Der Zauberberg

zauberberg.jpgHans Castorps Geschichte ist die Geschichte einer Steigerung; ein simpler Held wird in der fieberhaften Hermetik des Zauberberges zu moralischen, geistigen und sinnlichen Abenteuern fähig gemacht, von denen er sich früher nie hätte träumen lassen.

 

 

Meine Gedanken zum Buch: 

In diesem Buch treffen die verschiedensten Lebensauffassungen auf einander. Unter vermeintlich "Kranken" entwickelt sich ein Fin-de-Siècle-Zustand, der taumelnd zum Fiasko führt. Die zentrale Frage ist, ob sich Gewalt als logische Konsequenz zwingend ergibt.
Höchst intelligente Typen stehen sich am Fast-Ende feindlich gegenüber und reagieren - entsprechend ihrer natürlichen Lebenseinstellung - typisch aber überraschend. Dass unser Held Hans Castorp nach fast 1000 Seiten innerhalb einer Buch-Seite Kriegshandlung unspektakulär "fällt" rahmt dieses Buch zart in schwarz ein. Ist Krieg die logische Konsequenz nach einer über-sozialen und deswegen ausgrenzenden Gesellschaftsordnung? Ich will hoffen, dass das nicht so ist.

Zitate: 

test

Seite 1

Äußerlichkeiten mochten täuschen, aber eigentlich sah er ganz so aus, wie man nicht aussah.

Seitenangabe für Zitat1: 
54

"Hören Sie nicht gern Musik?"
"Nicht gern auf Kommando."

Seitenangabe für Zitat2: 
158

Das wahre Sein der Dinge ist ein stehendes Jetzt.

Seitenangabe für Zitat3: 
750
Verlag: 
Fischer Taschenbuch
Auflage: 
19.
ISBN: 
9783596294336

Kommentare

...wenn man sich interessiert, nicht wahr, dann kommt das Verstehen von selber...
 
 
Zitat S. 89:
Bosheit, mein Herr, ist der Geist der Kritik, und Kritik bedeutet den Ursprung des Fortschrittes und der Aufklärung.

Hans Castrop steuerte durch sein Zimmer auf den Balkon hinaus, wo er sich , wie er ging und stand, auf den Liegestuhl fallen ließ und, ohne die einmal eingenommene Lage zu verbessern, in einen schweren, von dem raschen Schlage seines Herzens peinlich belebten Halbschlummer sank.

Eine Seele ohne Körper ist so unmenschlich und entsetzlich wie ein Körper ohne Seele, und übrigens ist das erstere die selenten Ausnahme und das zweite die Regel. In der Regel ist  es der Körper, der überwuchert, der alle Wichtigkeit, alles Leben an sich reißt und sich aufs widerwärtigste emanzipiert.

Man braucht nicht aufzusehen, um sich zu überzeugen, wer da hereingekommen ist. Natürlich, da geht sie - und wie reizend sie geht, - ganz wie ein Kätzchen zur Milchschüssel schleicht!

Lesestatus S. 313.... ja, Feiertage sind wirklich etwas Feines.... endlich mal Zeit, um ausgiebig im Zauberberg zu lesen...
Bin von diesem Buch fasziniert.... nüchtern betrachtet versorgt Thomas Mann den Leser mit soooo unglaublich vielen Informationen, die für den Verlauf der Geschichte ja eigenltich absolut nicht relevant wären...... man könnte sie fast "unnötig" nennen.... ABER.... und das ist für mich das Faszinierende, es wird mir in keinem Augenblick zu viel oder auch zu langatmig...
 
Bin gespannt, ob es auch weiterhin so flüssig dahin geht....

