Das Magdalena Evangelium

Die Autorin schildert in diesem Roman die Erlebnisse einer jungen, amerikanischen Journalistin namens Maureen Paschal. Diese schrieb ein Buch über verkannte Frauen in der Geschichte und ist im Zuge ihrer Recherchen auch nach Israel gereist. Eine Vision, die sie dort von Maria Magdalena hat, beunruhigt sie sehr. Aber als Maureen dann noch von einem ihr gänzlich unbekannten schottischen Adeligen eingeladen wird und dieser ihr verspricht ihr mehr über ihren verstorbenen Vater zu berichten, gerät ihr ganzes Leben aus den Fugen.

Meine Gedanken zum Buch: 

Der Autorin ist es nicht nur gelungen eine interessante und spannende Geschichte zu erzählen. Auch klammert sie sich nicht an irgendwelche Verschwörungstheorien. Sie wirft vor allem die Frage auf wie die Geschichte der Menschheit  wohl beschrieben worden wäre, wenn man den weibliche Anteil daran als gleichwertige Quelle herangezogen hätte.
Aus christlicher Sicht wird ein sehr sympatisches, weil sehr menschliches Bild von Jesus gezeichnet, in dessen Leben Maria Magdalena eine zentrale Rolle gespielt hat und der den gleichen Wert zwischen Mann und Frau schon damals anerkannt hat. Maria Magdalena wird als starke Glaubensführerin beschrieben, mit großer spiritueller Kraft, deren Bedeutung über die Jahrhunderte immer mehr heruntergespielt wurde. Schade eigentlich.
Mir tut der Gedanke gut, dass Maria Magdalena diese Rolle in der Geschichte des Nazareners und seiner Bewegung gespielt haben könnte und ich bin überzeugt davon, dass uns die offizielle(n) Kirche(n) einiges an "außerbiblischen Wahrheiten" vorenthalten.

Maureens Puls schlug anromal schnell als sie die Hauptstraße von McLean hinunterfuhr. Sie war völlig unvorbereitet  auf die Einladung der unbekannten Frau gewesen, aber gleichzeitig war sie auch irgendwie aufgeregt. Es war schon immer so gewesen: Ihr Leben war stets von seltsamen und oft einschneidenden Erlebnissen bestimmt gewesen, außergewöhnlichen Zufällen, die es in neue Bahnen geleitet hatten. War dies wieder so ein übernatürliches Ereignis? Maureen war besonders neugierig, was alles betraf, das mit Maria Magdalena zu tun hatte. Neugierig? Das Wort war bei weitem nicht stark genug. Besessen? Schon eher.

Seitenangabe für Zitat1: 
1

Blitze zuckten über den unnatürlichen dunklen Himmel an jenem düsteren Freitagnachmittag. Die Frau in Rot stolperte den Hügel hinauf und versuchte die Kuppe zu erreichen. Die Schrammen und Schnitte die sie sich dabei zuzog, bemerkte sie ebensowenig wie das Zerreißen ihrer Kleidung. Sie hatte nur ein Ziel, und das war, Ihn zu erreichen.
Das Geräusch eines Hammers, der auf einen Nagel schlug - Metall auf Metall - hallte mit Übelkeit erregender Endgültigkeit durch die Luft. Schließlich verlor die Frau die Fassung und begann zu heulen ein eigenartiges Geräusch geboren aus unheilbarer menschlicher Verzweiflung. Die Frau erreichte den Fuß des Kreuzes im selben Augenblick als der Regen einsetzte.

Seitenangabe für Zitat2: 
0
Verlag: 
LÜBBE
Auflage: 
Erstauflage
ISBN: 
ISBN-13: 978-3-7857-2263-3

Kommentare

Dieses Buch scheint ein wichtiges Kapitel in unserer (religiösen) Geschichte anzusprechen. Es wäre wirklich interessant zu wissen, wie Frauen im allgemeinen und Maria Magdalena im speziellen die Zeit mit Jesus erlebten. Welche anderen und anders gearteten Erzählungen würde es in der Bibel geben?!?

