Das Parfum

Grenouille erfährt in seinem Leben keine Liebe. Er wird von seiner Mutter nach seiner Geburt liegen gelassen und kann sich nur selbst durch Geschrei retten, kommt zu verschiedenen Ammen, in ein Waisenhaus, als billige Arbeitskraft zu einem Gerber, er arbeitet sich aus dem Elend heraus und wird Geselle bei einem Parfumeur. Von diesem lernt er die Kunst, Düfte zu destillieren und lebt nur mehr dafür, den schönsten Geruch, das beste Parfum zu finden.

Meine Gedanken zum Buch: 

Mein erster Gedanke zum Buch: Bitte unbedingt lesen. Es ist faszinierend, wie das Leben von Jean-Baptiste Grenouille geschildert wird. Offensichtlich ist er nicht zur Liebe fähig. Er wird allein von seinem Wunsch getrieben, die besten Düfte zu finden und diese zu konservieren. Wie er zu diesen Gerüchen kommt und auf welche Art er diese haltbar macht, dafür gibt es für ihn keine Schranken und Grenzen. Deshalb ist es aber auch ein unbequemes Buch. Er ist ein unschuldiger Dämon. Unschuldig im Sinne von: Er ist sich keiner Schuld bewusst. Einen Duft zu gewinnen steht über allen moralischen Bedenken.

Zitate: 

"Das meine ich nicht", sagte die Amme unwirsch und schob den Korb von sich. "Ich meine nicht das, was in der Windel ist. Seine Exkremente riechen wohl. Er selbst, der Bastard selbst, riecht nicht."

Seite 15

Und dennoch war ihm immer gewesen, als wache man nicht, um diese gelegentlich anfallenden Tätigkeiten zu verrichten, sondern als habe die Wache ihren eigenen Sinn. Selbst hier in dieser Kammer, wo sich der Prozeß der Enfleurage ganz von allein vollzog, ja, wo sogar ein unzeitiges Prüfen, Wenden und Betun des duftenden Pakets nur störend hätte wirken können - selbst hier, so schien Grenouille, war seine wachende Gegenwart wichtig. Der Schlaf hätte den Geist des Gelingens gefährdet.

Seite 277

Was er sich immer ersehnt hatte, daß nämlich die anderen Menschen ihn liebten, wurde ihm im Augenblick seines Erfolges unerträglich, denn er selbst liebte sie nicht, er haßte sie.

Seite 305
Verlag: 
Diogenes
Erscheinungsjahr: 
1994
Auflage: 
nicht bekannt
ISBN: 
9783257228007

Kommentare

Er ist sehr besessen und ohne Rücksicht bis zum Ziel und Ende.
Ich finde jedoch, dass Mord nie entschuldbar ist. 
 
Nichts trotz desto ein anregender Film mit einer herrlichen nackten Schlussszene.
schreibt Reinhard

Ich bin ganz deiner Meinung - Mord ist nicht entschuldbar. Sogar er selbst wünscht sich Erlösung dadurch, dass er von Laures Vater getötet wird. Doch dieser nennt ihn "Sohn". Ist auch für Grenouille schwer aushaltbar. Die Szene mit den Nackten ist natürlich ein Wahnsinn. Soviel "Liebe?", er kann daran aber nicht teilhaben.

Faszinierend von Anfang bis zum Ende. Das Ende schon beinahe kitschig und absolut unvorstellbar. Man wird zwar irgendwie auf das Ende hingeführt - es zu glauben, dass ein Duft das vollbringen kann - es war dann aber doch der Realist in mir stärker. 
Mitfühlen konnte ich, wie Grenouille den Duft der Frauen wahrnimmt.
Als er den ersten Duft in Paris "vergeudet" erschien mir die Gleichgültigkeit die Süskind bei Grenouille beschreibt richtig unheimlich und beinahe monströs.
Andreas
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Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten.

-- Andreas --

Mir hat das Buch nicht gefallen. Hab es vor vielen Jahren gelesen und die Schreibweise von Süskind wird nicht mein Lieblingsstil. Aufgrund der Kinovorschau hab ich dann auch den Film verweigert, der angeblich ja ganz gut das Buch umgesetzt hat  ...

Auch ich sehe in Grenouille ein Monster. Das ist das Unangenehme an diesem Buch. Realistisch ist aber sicher, dass wir von Düften mehr beeinflusst werden, als von uns bemerkt wird.