"M.w.!" sagte Behrens. "M.w.m.V.! Machen wir mit Vergnügen! "
 
Anmerkung:
Also wenn ich so was les... diese Art Kürzelsprache.... muss ich unweigerlich immer an Martin Walser`s Buch " Ein liebender Mann" denken.... ;o)

Der Oktober brach an, wie neue Monate anzubrechen pflegen, - es ist an und für sich ein vollkommen bescheidenes und geräuschloses Anbrechen, ohne Zeichen und Feuermale, ein stilles Sicheinschleichen also eigentlich, das der Aufmerksamkeit, wenn sie nicht streng Ordnung hält, leicht entgeht. Die Zeit hat in Wirklichkeit keine Einschnitte, es gibt kein Gewitter oder Drommetengetön beim Beginn eines neuen Monats oder Jahres, und selbst bei dem eines neuen Säkulums sind es nur wir Menschen, die schießen und läuten.

... aber Hans Castrop erwiderte, er wolle sie selber besitzen, es sei ein ganz anderes Lesen, wenn das Buch einem gehöre.....
 
Anmerkung: oooohhhhh  ja, meine Worte... dem ist nix hinzuzufügen :o))))))

.... kaum zu fassen... aber das Buch fesselt mich noch immer.... hatte im Abschnitt "Forschungen" eine kleine, aber kaum erwähnenswerte Durststrecke, die sich aber gleich wieder gelegt hat...
 
Es ist einfach ein Genuss..... und kürzlich musste ich auch richtig lachen.... wie diese Liebe von Hans Castrop zu Clawdia Chauchat beschrieben wird... einfach köstlich.... es ist so entzückend und man fiebert und leidet regelrecht mit ihm mit, zB wie bei der Übersetzung auf S. 999:
 
"Ich liebe dich" lallte er, " ich habe dich schon seit je geliebt, dann du bist das DU meines Lebens, mein Traum, mein Schicksal, mein ganzes Verlangen, meine ewige Sehnsucht....."
 
und gleichzeitig fast ein bisschen komisch wie auf S. 480 :
 
"... das Pfand, das diesmal nicht in bräunlichroten Holzschnitzeln, sondern in einem dünn gerahmten Plättchen, einer Glasplatte bestand, die man gegen das Licht halten mußte, um etwas an ihr zu finden, - Clawdia`s Innenporträt, das ohne Antlitz war, aber das zarte Gebein ihres Oberkörpers, von den weichen Formen des Fleisches licht und geisterhaft umgeben, nebst den Organen der Brusthöhle erkennen ließ... Wie oft hatte er es betrachtet und an die Lippen gedrückt in der Zeit, die seitdem verflossen war....!"
 
Hihihihi - einfach herrlich ;o) 
Thomas Mann schreibt einfach toll... ich liebe diese Sprache.... diese ausgeschmückten, nie enden wollenden Sätze.....  ich muss gestehen, insgeheim überlege ich ja schon.... obwohl ich ja erst in der Mitte dieses Buches angekommen bin..... welchen seiner Romane ich im Anschluss lesen könnte..... ;o)....
 
 

Der erste Schritt zu wahrer Freiheit und Humanität wäre, sich der schlotternden Furcht vor dem Begriff "Reaktion" zu entschlagen.

Verurteile mich wer will, aber ich mache Gebrauch von der Möglichkeit, mit einem immerhin ebenbürtigen Gegner die Klinge der Idee zu kreuzen.

Bin nun nach einer kleinen Flaute auf S. 560 angelangt.... sprachlich nach wie vor wunderbar.... die Flaute entstand meiner Meinung auch nur, weil ich mich dem Buch zeitlich nicht so widmen konnte, wie ich es gern getan hätte.....
Ein Freund hat mich kürzlich gefraget: "Und, was ist die Quintessenz dieses Buches".... Auf meine Antwort hin : "ich weiß es noch nicht" hat er laut auflachen müssen....
 
