Der Tod in Venedig

Tod_in_Venedig.jpgDer 50-jährige, in München lebende Schriftsteller Gustav von Aschenbach, der pflichtbewusst und diszipliniert arbeitend, sich auf der Höhe seines öffentlichen Ruhms befindet, reist, von plötzlichem Fernweh und Reiselust erfasst, nach Venedig. In der schwül-fiebrigen Atmosphäre der Lagunenstadt verbringt er eine Reihe von Tagen in einem Zustand zunehmend aufgelöster innerer Ordnung und Disziplin, in sinnlicher Zuneigung entflammt zu dem im gleichen Hotel logierenden polnischen Jüngling Tadzio, bis er sich, nach einer Verlängerung seines Aufenthaltes, in dem beginnenden Ausbruch einer Cholera-Epidemie an frischem Obst infiziert und in der Schlussszene am Meeresstrand sitzend stirbt.

Meine Gedanken zum Buch: 

Meine erste Berührung mit Thomas Mann und ich bin davon überzeugt, ich hätte mit dieser Novelle keinen besseren Einstieg in seine Werke machen können.
 
Einfach ein purer Lesegenuss... ich bin restlos begeistert..... gut, über den Inhalt lässt sich streiten.... ABER nicht über die Qualität und das Können seiner Sprache. Ein Wahnsinn, was man mit Worten alles sagen kann!!!!
Es ist einfach  grandios, mit welcher Wortgewalt er Stimmungen und Augenblicke einfängt....wie wunderbar er seine Worte wählt und sie einsetzt.....Zitat Seite 80: Er war früh auf, wie sonst wohl bei pochendem Arbeitsdrange, und vor den Meisten am Strand, wenn die Sonne noch milde war und das Meer weiß blendend in Morgenträumen lag.... 
oder Zitat Sie 91: Aber ums erste Morgengrauen weckte ihn ein zart durchdringendes Erschrecken, sein Herz erinnerte sich seines Abenteuers, es litt ihn nicht mehr in den Kissen, er erhob sich, und leicht eingehüllt gegen den Schauer der Früh setzte er sich ans offene Fenster, den Aufgang der Sonne zu erwarten. Das wundervolle Ereignis erfüllte seine vom Schlaf geweihte Seele mit Andacht.....
 
Thomas Mann ist ein Meister!!!!!! Ich kann diese Novelle nur jedem weiterempfehlen.... man muss und wird sie einfach lieben.

So sah er ihn denn wieder, den erstaunlichsten Landungsplatz, jene blendende Komposition phantastischen Bauwerks, welche die Republik den ehrfürchtigen Blicken nahender Seefahrer entgegenstellte: die leichte Herrlichkeit des Palastes und die Seufzerbrücke, dei Säulen mit Löw´ und Heiligem am Ufer, die prunkend vortretende Flanke des Märchentempels, den Durchblick auf Torweg und Riesenuhr, und anschauend bedacht er, daß zu Lande, auf dem Bahnhof in Venedig anlangen, einen Palast durch die eine Hintertüre betreten heiße, und daß man nicht anders, als wie nun er, als zu Schiffe, als über das hohe Meer die unwahrscheinlichste der Städte erreichen sollte.

Seitenangabe für Zitat1: 
39

Und die Hände im Schoß gefaltet, ließ er seine Augen sich in den Weiten des Meeres verlieren, seinen Blick entgleiten, verschwimmen, sich brechen im eintönigen Dunst der Raumeswüste. Er liebte das Meer aus tiefen Gründen... Am Vollkommenen zu ruhen, ist die Sehnsucht dessen, der sich um das Vertreffliche müht; und ist nicht das Nichts eine Form des Volkommenen?...

Seitenangabe für Zitat2: 
59
Verlag: 
Fischer Taschenbuch Verlag
Auflage: 
22. Auflage Oktober 2010
ISBN: 
978-3-596-11266-1

Kommentare

 

hihihi... ich denk, Reinhard... bei dir hat das Buch auch voll eingeschlagen... die Fülle der geposteten Zitate lässt auf jeden Fall darauf schließen :o)))))

  • S 84: Stand nicht geschrieben, daß die Sonne unsere Aufmerksamkeit von den intellektuellen auf die sinnlichen Dinge wendet?
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  • Reinhard E. Karner S 85: So dachte der Enthusiasmierte; so vermochte er zu empfinden.
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  • Reinhard E. Karner S 86: Und dann sprach er das Feinste aus ...: Dies, daß der Liebende göttlicher sei als der Geliebte, weil in jenem der Gott sei, nicht aber im andern.
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  • Reinhard E. Karner S 86: Glück des Schriftstellers ist der Gedanke, der ganz Gefühl, ist das Gefühl, das ganz Gedanke zu werden vermag.
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  • Reinhard E. Karner S 89: Denn heilsame Ernüchterung nicht wollen zu können, ist Zügellosigkeit.
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  • Reinhard E. Karner S 123: Aber wer außer sich ist, verabscheut nichts mehr, als wieder in sich zu gehen.
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