Das stimmt schon, Frauen hatten damals keine Möglichkeit, ihr Leben zu dokumentieren. Wobei ich glaube, dass man schon ganz gut weiß, wie die Frauen damals gelebt haben und welche Rolle sie spielten. Und das hat sich in der traditionellen Gesellschaft z.B. in Palästina bis heute nicht viel geändert, nehme ich an.

Man weiß viel über die Stellung der Frau in dieser Zeit, aber es gibt leider meiner Ansicht nach zu wenig Schilderungen von Frauen über ihre Situation, über ihr Leben und ihre Beziehung zum Mann.

Was ich noch hinzufügen möchte, ist, dass mich besonders interessieren würde wie Frauen unterschiedlicher Epochen selbst (!) historische Ereignisse beschrieben hätten. Schriftliche Belege darüber sind meines Wissens rar. Deswegen fand ich ja den Gedanken eines Evangeliums aus der Sicht Maria Magdalenas so dermaßen spannend. Eine HER-Story hätte sicher ganz andere Schwerpunkte als unsere HIS-tory.

Ich habe jetzt begonnen, dieses Buch zu lesen. Es ist vom ersten Augenblick an fesselnd. Im Moment wird gerade die besondere Beziehung zwischen Maureen, der Hauptdarstellerin, und ihrem Cousin Father Peter Healy beschrieben. Bin schon sehr neugierig, wie es sich weiter entwickelt...

Auf S. 175 wird der Name der Hauptdarstellerin übersetzt:
"'Paschal - von hebräisch: Pessah oder Pascha. Jede symbolische Darstellung Christi...'"
 
Es fehlt mir hier die Erklärung, dass Pessach das Fest der Juden aus Freude über den Auszug aus Ägypten ist. Wie ist es dir damit ergangen, Kerstin?

Naja der neutestamentliche Bezug zu Pessah oder Pascha ist eben der Christus als das gschlachtete Opferlamm. Aus Sicht des 1. Testaments ist es natürlich das Fest des Aufbruchs in die Freiheit, wo das Opferlamm geschlachtet wird, als gemeinsames Zeichen der jüdischen Bevölkerung.
Die Christen meinten wohl Jesus als das "Lamm Gottes" ist ausreichend und hat die ursprüngliche Bedeutung überholt! Ziemlich überheblich, oder?

Ich bin jetzt mit dem Buch fertig und habe noch einige Gedanken und auch Fragen dazu:
 
Was mir am Buch nicht so gefällt ist, dass in Werken berühmter Maler immer wieder verschiedenste Zeichen gesehen und interpretiert werden. Das ist mir ein wenig an den Haaren herbeigezogen.
 
Was mir am Buch sehr gut gefällt, ist der sensible Umgang mit dem Christentum und den Geistlichen. Oft werden Kirche und Geistliche klischeehaft dargestellt. Das passiert meiner Meinung nach in diesem Buch nicht. Ein Beispiel: S. 282: "'Sind auch andere Priester im Orden deiner Meinung? Ich meine, was die Rolle der Frau betrifft.'" - Und jetzt kommt's: "'Verallgemeinerungen sind immer unklug', erwiderte Peter."
Und genau so ist es: Verallgemeinerungen sind immer unklug. Bin mit diesem Satz äußerst zufrieden.
 
Weiters hat mir die Vorstellung, dass Jesus und Maria Magdalena miteinander verheiratet waren, ebenfalls sehr gut gefallen.
 
Und Judas: Er wird in diesem Buch nicht als Verräter dargestellt; Jesus merkte, dass er seinen Weg gehen musste, und versammelte seine Jünger etwas außerhalb der Stadt, um ein großes Massaker unter Unschuldigen zu verhindern. Er musste dafür sorgen, dass seine Verhaftung fern der Stadt geschieht. Deshalb hatte er - ohne dass es die anderen Jünger wussten - Judas beauftragt, ihn bei den Hohenpriestern zu "verraten". Die Wachen kamen nach Gethsemane, wo es einsam war und kein Aufruhr entstehen konnte. S. 449: "'Was du tun musst, tue jetzt - und tue es rasch.'"
 
