Der Fleck, die Jacke, die Zimmer, der Schmerz

"Ein wunderliches Buch, um nicht zu sagen: ein wunderbares" Frankfurter Rundschau "Ein bizarr schönes Buch." Süddeutsche Zeitung

Meine Gedanken zum Buch: 

Wie konnte ich bis jetzt vergessen, dieses Buch vorzustellen! Ich erkläre: Es lag zum spontanen Leserettungsakt auf meinem Nachtkasterl (wo sich mein Computer nicht befindet). Dieses Buch beruhigt so angenehm. Genazino ist ein großer Künstler.

Es muss eine unerhörte Zeit gewesen sein, als man sich füreinander interessierte.

Seitenangabe für Zitat1: 
84

Spätnachts komme ich nach Hause in mein Zimmer; ich stelle den Fernsehapparat an. Es läuft eine futuristische Oper mit starken Farben, schrillen Tönen und einigen an den Bühnenrand gedrängten Sängern. Ich öffne das Fenster, der Autolärm dringt ins Zimmer und passt sofort zur Oper.

Seitenangabe für Zitat2: 
49

Das Knallen der Bierdosen und das Schaben der Earphones sind die neuen Geräusche der öffentlichen Einsamkeit, an der alle teilnehmen müssen.

Seitenangabe für Zitat3: 
108
Verlag: 
rowohlt
Auflage: 
1.
ISBN: 
3499236605

Kommentare

Zweimal habe ich in Paris versucht, auf der Straße zu lesen, beide Male ist es mir misslungen. Jetzt sehe ich Gesas Hände auf den Seiten eines Buches liegen und verstehe das Misslingen: Ich hatte mein Buch mit Handschuhen gehalten und nicht bemerkt, dass zum Lesen das Anfassen der Buchseiten mit bloßen Fingern gehört.

Es ist eine intressante Dosis aus Humor und Melancholie, die Genazino da in diesen Roman gepackt hat.
Manche Abschnitte bringen mich zum Lachen andere wirken teils schon sehr  bedrückend. Ist es wirklich soooo schwer sich in dieser Welt zu Hause zu fühlen???
Ich für meinen Teil hätte mir in diesem Roman ein bisschen mehr Schwung gewünscht, das ständige analysieren (W. lässt ja wirklich keinen Aspekt aus) wirkt teils ein wenig langatmig und anstrengend.
Nichts desto Trotz konnte ich wieder einige sprachlich tolle Abschnitte in meinem Buch markieren.
 

Das Knarren der Fußböden machte auch die mordernste Kunst ganz schnell alt.
Zitat Seite 57:
Zwischendurch blickt er kontrollierend auf die Eltern, ob sie nicht endlich über seine Darbietungen lachen müssen. Aber die beiden tragen nur müde und stumm ihre Plastiktüten. Es ist, als wären sie schon gestorben, und nun versucht ihr Kind, sie mit einer halsbrecherischen Todeskomik wieder zum Leben zu erwecken.

Sie spricht so schön, dass ich sie zwischendurch fragen möchte: Was kosten deine Sätze?

Vorher bin ich jemand, sagt sie, der nur herumsitzt, aber wenn du auftauchst, bin ich eine Frau, die schon gesucht war.

Ich habe das Gefühl, die gelesenen Sätze stehen noch in meinen Augen und könnten von den anderen Menschen wieder gelesen werden.

Ja, möchte hier nochmals anmerken, welch beruhigendes Glücksgefühl von Genazinos Texten ausgeht. Ich hoffe, Genazino schreibt noch viele, viele Bücher!