... das Buch auch vor vielen Jahren gelesen und mich bei der Szene wo Grenouille ewig in diesem Loch sitzt fast zutode gelangweilt - war vielleicht für diese Art der Erkenntnisfindung auch noch zu jung. Ich weiß aber, dass mich der Schluss total fasziniert hat, wo sie ihn ja aus lauter Liebe auffressen.
Der Film hat mir auch gut gefallen, und soweit ich mich erinnern kann, hat er das Buch ganz gut eingefangen.

Habe das Buch auch vor vielen Jahren gelesen und erinnere mich nicht mehr ganz so genau an die Handlung. Einerseits war ich von der Handlung so angeekelt und konnte mir gar nicht vorstellen, wie jemand sowas "Krankes" schreiben kann und andererseits war ich so gefesselt, dass ich das Buch nicht aus der Hand legen konnte.
Im Laufe der Jahre kann sich doch Büchergeschmack ändern und ich bin mir sicher, würde ich das Buch heute lesen, würde ich es nach den ersten 50 Seiten weglegen. Die Handlung ist einfach schauderbar. Darum habe ich den Film auch verweigert.

grausliche Geschichten, das war wohl auch schon vor 20 oder mehr Jahren so.
Und gerade diese Geschichte hat mich damals sehr fasziniert. Ich habe seither viele Bücher über Massenmörder udgl. gelesen, wobei ich die Tat selber garnicht so interessant finde(da lese ich sogar manchmal drüber), sondern die Motivation, die dahintersteckt, warum ein Mensch so wird und so etwas tut.
Im Parfum waren aber die Morde eh nicht so detailliert beschrieben, oder?

Aber oft ist es grad dann, wenn die Dinge nicht so detailliert beschrieben sind viel schlimmer, weil die Phantasie Gedanken weiterspinnt. Zumindest ist das bei mir so.
Ich sehe in der Materie einfach keine sonderliche Faszination, wahrscheinlich würde ich auch das Buch heute nimmer lesen. Ich habe genug Bücher daheim, die ich vielleicht vor 10 Jahren gelesen habe und die mich damals fasziniert haben, die ich heute aber oft nimmer lesen würde.

... meine Phantasie im Zaum zu halten, wenn es allzu grauslich wird.
 
Und da geb ich Dir Recht. Ich hab seit September über 300 Bücher verkauft - alle Krimis und banalen Romane -, weil die liest man auf keinen Fall ein 2. Mal. Warum man all die anderen aufhebt, weiß man zwar auch nicht so genau, aber das ist wohl die Sammlerwut. Noch einmal lesen würde ich die wenigsten, aber vielleicht packt es mich ja doch dort und da noch einmal.

Das denke ich mir da und dort auch immer wieder aber irgendwie kann ich mich von Büchern einfach nicht trennen. Daher lagern bie mir viele Bücher am Dachboden weil ich zu wenig Platz habe.

somit werden sie gnadenlos verkauft. Hab pro Buch im Schnitt so um die EUR 3,50 erzielt (bei uns in der Firma geht das gut), d.h. über EUR 600,- verdient, mit denen ich jetzt wieder viele neue Bücher kaufen kann - das macht schon Freude! Und jetzt kommen noch die vielen DVDs dran, die man sich auch kein 2. Mal anschaut, dann ist auch da wieder Platz im Kast'l für Neues.

ich verkaufe auch viele Bücher wieder - allerdings via ebay. Und genau dort kaufe ich mittlerweile auch die meisten Bücher. Für 1x lesen muss man sie wirklich nicht neu kaufen.
 
Wieso kannst du in der Firma die Bücher gut verkaufen? Welche Firma ist das?

dass man immer noch Versandkosten dazurechnen muss, d.h. man kriegt für die Bücher kaum mehr als einen Euro. Am Flohmarkt geht es etwas besser, aber im Grunde wollen die Leute dort auch nix zahlen, aber unter 2,50 verkauf ich die Bücher nicht, da nehm ich sie wieder mit heim oder schenk sie dem Tierschutzverein für seinen eigenen Flohmarkt.
Bei uns in der RZB gibt es ein schwarzes Brett im Intranet, da wird alles mögliche verkauft, und da kann man für die Taschenbücher auch EUR 4,50 verlangen, vor allem für die aktuellen.
 

