Die Hexe von Portobello

Athena ist eine junge Frau, die durch Adoption das Kind libanesischer Christen wurde. Doch eigentlich ist sie eine rumänische Zigeunerin aus Hermannstadt. Sie lebt in London, hat einen kleinen Sohn, mit dessen Vater sie allerdings nicht mehr zusammenlebt. Ihre wahren Wurzeln tun sich vor ihr auf, als sie durch das Tanzen plötzlich übernatürliche Kräfte in sich entdeckt. Kräfte, mit denen sie zunächst nichts anzufangen weiß, die sie verstören und die sie nur langsam kanalisieren kann. Doch mehr und mehr entdeckt Athena, wer sie wirklich ist, erkennt die andere Person, die in ihr ist, die sie selbst als "Hagia Sophia" bezeichnet. Athena weiß jetzt, welchen Weg sie gehen muss, was ihre Aufgabe im Leben ist. Doch die Menschen um sie herum können mit der neuen Athena nur begrenzt umgehen, vielen macht sie sogar Angst. Dann verschwindet die junge Frau und sie scheint das Rätsel ihrer Person mit sich zu nehmen. Nun kommen all diejenigen zu Wort, die die "Hexe von Portobello" kennengelernt haben: der Journalist Heron Ryan, die Schauspielerin Andrea McCain, Deidre O´Neill, die besser bekannt ist als Edda, ihr Exmann Lukas Jessen-Petersen oder ihre Mutter Samira R. Khalil. Und langsam entsteht das Bild der Person, die Athena wirklich ist: einer jungen Frau, die ihrer Bestimmung gefolgt ist.

Meine Gedanken zum Buch: 

Dieser Roman ist ein Plädoyer für mehr Toleranz untereinander und für den Glauben an das, was in jedem Menschen verborgen ist. Nur wenn wir an uns selbst glauben, wenn wir den Mut haben, auf das zu hören, was in uns ist, können wir zu uns selbst finden. Natürlich scheint dieser Ausdruck "zu sich selbst finden" schon fast etwas abgedroschen in der heutigen Zeit - doch genau darum geht es. "Die Hexe von Portobello" zeigt, wie schwer es ist, seinen Weg zu gehen, dass man oft auf wenig Gegenliebe stößt - und dennoch weitermachen muss. Man sieht auch wie unterschiedlich ein Mensch von anderen wahrgenommen wird - für die einen eine Heldin, eine Heilerin und Heilige, für die anderen eine Hure, berechnend und machtgierig. All das ist die Hexe von Portobello. Und keine dieser Wahrnehmungen ist mehr wahr als die andere. So sind wir Menschen eben, von allem etwas ist in uns und wir ganz allein bestimmen, welche Seite stärker in uns ist.

Nur wenn wir an uns selbst glauben, wenn wir den Mut haben, auf das zu hören, was in uns ist, können wir zu uns selbst finden.

Verlag: 
Diogenes
Auflage: 
1.Auflage
ISBN: 
978-3-257-06600-5

Kommentare

Wieder ein genialer Roman von Paulo Coelho - hab ihn auch schon gelesen und war voll begeistert.  Viele tiefgründige Zeilen die zum Nachdenken anregen. Kann ich auch nur weiter empfehlen!!

Zitat Seite 116: Es gibt einige auserwählte Menschen, von denen ein ganz besonderes Leuchten ausgeht. Es ist ihnen bestimmt, einander zu begegnen.
Mich beschäftigt der Gedanke schon länger, ob unsere bzw. meine Begegnungen und Erlebnisse wirklich nur Zufall sind. Nur allzuoft habe ich den Eindruck, dass es genau der oder das war, den oder das ich gerade gebraucht habe. Manchmal nehme ich es begeistert auf und manchmal stöhne ich, weil mir etwas vor die Nase gesetzt wurde, was ich nicht so gerne erkennen wollte.
Athena war offen für diese Begegnungen, das hat mich an diesem Buch am meisten fasziniert. Sie hat das, was auf sie zugekommen ist, genützt zu lernen, voranzukommen auf dem ihr bestimmten Weg.
Der Gedanke an eine göttliche Mutter hat auch etwas schönes an sich. Die Liebe, die alles übertrifft. Nur glaube ich, dass der Glaube an sie nicht automatisch eine Ablehnung alles Bestehenden bedeutet. Das muß sich doch irgendwie verbinden lassen!