Ja, es ist nicht absehbar wo diese Reise noch hingeht.... aber erstaunlicher Weise macht es mir nach so vielen gelesenen Seiten noch immer nicht´s aus... Mann gewinnt den Leser durch seine Sprache voll und ganz....
Vielleicht ist auch genau DAS das Wesentliche oder zumindest ein Teil des Wesentlichen.... einfach in dieser Sprache und in diesem Schreibstil aufzugehen....???!!!! Man wird sehen, was sich im weiteren Verlauf dieser Geschichte noch alles ergibt.....
Auf jeden Fall bin ich noch immer mit voller Freude dabei und nähere mich auch schon mit großen Schritten dem Abschnitt "Schnee", der ja schon von mehreren Seiten hoch gelobt wurde.
 
 

Also ehrlich gesagt kann ich mir nicht vorstellen, dass jemand wie Thomas Mann einen 1.000 Seiten langen Roman schreibt, nur um in der Sprache aufzugehen. Einerseits wird ja eine Geschicht erzählt, und andererseits wird ja auch relativ viel philosophiert, so weit ich mich erinner kann, also wird er uns schon auch was sagen wollen. Bin gespannt, zu welchem Fazit Du kommst. Zur Not hast Du ja auch noch einige Diskussionspartner Smile

... natürlich hat er ihn nicht nur aus diesem Grund geschrieben.... aber dir Sprache allein ist für mich schon ein mehr als großer Teil, der diesen Roman so besonders und eben auch außergewöhnlich macht.... es ist wie eine Reise.... und wie gesagt, wo die Reise hingeht weiß ich ja noch nicht.....

Zauberberg verzaubert auch den Leser - wie eine Meditation, man besinnt sich auf Langsamkeit und Alltagsgedanken werden weggewischt.

schön gesagt Reinhard, so geht`s mir nämlich auch.... wenn man in diese "Melodie" einmal eintaucht... schwebt man wirklich weg.....
 
Bin ja jetzt schon auf Seite 751 und immer wieder auf`s neu erstaunt, mit welcher Sprachgewalt Thomas Mann sich auszudrücken versteht.
Den Abschnitt "Schnee" hab ich auch schon bestritten... puh..... ja, da bekommt man einiges geboten..... am Anfang kam ich mir ein bisschen zurückversetzt vor... nämlich in meinen letzten Schiurlaub ;o).... zum Glück haben wir damals rechtzeitig ins Tal zurück gefunden.... welchen Streich ihn dann aber sein Geist spielt.... ja, hiermit legt Mann noch mal eins drauf.
Zitat S. 645:
Es schneite still. Alles verschwamm mehr und mehr. Der Blick, in ein wattiges Nichts gehend, brach sich leicht zum Schlummer. Ein Frösteln begleitete den Augenblick des Hinüberganges, doch gab es dann kein reineres Schlafen als dieses hier in der Eiseskälte, dessen Traumlosigkeit von keinem unbewussten Gefühl organischer Lebenslast berührt wurde, da das Atmen der leeren, nichtig-dunstlosen Luft dem Organismus nicht schwerer fiel als das Nichtatmen den Toten.
 
 

... ich gestehe, mein persönliches Highlight fand ich aber auf Seite 749 im Abschnitt "Strandspaziergang".....
wow, wow... und nochmal wow... mehr kann ich dazu nicht sagen...
 
