Das Bild des Autors ist der Roman des Lesers

Bilder sind nur in ihrer Zeit verstehbar. Berühmte Schriftsteller gehen mit dem Fotografiertwerden unterschiedlich um.

Meine Gedanken zum Buch: 

Genazinos schönstes Buch. Ich meine nicht nur das Äußere. Aber auch das. Von Seidenpapier eingehüllt und somit transparent und das Titelbild darunter ist im zarten Nebel verschleiert. Die Farbe hellgelb, die Schrift dunkelrotbraun, ohne Blocksatz, kurze zentrierte Seiten, mehr als genug Platz für den doch quantitativ geringen Inhalt. Gerade einmal 40 Seiten hat dieses Heftchen nur. Die Sätze fließen natürlich. Seinen Folgerungen gibt man sehr gerne nach; aber wir wissen, dass es mehrere Wege nach Rom gibt, Genazino beschreitet Einen. Für alle Genazino-Einsteiger ob der Dünne eine Empfehlung.

Arthur Schnitzler gehört zu den Autoren, die mit ihren Fotos fast schon einen Bildkult getrieben haben. Er hat die Fotografie vom Beginn seiner Karriere an eingesetzt, zunächst nur als narzistischen Selbstkommentar, der es ihm erlaubte, fast täglich ein Übereinstimmung mit seiner Eitelkeit zu leben.

Seitenangabe für Zitat1: 
30

Für Karl May, den Ernst Bloch einen "armen, verwirrten Proleten" nannte, mußten veröffentlichte Portraits eine äußerst wacklige Identität abstützen helfen. Bis an sein Lebensende kränkte es ihn, daß er in jüngeren Jahren in fremde Kassen gegriffen hatte, wofür er mit Zuchthaus bestraft worden war.

Seitenangabe für Zitat2: 
27

Es ist dieses Foto, das die Romane von Marques über ihen literarischen Rang hinaus populär gemacht hat. Wir sehen darauf Marquez an einem kleinen Tisch sitzen und arbeiten. Der Tisch ist - das ist wichtig - so schmal, daß er kaum Platz genug bietet für die Schreibmappe und die Schreibmaschine, die deswegen über die Ränder des Tisches hinausragen. Wichtig ist außerdem, daß Marquez barfuß ist. Wir sehen seine unbekleideten Füße, seine bloßen Zehen. Diese beiden Bildelemente - der kleine Tisch und die nackten Füße - steuern unsere Assoziationen. Zu den nackten Füßen fallen uns leere Hände ein, zum kleinen Tisch die Hilflosigkeit eines Schülers, der mit geringen Mitteln haushalten muß und dabei - wie Marquez - Großes leistet.

Seitenangabe für Zitat3: 
38
Verlag: 
Kleinheinrich
Auflage: 
Erstausgabe
ISBN: 
3926608897