geht es hier aber nicht um die Geschichte eines Massenmörders sondern um die Wahrnehmung von Gerüchen. Der Gedanke ist faszinierend, dass jemand keinen Eigengeruch hat und dadurch von allen übersehen wird. Die Leute sind erschrocken, wenn Grenouille auftaucht, da sie ihn nicht bemerkt haben. Erst durch den "menschlichen" Duft, den er aus allen möglichen Zutaten zusammengemixt hat, wird er für die anderen "normal". Meiner Ansicht nach sind die Morde für die Geschichte nicht die Hauptsache. Ich möchte aber noch einmal erwähnen, dass ich die Morde damit nicht entschuldigen will.

aber jeder Massenmörder hat ja seine Faszination - bei Grenouille ist es halt der Duft, bei anderen das Alter, die Haarfarbe, das Weibliche an sich, Macht, was auch immer....
Und fast jeder hat eine traurige Geschichte, die ihn zu dem macht, was er ist - bei Grenouille ist es die Tatsache, dass die Menschen ihn nicht wahrnehmen, weil er keinen Eigengeruch hat und er somit nicht in die Gesellschaft integriert wird, weil er ihnen angst macht.
Ich denke aber auch, dass es mehr um dieses Phänomen an sich geht und die Morde nur einen erzählerischen Zweck erfüllen.

Ich finde das Buch unglaublich gut! Und muß sagen, dass ich auch den Film sehr gut finde.
Als ich das Buch vor Jahren gelesen hab, konnte ich gar nicht aufhören. Irgendwie fasziniernd, dass ich zwischendurch (bei ganz seltenen Stellen) irgendwie Mitleid mit ihm bekommen habe, obwohl er die Morde begangen hat.

Also mir hat er auch Leid getan - ich glaube, das muss auch so sein, denn der arme Kerl wird von Geburt an einfach schlecht behandelt.
 
Ich hab Bücher über Massenmörder gelesen, auch die tun einem Leid. Die haben alle (zumindest die, die interviewt wurden) so eine grässliche Kindheit hinter sich, dass es einem das Herz zerreisst. Das bringt einen ja in das Dilemma, dass man ja einerseits diese Taten in keiner Weise entschuldigen kann, aber andererseits immer wieder infragestellen muss, wie sehr der Mensch dafür verantwortlich ist. Es gibt ja auch misshandelte Kinder, die im Erwachsenenleben genau ins Gegenteil umschlagen und zu sehr bedachten Menschen werden. Für mich ein unlösbares Thema.

Stimmt, im Film ist diese "Geburtsszene" unglaublich umgesetzt worden. Mir kam so vor, dass ich den Gestank riechen konnte, zwischen all den Fischen, dieser kleine Kerl. Ich war den Tränen nahe...
Und keine Liebe, das ist schrecklich.
 

Wahrscheinlich riecht er deswegen selbst nicht, weil`s bei seiner Geburt so gestunken hat.
Kann man am Geruch von Personen auf deren Gesinnung schließen?
schreibt Reinhard

Ich meine nicht, dass man durch den Geruch auf die Gesinnung schließen kann, aber es bestimmt sicher mit, ob dieser Mensch dir sympathisch ist oder nicht...
Grenouille riecht nicht - und er bleibt unbemerkt, hinterlässt keinen Eindruck.

...wird man einfach nicht wahrgenommen?! Wahnsinn oder, wenn man selbst nicht riecht, dann ist man wie unsichtbar, eigentlich eine komische Vorstellung...

"Den kann ich nicht riechen" bekommt in diesem Buch eine weitere Bedeutung. Nur wenige Personen im Buch bemerken überhaupt, dass Grenouille nicht riecht. Soweit ich mich erinnere nur die Kinderheim-Frau.
Der Spruch "Einander nicht riechen können" hatte früher wirklich mit dem Geruch der Menschen zu tun. Heutzutage riecht ja kaum noch jemand natürlich. Deo, Parfüm, etc. überdecken ja den eigentlichen Geruch.
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Andreas
Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten.

