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Die Kinder gehen in die Oper

Bild von Marina
Verfasst von yellow bookreader Marina am Mi, 23/01/2008 - 12:40
Inhaltsangabe

Das Buch handelt von den Mädchen Lily und Marion, die im nazionalsozialistischen Wien bei ihrer Tante Frieda untergebracht sind, da ihr Vater mit der Stiefmutter Miriam wegen jüdischem Hintergrund in Südfrankreich auf der Flucht ist.

Tante Frieda weiß mit den Kindern aus eigener kinderlosigkeit wenig anzufangen, der Sachwalter Gustav Helmreich (der beste Freund des Vaters) kümmert sich rührend um die Mädchen, gibt ihnen sogar wöchentlich etwas Taschengeld mit dem die Kinder in die Oper gehen, sich von den Klängen und Schauspielern mitreißen lassen und so den Alltag vergessen.

Der Vater schreibt aus seinem Exil anfangs Briefe, die aber nie ankommen. Er geht dann über seine Erlebnisse in einem Heft für die Kinder zu notieren um sie ihnen bei einem Wiedersehen zu geben.

Die Zeit wird für Juden immer prekärer - auch in Frankreich, der Sachwalter Gustav erhängt sich, die Oper brennt,...

Zitate

Lilis Mitschülerin Eva Zielinsky wird auf Veranlassung von Frau Doktor Krantz in die Krankenanstalt "Am Spiegelgrund" zur Untersuchung bestellt. "Routine", sagt man Frau Zielinsky. "Im Dienst der Volksgesundheit." Eva wird untersucht, getestet, ausführlich befragt. Die Diagnose lautet: fortschreitende Debilität.
Die Akte wird nach Berlin geschickt, ans Reichsgesundhetisamt, mit der Bitte um Weisungen. Niemand handelt eigenmächtig. Niemand trägt Verantwortung. Jeder ist Glied einer Kette, deren Anfang sich in den Wolken des Obersalzbergs verliert. Die Weisung lässt nicht auf sich warten.
Zwei Wochen später erhält Frau Zielinsky Evas Asche in einer geschmackvollen Urne.
"Eure Mitschülerin Zielinsky ist an Lungenentzündung gestorben", teilt Frau Krantz der Klasse mit. "Wir werden sie immer in guter Erinnerung behalten. Und jetzt nehmt eure Aufsatzhefte und schreibt mir zwei Seiten über Blondi, die Schäferhündin des Führers."

Seitenangabe für Zitat1:
137

Der Vater macht das Heft zu.
Tante Frieda legt Patience.
Marschall Pétain übernimmt für Frankreichs unbesetzte Zone die deutschen Rassengesetze.
Die Kinder gehen in die Oper.

Seitenangabe für Zitat2:
183
Quellenangaben
Verlag:
Amalthea Signum
Erscheinungsjahr:
2007
Auflage:
unbekannt
ISBN:
978-3-85002-616-1
Meine Gedanken zum Buch:

Ein sehr berührendes, das gerade durch das "Nur-Andeuten" ein Grauen und Gänsehaut erzeugt.
Einerseits fühlen sich die Kinder durch die Oper wie in Watte gewickelt, doch gehen auch an ihnen die grauenhaften Machenschaften nicht vorbei.
In nur wenigen Zeilen am Ende jedes Kapitels wird Hilflosigkeit, Unbeholfenheit, Gutgläubikeit und Grauen klarer definiert als würde man sie seitenlang erläutern.
Finde das Buch sehr empfehlenswert.

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