Die Frau in der hinteren Reihe

Ein Leben voller Abenteuer? So versprechen es die Zeitschriften, die Nina in ihrem Pariser Kiosk tagtäglich verkauft. Die Wirklichkeit? Wecken um drei vor fünf, dann schnell die eheliche Pflicht verrichten, und Punkt fünf ab zum Zeitungsgroßverteiler. Dann die Arbeit im Kiosk und ein offenes Ohr für alle anderen, sechs Tage die Woche, Jahr für Jahr. Ein Leben ohne Glanz - bis sie eines der Heftchen aufschlägt, in das die Männer heimlich linsen. Was wäre, wenn auch sie einen schwarzen Ledermantel hätte und ein schweres exotisches Parfum? Schon bald wird Nina zu einer rührenden femme fatale und ihrer eigenen Rivalin...

Meine Gedanken zum Buch: 

Wirklich ein kleiner Roman mit total überraschenden Wenden über den Alltag, das Festgefahren sein und die Verstaubheit. Nina ist gefangen in diesem Alltagstrott und bricht plötzlich aus, erfindet und experimentiert und erschafft eine andere Frau. Dumm ist nur, dass ihr Mann sich in diese Frau verliebt. So entsteht eine sehr beklemmende Situation aus der es keinen Ausweg gibt. Sehr klug geschrieben, macht sehr nachdenklich - kein schönes Ende. Mein bookreaders-Contest-Gewinn - danke nochmals!!!

Ich bin immer ein bisschen hinterm Mond gewesen. Und wenn einmal nicht, dann hat es keiner gemerkt. Unscheinbar. Ein unaufälliges Wesen.

Seitenangabe für Zitat1: 
17

Und dann die Männer. Diese Sorte, die wer weiß wie höflich tut - aber nein, ich bitte Sie, nach Ihnen, ich habe Zeit - ,standen da, die Liberation groß aufgeschlagen, darunter aber blätterten sie Seite für Seite den Playboy durch. Ich sah, wie ihre Augen die nackten Mädchen verschlangen, und dabei merkte ich eines Tages, das durch meine Baumwollbluse und den dicken Strickpullover hindurch meine Brustwarzen standen.

Seitenangabe für Zitat2: 
25

Kaum in der Wohnung, stopfte ich den Lackmantel, Schuhe, Strümpfe, Perücke, Lippenstift und Parfüm in einen Plastikbeutel, den ich im Wandschrank hinter den Waschmitteln versteckte, weil er da bestimmt nie ranging, und dann seifte ich mich gründlich, um den Duft loszuwerden, der meinem Mann so gut gefiel.

Seitenangabe für Zitat3: 
68
Verlag: 
Diogenes
Auflage: 
-
ISBN: 
978 3 257 861785

Kommentare

Obwohl das Ende etwas eigentümlich ist. Nun ja, das ganze Buch überrascht und wirft Fragen auf. Hat jeder Mensch eine zweite (oder vielleicht sogar dritte) Seite? Was wird mir wirklich geglaubt?
Was diese Frau alles unternimmt um ihren Ehegatten zu erobern. Und er ist so blind und träumt sich nach China!
 
P.S.: Liebe Alex, entschuldige, ich habe in deinem Buch (gedankenverloren) Sätze markiert. Aber das beweist, wie sehr ich vom Buch gefangen war.
schreibt Reinhard XING

Kein Problem! Aber eigentlich schon komisch, dass der Ehemann ihr keinen Raum zur Wandlung gibt. Traurig, oder?
Sie hat aber auch nie ein Outing gewagt...das zeigt irgendwie die Vernachlässigung der Kommunikation zwischen Paaren, die es ja leider gibt.
Ich hab noch lange über das Buch nachgedacht und es ist wichtig, dass man sich in einer Beziehung Freiräume und dem Partner "Wandlungen" und Experimente erlaubt, soweit diese nicht ausarten...oder?

Sicher kein Hollywood-Happy-End...für mich war es traurig, dass manche Männer gar nix sehen, manchmal...

Das war wieder mal typisch für mich, sobald ich von jemand beeindruckt war, wurde ich unbeholfen, oder vielmehr "einwandfrei", wie mein Mann sagte.
 

Der zweite Roman, den ich von Francoise Dorner gelesen habe, wieder sehr gelungen wie ich finde.
Diese Geschichte über einen Frau sich in einer völlig oberflächlichen Partnerschaft befindent - unverstanden, unbemerkt, "allein" - hat auch mich sehr nachdenklich gestimmt. Sicher kein Einzelfall, eher einen Situation aus dem Leben gegriffen.
Sie hat für sich einen neuen Weg eingeschlagen, um ihre Beziehung zu retten, aber auch um sich selbst zu retten, nicht viele von uns hätten wahrscheinlich den Mut dazu aufgebracht. Sie hat einen zweite Seite an sich entdeckt und sie hat Gefallen daran gefunden. Reinhard hat gemeint, ob jeder von uns zwei Seiten hat. Ich würde sage, JA nur ist nicht jeder "gezwungen " diese zweite Seite auch zu endecken.
Hätte sich Nina in einer "einigermaßen" glücklichen Beziehung befunden, hätte sie sich wahrscheinlich nicht zu dieser "Fremden" entwickelt. Sie wäre im Großen und Ganzen glücklich gewesen, hätte das eine oder andere akzeptiert und hätte ihr Leben so weitergeführt wie bisher. Genau so ist es vermutlich bei jedem von uns. Erst wenn wir an einen Punkt kommen, an dem wir absolut nicht mehr weiter wissen, ziehen wir die Notbremse und suchen nach Auswegen....
Das "Happy End"..... was soll man dazu sagen.... klar, ein Happy End aller Hollywood war es natürlich nicht, aber seien wir doch mal ehrlich, so etwas gibt es im wirklichen Leben schließlich auch nicht.
Ich finde, dass es für Nina in gewisser Weise schon ein Happy End war. Sie hat sich immerhin selbst gefunden, auch wenn sie dafür etwas aufgebe musste, das im Grund e schon lange nicht mehr da war.
Szenen wie die auf Seite 71, gehören zumindest für sie jetzt der Vergangenheit an:
"Ich hatte mich ausgezogen und war in dem Babydoll hereingekommen, das er mir zum Hochzeitstag geschenkt hatte. Er sah zu mir hin, ohne mich zu sehen."