-- Andreas --

Nun, ich sage dazu, dass der Eigengeruch bei Menschen deutlich vorhanden ist. Ihr solltet mir glauben.
schreibt Reinhard

Also ich habe gerade mit den Buch angefangen.
Habe es zwar etwas widerwillig in die Hände genommen, da wir es vom Unterricht aus Lesen sollen - und wenn ich das Gefühl habe, dass mir etwas aufgezwungen wird - naja dann macht das ja nicht so einen Spaß.
Bin erst auf den ersten 20 Seiten. Nach der ersten habe ich mir gedacht - "oh man was müssen wir den da lesen?"
Aber ich habe mich gleich an den Schreibstil gewöhnt - und ich jetzt freue ich mich wirklich schon auf den Rest!
Zum Thema Serienmörder (weil das hier das eine oder andere mal angesprochen wurde): Ich finde dieses Thema auch sehr fazinierend. Und vor allem bin ich der Meinung, dass einem das Umfeld zu einem Mörder macht - ob Massen- oder Familienmörder. 
Man braucht sich ja nur immer nach dem Motiven erkundigen. Es sind oft Menschen die Ihre Bedürfnisse nie richtig ausleben konnten. Damit meine ich aber nicht Bedürfnisse wie Geld, Sport usw. sonder solche wie Zuneigung, Liebe, beachtet zu werden usw. 
Und warum? Weil diese oft irgendeine Schwäche aufweisen (Sprachstörungen, extreme Schüchternheit, Komunikationsprobleme usw.) und deshalb von der Gesellschaft nicht als perfekt angesehen werden und somit aus dem "normalen" Leben oftmals ausgeschlossen oder ausgenutzt.
Ich will jetzt auch keinen Mörder armreden, aber meiner Meinung gehört oft das ganze Umfeld gleich miteingesperrt.
lg sonja

lg
sonja

So, jetzt bin ich endlich fertig mit meinem Buch. Also es war nicht schlecht - aber ganz so konnte ich mich mit den Stil nicht anfreunden.
Es war nie wirklich spannend aber auch nicht wirklich langweilig.
lg sonja

lg
sonja

Schon vor einiger Zeit hab ich im Fernsehen den Film gesehen, der faszinierend war. Die hohe Anzahl der Kommentare zu diesem Buch hat mich nun animiert, es auch zu lesen und ich bin nicht enttäuscht worden. Ich bewundere vor allem die  tolle  Phantasie von Patrick Süskind, wie er in seiner realistischen Sprache die Gerüche gegenwärtig macht. Schockierend ist natürlich auch, wie Grenouille das Verlangen nach Frauen auf den Besitz des Duftes reduziert.  Die Stelle, wo er für sich aus Katzendreck, Essig, Salz  und Käse, Ammoniak und mehr einen Menschenduft herstellt hat mir unter anderem besonders gefallen. Es ist auf jeden Fall ein großartiges Buch vom Anfang bis zum makaberen Ende.

Hab das Buch vor einigen Jahren zu meiner Schulzeit lesen dürfen und war von Anfang bis zum Schluss begeistert.
 
Die Person Grenuille hat mich einerseits schockiert - natürlich ist sein Handeln in keinster Weise entschuldbar - andererseits habe ich aber auch Mittleid mit ihn empfunden. Eine Person die in diese Welt geworfen wird, ungewollt, ungeliebt, eine Person der nur Abneigung/Kälte wiederfährt und alles an dem sie sich festhalten kann ist diese vielfältige Welt der Gerüche/Düfte. Diese Welt gibt ihm meiner Meinung nach all das was sicher jeder von uns wünscht, Geborgenheit, Sicherheit, Wärme... und das versucht er mit allen Mitteln festzuhalten.
Und der Film - ok über die Schlussszene lässt sich streiten aber alles in allem einer der besten Filme die ich je im Kino gesehen hab.

Dem kann ich zu zustimmen. Irgendwie hat man mit ihm Mitleid und ertappt sich dabei, dass das doch nicht sein kann, er doch ein Mörder ist.
So ist es mir auch beim Lesen ergangen, auch beim Film.

ich Dir gerne. Es ist ganz starke Post, und nicht nachvollziehbar, und überhaupt grausam. Lies etwas Netteres.
Schreibt Dir Paula

Nachvollziehbar fand ich die Geschichte schon, und toll geschrieben. Aber ich kann verstehen, wenn man sich damit nicht anfreunden kann, denn sie ist wirklich grausam.

... kann mich nur anschliessen, gewinne weder dem Buch noch dem Film viel ab. Hat an manchen Stellen zwar gute Ansätze, ist aber meiner Meinung nach nicht wirklich "flüssig" geschrieben!