Der schwedische Reiter

Der_schwedische_Reiter.jpgDie Welt ist aus den Fugen in diesem historisch-fantastischen Roman: Der Krieg zwischen August dem Starken und Karl XII. von Schweden hat Schlesien um 1700 im Würgegriff. Regimenter durchziehen das Land und üben erbarmungslose Lynchjustiz. Die Bauern, aber auch Banden von Räubern und Vagabunden kämpfen ums nackte Überleben. Ein christlicher Bischof bietet den Verfolgten letzte Zuflucht: In seinen Steinbrüchen und Schmelzöfen »stöhnen an Karren geschmiedet die Lebendig-Toten, die sich vor dem Galgen in die Hölle geflüchtet haben«. Zwei Männer, ein adeliger Deserteur und ein namenloser Vagabund, stehen am Scheideweg. Der Weg des ersten führt zur feindlichen schwedischen Armee, zu Kriegsruhm, Reichtum und zur schönen Maria Agneta, seiner Kusine. Der Weg des anderen führt in die Feuerhölle des Bischofs. Doch die Schicksale kreuzen und vertauschen sich.

Meine Gedanken zum Buch: 

Beim Lesen dieses Buches wurde ich immer wieder an die Märchen von Wilhelm Hauff erinnert. Die düsteren Figuren, die eigenartige Sprache, und letztendlich dann doch ein Sieg des Guten über das Böse, wobei keiner dabei gewinnt. Kurzweilig und unterhaltsam zeichnet Perutz auch ein Sittenbild einer Zeit, die vor allem durch die Ausbeutung des Volkes durch die Bischöfe geprägt wird, deren einiges Interesse es ist, in gleichem Luxus wie der Hochadel zu leben.

"Ja, Bruder", sagte Tornefeld. "Es waren schlimme Tage, unbeschreibliche Fatiguen, hab' nicht geglaubt, daß ichsie übersteh', Hab' schon meinen Leichenzug gesehen, die Lichter, die Kränze, die Träger und den hölzernen Sarg. Enfin - ich lebe, Gott sei's gedankt, hab' eine Salvaguardia vor des Todes Sensen. Und in zwei Wochen werd' ich neben meinem König im Laufgraben stehen."

Seitenangabe für Zitat1: 
22

"Du Narr, wohin willst du uns führen? Vielleicht ins Zwiebelland, wo die Narren wachsen und das Kalb den Metzger schlägt? Weißt du nicht, wie es um uns steht, und daß die Dragoner über uns sind? Wie sollen wir ihnen entrinnen, wir haben keine Pferde, wir sind abgemattet und harrassiert."

Seitenangabe für Zitat2: 
87
Verlag: 
Deutscher Taschenbuch Verlag
Auflage: 
1. Auflage
ISBN: 
ISBN-13 9783423131605

Kommentare

Ja, dieses Buch ist große Klasse. Unzweideutig und bilderreich ist die blumige Sprache Perutzs. Gerade ich (kein Freund von zahlreichen Protagonisten) konnte hier leicht und unangestrengt folgen. Obwohl sich die Kurzfassung der Handlung verzwickt gibt.
Perutz schafft es sich durch eine gewisse rhytmische Erzählung tief in die eigenen (Leser-)Gedanken festzusetzen. Die Handlung ist trotz einiger Zufälle schlüssig und/aber fantastisch. Highlight ist für mich die Szene vor dem himmlischen Gericht, die keine üblichen Maßstäbe für die Bestrafung ansetzt. Ob Dieb oder nicht, das interessiert das Gericht nicht. Aber der gemeine Verrat seines Weggefährten führt zu einer obskuren Höchststrafe. Aber bitte, lest doch selbst. Mit 252 Seiten in großem Schriftbild sollte das kleine Büchlein leicht in jeder (Männer)-Handtasche Platz finden.