Der japanische Liebhaber(El amante japonés)

Für Irina ist der neue Job ein Glücksfall. Die junge Frau soll für die Millionärin Alma Belasco als Assistentin arbeiten. Mit einem Schlag ist sie nicht nur ihre Geldsorgen los, sondern gewinnt auch eine Freundin, wie sie noch keine hatte: extravagant, überbordend, mitreißend und an die achtzig. Doch bald spürt sie, dass Alma verwundet ist. Eine Wunde, die nur vergessen scheint, wenn eines der edlen Kuverts im Postfach liegt. Aber wer schreibt Woche um Woche diese Liebesbriefe? Und von wem stammen all die Blumen? Auch um sich von den eigenen Lebenssorgen abzulenken, folgt Irina den Spuren, und es beginnt eine abenteuerliche Reise bis weit in die Vergangenheit. Isabel Allende erzählt von Freundschaft und der unentrinnbaren Kraft einer lebenslangen Liebe. Davon, wie Zeit und Zwänge über eine solche Liebe hinweggehen und sie verwandeln, in Verbundenheit, Wehmut und ein leises Staunen – darüber, schon so lange gemeinsam unterwegs zu sein.

Meine Gedanken zum Buch: 

Ich liebe die Bücher von Isabel Allende, habe mich im Geisterhaus verloren und das Portrait in Sepia betrachtet, bin auf die Insel unter dem Meer gereist und war auf Jagd in der Stadt der wilden Götter. Umso mehr hab ich mich gefreut, einen japanischen Liebhaber zu entdecken - und bin jetzt ein bisschen ratlos. Worum geht es, kurzgefasst? Irina, jung, zierlich und hübsch, aus Moldavien, bekommt in einem Altenpflegeheim in San Francisco eine Anstellung. Sie liebt die alten Menschen dort, ist tüchtig, arbeitsam und sehr beliebt. Eines Tages fällt sie Alma Belasco auf, einer Künstlerin, die sich im Alter in die dem Pflegeheim angeschlossene Seniorenresidenz zurückgezogen hat. Alma scheint ein Geheimnis zu haben, denn sie verschwindet immer wieder einige Tage, bekommt Gardenien geschickt und Briefe. Seth, Almas Enkel, der sich in Irina verliebt, versucht gemeinsam mit dieser, Almas Geheimnis zu enträtseln. Außerdem möchte er Irina näher kommen, doch auch sie hat ein Geheimnis... Klingt alles ganz spannend und ist es im Grunde auch, aber für mich gibt es zwei Kritikpunkte. Der erste Punkt ist, dass in die Geschichte einerseits einfach zu viel hineingepackt wurde (die Judenverfolgung im 2. Weltkrieg, die Internierung der Japaner in Amerika nach Pearl Harbour, Rassenschranken, Kindesmissbrauch, Schwulenproblematik, AIDS,...), andererseits die "Geheimnisse" sehr bald aufgelöst werden und es dann eher um die "innere Heilung" aller Beteiligten geht. Mein zweiter Kritikpunkt ist für mich schwerwiegender: Isabel Allende erklärt zu viel. Sie lässt mich in der Geschichte nichts selbst entdecken, alles wird detailliert beschrieben und noch einmal beschrieben. Raum für eigene Bilder im Kopf bleibt nicht mehr, das "Schreibgeheimnis" ihrer früheren Werke ist für mich auf der Strecke geblieben. Nun könnte man natürlich dagegenhalten, dass sich das Buch sehr flüssig liest, dass es spannend und informativ ist für Menschen ,die über die Zeit des zweiten Weltkriegs nur wenig wissen. Aber dafür ist zu viel in das Buch gepackt - und das auf zu engem Raum. 335 Seiten für einen so vollen Autobus ist einfach zu wenig und es hätte der Geschichte gutgetan, ein wenig langsamer daherzukommen, nicht alles auf den Tisch zu knallen und den Leserinnen und Lesern die Chance zu geben, selbst im eigenen Kopf fündig zu werden, wenn man Bilder dazu braucht. Fazit: Flott geschrieben, ohne große Ansprüche und "für die Galerie". Nicht schlecht, aber im Vergleich zu Allendes anderen Büchern etwas enttäuschend.

Verlag: 
Suhrkamp Verlag
Erscheinungsjahr: 
2015
Auflage: 
1. Auflage
ISBN: 
3518424963