Der Meister vom Goldenen Berg

Der_Meister_vom_goldenen_Berg.jpgIn den Fängen einer Sekte. China 1999: Nach einer unglücklichen Liebesaffäre ist Rosinas Schwester Julie einer religiösen Sekte beigetreten. Das ist nicht ungefährlich, denn solche Gemeinschaften werden oft von Scharlatanen geführt. Als der Sektenführer auf mysteriöse Weise stirbt, hat Kommissar Wang allen Grund, sich der Sache anzunehmen. Der vierte Roman aus der Serie um Kommissar Wang gibt Einblick in das Denken und Fühlen der Jugend im heutigen China, das zwischen alten Traditionen und moderner Lebensweise hin- und hergerissen ist.

Meine Gedanken zum Buch: 

Mit dem vierten und leider letzten Teil der Kommissar-Wang-Reihe führt uns der Autor in die Welt der chinesischen Religionsanschauungen und Sekten, die gerade im großstädtischen Bereich von Molochen wie Peking viel fruchtbaren Boden finden. Gebeutelt zwischen Tradition, jüngster Doktrine und modernen Einflüssen aus dem Westen verlieren viele (nicht nur) junge Leute die Orientierung auf der Suche nach dem Sinn ihres Lebens. So auch die Schwägerin des uns bereits bekannten Kommissars Wang, der sich nur schwer mit den vielen Neuerungen anfreunden kann, die der wirtschaftliche Aufschwung in seinem Land mit sich bringt. Sogar seiner sonst so modernen Ehefrau Rosina sind viele Dinge nicht geheuer, so z.B. die unendliche Welt des WWW, in die sie auf der Suche nach ihrer Schwester von einer jungen Kollegin entführt wird.
Parteitreue, logisches Denken und der Sinn für Gerechtigkeit lassen sich für einen Kommissar der Pekinger Kriminalpolizei nicht immer unter einen Hut bringen, aber Wang schafft es trotzdem, das Geheimnis um das Verschwinden seiner Schwägerin zu lüften, ohne dass jemand sein Gesicht verliert. Ein nicht zu unterschätzender Faktor im Umgang mit chinesischen Bonzen und Geschäftsleuten!
"Der Meister vom Goldenen Berg" ist eine weitere sensible Momentaufnahme dieses vielseitigen und sich ständig verändernden Landes, durchaus spannend, aber kein wilder Reisser, sondern eher die richtige Lektüre für Leser, die sich für mehr als blutige Details interessieren.
 

Wang Anzhuang und Rosina Lin (chinesische Frauen behalten auch nach der Heirat ihren Geburtsnamen) gingen selten ins Kino. Ihr letzter Film war im vergangenen Jahr diese westliche Story über das große Schiff gewesen, das im Eismeer gesunken war. Als der junge Mann erfror, hatte sie sich die Augen wischen müssen. Er hatte die Spezialeffekte genossen, aber ansonsten gemeint, das Ganze sei wohl als Gleichnis auf den Niedergang der westlichen Gesellschaft gemeint.

Seitenangabe für Zitat1: 
75
Verlag: 
Aufbau Tb
Auflage: 
1. Auflage
ISBN: 
ISBN-13: 978-3746620084