Das Jagdhaus

Das_Jagdhaus.jpgDas private Leben in Zeiten, wo alle Privatheit von außen bedroht ist.
Linz im Jahre 1939. Antonia hat ihrem Mann, dem Rechtsanwalt, zum zweiten Mal eine Tochter geschenkt, Elisabeth soll sie heißen. Die Taufe soll eine freudige Familienfeier werden, doch dann gibt Antonias Vater einen Entschluss bekannt, der ihm nicht leicht gefallen sein dürfte. Als Hochschullehrer in Wien fühlt er sich von den neuen Machthabern bedroht. Er will sich mit seiner Frau nach Italien zurückziehen. Antonia ist entsetzt. Die Zukunft wird sie allein meistern müssen, mit zwei Kindern und einem Mann, der als Rechtsanwalt den Nazis kaum ausweichen kann.

Meine Gedanken zum Buch: 

"Das Jagdhaus" setzt die Geschichte einiger Figuren aus "Das Bücherzimmer" fort, auch Marie Zweisam begegnen wir immer wieder an den unterschiedlichsten Orten.
Wir begleiten Antonia Bellago, eine junge Mutter aus sehr behüteten Verhältnissen, deren Eltern dem Naziregime gerade noch entkommen und sie mit der Verantwortung für ihren kleinen Bruder Peter zurücklassen. Das Familienleben geht dahin, um die Versorgung kümmern sich die Dienstboten. Die Ernährung wird bescheidener, von von Knappheit kann lange keine Rede sein. Und trotzdem werden auch die Bellagos vom Geschehen ausserhalb ihrer vier Wände eingeholt. Flüchtlinge im Gartenhaus, die Einberufung für den Ehemann, die Verpflichtung der Dienstboten zum Arbeitseinsatz - und plötzlich steht Antonia alleine da mit ihrer Verantwortung für ihre beiden Kinder. Der letzte Zufluchtsort vor der Bombardierung der Führerstadt Linz ist das Jagdhaus auf dem Land, in dem einst die Geschichte der Marie Zweisam begann. Und so schließt sich der Kreis dieser Erzählung, die uns teilhaben lässt am Leben einer Familie in diesen schwierigen Zeiten.
Kraftvoll wie ihre Figuren ist auch der Stil der Autorin, sie hat mit Marie und Antonia zwei starke Frauengestalten geschaffen, die mich zutiefst bewegt haben und mir sicher nicht so schnell wieder aus dem Kopf gehen werden. Ein wunderschönes Buch, das ich nur weiterempfehlen kann!

Doch wo gab es denn noch Juden? Die meisten hatten längst das Land mit unbekanntem Ziel verlassen. Die aber, die geblieben waren, hatte man abgeholt. Blasse, verwirrte menschen, die sich schweigend an ihrem einzigen Koffer festhielten und mehrere Schichten Kleider übereinander trugen, um möglichst viel mitzunehmen in den Osten, dem Ziel der langen Reise. Eine neue Heimat, die mit eigener Hände Arbeit bewohnbar gemacht werden sollte. Warum nur, fragte sich Antonia, gaben sie keine Nachricht, wie es ihnen ging?

Seitenangabe für Zitat1: 
86

Es war, dachte Antonia, als ob der Krieg ein Organismus wäre, mit einem Herzen , zu stark, um endlich zu sterben. Vielleicht leitete aber dieser Tod in Berlin nun das Ende der Kämpfe ein. Vielleicht war dies ein barmherziger Tag - ihn glücklich zu nennen oder gut, hätte seine Bedeutung verfälscht. Die Hoffnung auf eine Beendigung des Bösen war jedenfalls größer geworden mit dem Ableben dieses Mannes, der in seiner Hybris die Büchse der Pandora geöffnet hatte.

Seitenangabe für Zitat2: 
422
Verlag: 
Deutscher Taschenbuch Verlag
Auflage: 
1. Auflage
ISBN: 
978-3423245012

Kommentare

sind zwei ausgesprochen wunderbare Bücher, sie haben mich gefesselt und nicht mehr losgelassen. Auch haben wir sie im "Treffpunkt Literatur "in der Bücherei Nitscha gelesen und besprochen. Auf der ganzen Linie nur positiv bewertet.
Gruß Paula