Dies waren einige meiner Gedanken zum Buch. Meine Fragen werden folgen...

Meine Fragen betreffen hauptsächlich das Nachwort der Schriftstellerin.
 
Gehe ich Recht in der Annahme, dass Kathleen McGowan hier ihre Lebensgeschichte niedergeschrieben hat? Im Nachwort schreibt sie nämlich, dass viele der Abenteuer ihrer Protagonistin und nahezu alle ihre übernatürlichen Begegnungen ihren eigenen Erfahrungen entstammen.
 
Und weiters: Das Evangelium von Maria Magdalena stammt aus geheimem Quellenmaterial.
 
Somit bekommt man einen gänzlich anderen Blick auf diese Geschichte. Meiner Ansicht nach wäre es wichtig, dieses Nachwort als Vorwort zu diesem Buch zu lesen.

Das Buch ist sehr toll geschrieben und vermittelt ein wenig wie Frauen vor 2000 Jahren gelebt haben annähernd.Warum soll nicht eine Frau die Geschicke der jetzigen katholischen Kirche gelenkt haben. Leider vermittelt uns meiner Meinung nach die katholische Kirche zur Zeit nur, wie mächtig sie ist und es sein will und das was geprädigt wird sich mit der Realität nicht deckt, da in Entwicklungsländern nach wie vor viele Menschen hungern und an den Folgen sterben... Möchte die Kirche weiterhin bestehen könnte sie mit diesem Punkt ihren Untergang entgegenwirken.
Leider wurden bis ins 20 Jahrhundert sehr viele wissenschaftliche Arbeiten nur von Männern verfasst und Niederschriften von Frauen verbrannnt, vernichtet und dergl.
Ich finde es toll, dass die Autorin schon das nächste Buch geschrieben hat "Das Jeseus-Testament" und soll bis November 08 in Deutsch erscheinen. Solche Bücher sind für mich Balsam und regen mich zum denken und ich glaube, das Jesu nicht ganz so war, wie es uns die katholishce Kirche erzählt. Ich habe mir Dank dieses Buch ein eigenes Bild und eine eigene Meinung machen können.
 
LG Markus

Also ich finde, dass die Autorin es sich ziemilch einfach gemacht hat. Gut ein Drittel des Buches ist die Nacherzählung des neuen Testaments, aufgepeppt mit ein paar Frauenfiguren, die in dieser Erzählung halt etwas größere Rollen bekommen haben als in den ursprünglichen Evangelien.
Meiner Meinung nach ist McGowan zum richtigen Zeitpunkt auf den Dan-Brown-Zug aufgesprungen und hat eine weniger spannende, aber dafür besser geschriebene Jagd auf die Schriftrollen der Maria Magdalena gestartet, die allerdings im Gegensatz zu Brown die Grenzen des Realen weit überschreitet. Etwas nervig finde ich auch dieses ewig Weihevolle in Bezug auf die "Bösen" in dieser Geschichte. Für jeden gibt es eine Entschuldigung, und natürlich ist mir klar, dass Christus Vergebung gepredigt hat, aber das wird in diesem Magdalena-Evangelium meiner Meinung nach ziemlich übertrieben.
Was mich am meisten gestört hat ist die Tatsache, dass sie sich davor drückt, die Auswirkungen auf die römisch katholische Kirche und ihre Anhänger zu beschreiben, die ein derartiger Fund unweigerlich haben muss. DAS wäre doch der wirklich spannende Teil an so einer Sensation, aber dafür hat der Autorin wohl der Atem gefehlt.
Alles in allem eine relativ langweilige Schnitzeljagd mit spiritueller Hilfe, die keine wirklich neuen Fragen und Themen aufwirft, ein Tangram aus bekannten (Halb-)Wahrheiten und als Fakten dargestellten Vermutungen.
Zum Hörbuch kann ich noch sagen, das Eva Mattes zwar grundsätzlich gut liest, allerdings hat es mich sehr gestört, dass die Zitate aus dem Magdalena-Evangelium mit einem Hall unterlegt sind, um sie vom übrigen Text abzuheben.