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Das Seufzen meiner Mutter

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Verfasst von yellow bookreader markuskrimi am Do, 07/01/2010 - 18:10
Inhaltsangabe

_mutter_oesterreichische_gegenwartsliteratur.jpg"Das Seufzen meiner Mutter“ besteht aus fiktiven Biographien und versteht sich als Pendant zu meinem Buch „Die Autos meines Vaters“ (erschienen 2003 im Kitab-Verlag, Klagenfurt).
"Ich neige zu Zyklen, zu geschlossenen Systemen. Der Zustand des Vorläufigen, Fragmentarischen ist mir ein Gräuel", schrieb Pollanz vor Jahren in einer autobiographischen Notiz. Jede der sechs Geschichten, die dieses Buch enthält, kann für sich selbst stehen und unabhängig von den anderen gelesen werden; jede hat ihr eigenes Personal und ihre eigenen Schauplätze. Es gibt keine einzige Figur, die den Leser, die Leserin durch alle Geschichten begleiten und diese zu Episoden einer großen Erzählung verknüpfen würde. Der Autor beginnt stets von vorn, er kehrt immer wieder zum Ausgangspunkt zurück und lässt dort eine neue Figur - und mit ihr eine neue Geschichte - auf die Welt kommen. Verschiedene österreichische Lebensläufe sind es, die er hier nachzeichnet. Wenn sich diese sechs Lebensläufe auch an keiner Stelle unmittelbar berühren, haben sie dennoch vieles gemeinsam: bestimmte Zeitstimmungen und Atmosphären, die sie einfangen, bestimmte Archetypen aus der österreichischen Provinz, die inzwischen beinahe schon zu Klischees erstarrt, nichtsdestoweniger aber am Leben geblieben sind. Erzählt wird ausschließlich aus der Perspektive der Figuren, in Ich-Form, das Erzählte wird dadurch ganz unmittelbar, unzensiert und mit allen Befangenheiten des Erzählers vor die Leser hingestellt. Pollanz kommentiert nicht, er psychologisiert auch nicht; vielmehr begnügt er sich damit, seine Stimme den unterschiedlichsten Menschen zu leihen und sie so zum Sprechen zu bringen: etwa den ledigen Sohn einer zu manischer Bigotterie neigenden dahinwelkenden Dorfschönheit, der auf einer Wallfahrt nach Italien seine Unschuld verliert oder den Sohn eines Handlungsreisenden mit Nazivergangenheit oder das hochbegabte und übersensible Kind eines Lehrerehepaares, das seine Erziehung ganz den Thesen von Jean Piaget anpasst. Es sind ebenso skurrile wie tragische Menschen, die auf höchst unterschiedliche Weise scheitern, allesamt Angehörige einer Generation, die von Anfang an mit dem notorischen Schweigen der Eltern und mit Verbotstafeln und Tabuzonen aller Art konfrontiert war. Was Pollanz, der geschickt und voll Ironie gängige Erinnerungsorte aufsucht, mit diesem neuen Erzählzyklus auf überzeugende Weise versucht, ist eine Geschichtsschreibung "von unten", aus der Perspektive derer, die niemals in das Blickfeld offizieller Geschichtsschreibung geraten.

Zitate

Seit ich meinen Harn nicht mehr halten kann, hat sich mein Leben stark verändert. Eigentlich habe ich ja schon vorher sehr zurückgezogen gelebt, aber mit Babywindeln zwischen den Beinen und der ständigen Angst, einen mehr als strengen Geruch zu verbreiten, mag ich gar nicht mehr unter die Menschen gehen.

Seitenangabe für Zitat1:
7

Wäre ich nicht zu einem derartigen ungünstigen Datum zur Welt gekommen, hätte mein Leben vielleicht einen ganz anderen Verlauf genommen. Aber weil ich genau an einem 31. August geboren wurde, war ich immer der jüngste und körperlich schwächste in der Klasse, wenn auch eines von den klügeren Kindern.

Seitenangabe für Zitat2:
79

Alle meine Leiden
Eine Krankengeschichte

Wir kommen ungefragt
und gehen ungefragt,
der Schmerz sagt ich,
der Körper schlägt Alarm...
(Blumenfeld, Eintragung ins Nichts)

Seitenangabe für Zitat3:
109
Quellenangaben
Verlag:
Verlag KITAB
Erscheinungsjahr:
2007
Auflage:
1. Auflage
ISBN:
10: 3-902005-72-6
Meine Gedanken zum Buch:

Ich war bei der Buchpräsentation von Pollanz und da habe ich schon Tränen gelacht. Das Buch ist lesenswert. Vor allem "4. Mein Vater erklärt mir jeden Sonntag unsere neun Planeten". Das Kind kommt nicht im September sondern am 31 August und schmeißt somit alle pädagogischen Ziele der Lehrereltern übern Haufen. Der Vater hat dem Kind bereits im Mutterleib wissenschaftliche Standartwerke vorgetragen. Die Mutter hat ab den ersten Tag anch der Geburt das Kind genau beobachtet, ob die Entwicklung wohl dem Modell von Piaget entspricht... Lesenswert - lachhaft!!!

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