O Meer, wir sitzen erzählend fern von dir, wir wenden dir unsere Gedanken, unsere Liebe zu, ausdürcklich und laut anrufungsweise sollst du in unserer Erzählung gegenwärtig sein, wie du es im stillen immer warst und bist und sein wirst... Sausende Öde, blaß hellgrau überspannt, voll herber Feuchtge, von der ein Salzgeschmack auf unseren Lippen haftet. Wir gehen, gehen auf leicht federndem, mit Tang und kleinen Muscheln bestreutem Grunde, die Ohren eingehüllt vom Wind, von diesem großen, weinte und milden Winde, der frei und ungehemmt und ohen Tücke den Raum durchführt und eine sanfte Betäubung in unserem Kopf erzeugt,- wir wandern, wanderdn und sehen die Schaumzungen der vorgetrieben und wieder rückswärts wallenden See nach unseren Füßen lecken.
Die Brandung siedet, hell-dumpf, aufprallend rauscht Welle auf Welle seidig auf den flachen Strand,-so dort wie hier und an den Bänken draußen, und dieses wirre und allgemeine, sanft brausende Getöse sperrt unser Ohr für jede Stimme der Welt. Tiefes Genügen, wissentlich Vergessen.... Schließen wir doch die Augen, geborgen von Ewigkeit! Nein, sieh, dort in der schaumigen graugrünen Weite, die sich in ungeheueren Verzückungen zum Horizonte verliert, dort steht ein Segel. Dort? Was ist das für ein Dort? Wie weit? Wìe nah? Das weißt du nicht. Auf schwindelige Weise entzieht es sich deinem Urteil. Um zu sagen, wie weit dies Schiff vom Ufer entfernt ist, müßtest du wissen, wie groß es an sich selber als Körper ist. Klein und nah oder groß und fern?
In Unwissenheit bricht sich ein Blick, denn aus dier selber sagt kein Organ und Sinn dir über den Raum bescheid..... Wir gehen, gehen - wie lange schon? Wie weit? Das steht dahin. Nichts ändert sich bei unserem Schritt, dort ist wie hier, vorhin wie jetzt und dann; in ungemessener Monotonie des Raumes ertrinkt die Zeit, Bewegung von Punkt zu Punkt ist keine Bewegung mehr, wenn Einerleiheit regiert, und wo Bewegung nicht mehr Bewegung ist, ist keine Zeit.

... Trinken sie ein Glas Rotwein mit mir? Ich trinke. Mich dürstet. Die Feuchtigkeitsabgabe dieses Tages war erheblich....

Frauen lächeln bei jeder Gelegenheit, nur um des Lächelns willen; es ist nutzlos, sich jedesmal Gedanken darüber zu machen.

FINIS OPERIS
..... am Wochenende war es soweit... ich habe den Gipfel erklommen.
Ein absolut beeindruckendes und faszinierendes Buch. Immer wieder bin ich von Thomas Mann`s Erzählgewalt beeindruckt... kaum eine Durststrecke forderte mich in diesem Buch... und das bei diesem Seitenumfang, kaum zu glauben.
Ich gestehe, auch wenn ich gegen Ende dieses Buches ein bisschen ungeduldig wurde... so fehlt mir jetzt - wo ich zu Ende gelesen habe - doch etwas..... es ist seltsam nach so langer Zeit - immerhin ein gutes Monat habe ich mit diesem Roman und der Geschichte rund um Hans Castrop verbracht - ein Buch einfach so zuklappen zu müssen.
So viel ist passiert, so viel hat man entdeckt. Hans Castrop wurde im Laufe dieser Geschichte nicht einfach nur zu einer sympatischen Hauptfigur, sondern vielmehr zu einem Vertrauten, den man in allen Lebenslagen begleiten durfte.....  man sieht in reifen, hadern, leiden aber auch glücklich sein.... erlebt seine Konflikte fast hautnah mit... wie gesagt, seltsam... wenn man plötzlich dann doch den Schlusssatz liest und weiß, jetzt geht es nicht mehr weiter....
 
Auf jeden Fall ist wie schon mehrfach erwähnt Thomas Mann ein ganz großer Erzähler... sicher, man muss den Stil in dem er schreibt mögen.... viel finden ihn zu ausladend, schwülstig..... gut, einem jeden das Seine.... mich hat er einfach nur restlos begeistert..... es ist ein Leseerlebnis der ganz besonderen Art.
Ich kann diesen Roman nur jedem ans Herz legen.... einfach mal reinlesen... sich nicht von der Stärke abschrecken lassen....unbefangen an die Sache heran gehen und sich dann vom Sog der Erzählung mitreissen lassen.....