen ihren Büchern fasziniert. Es gelingt ihr, aus einer Distanz heraus, die jedoch nie seelenlos wirkt, die handelnden Personen so darzustellen, dass jede für sich zu einem Bild im Kopf wird. Aus der selben Distanz heraus erzählt sie auch die Geschichte jedes Einzelnen, die kleinen und großen Dramen, die das Leben bestimmen. Die junge Sonia, die als fünfjähriges Mädchen mitansehen musste, wie die brennenden Menschen aus den Twin Towers gesprungen sind, Eriks Vater, der ein lebenlang ein Geheimnis bewahrte und Erik selbst, der trotz seiner vielseitigen Beziehungen ein einsamer Mann ist. Die Fäden der Geschichte finden sich zusammen, lassen aber leider ein gewisses Gefühl der Leere zurück. Die immerwiederkehrenden Diskurse zum Thema Psychoanalyse sind zwar interessant, lenken aber auch vom eigentlichen Thema ab.
Alles in allem ein großer Roman mit ganz speziellen Eigenheiten, die auf mich trotzdem eine gewisse Faszination haben.
Die Vorlesestimme von Volker Risch ist auf jeden Fall noch ein Bonus!

«Ich glaube, wir haben alle Geister in uns, und es ist besser, wenn sie reden, als wenn sie es nicht tun.»

Verlag: 
Argon Verlag GmbH
Auflage: 
1. Auflage
ISBN: 
ISBN-13: 978-3866104914