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Briefe in die chinesische Vergangenheit

Bild von Gabi Konrad
Verfasst von bookreaders team member Gabi Konrad am Fr, 01/02/2008 - 10:20
Inhaltsangabe

Briefe_in_die_chinesische_Vergangenheit.jpgMit Hilfe eines Zeit-Reise-Kompasses versetzt sich ein Mandarin aus dem China des 10. Jahrhunderts in die heutige Zeit. Er überspringt tausend Jahre und landet außerdem in einem völlig fremden Kulturkreis. Er findet sich in einer Großstadt wieder, die in seinen Ohren wie Min-chen klingt und in Ba-Yan liegt. Er versucht, seine Eindrücke zu verstehen, neue Erkenntnisse zu gewinnen und schildert seine Erlebnisse in Briefen an seinen Freund im Reich der Mitte.

Zitate

Denn eines, teurer Dji-gu, ist mir klargeworden, was nicht Du und nicht ich gewußt haben, und was uns allen unvorstellbar ist: die Welt wandelt sich. Sie nennen es hier Fort-Schritt. Schon ein sehr entlarvendes Wort - ich habe es Dir wörtlich übersetzt. Fort-Schritt - der Schritt, der fort führt. Man möchte meinen, das sei etwas Bedauerliches, wenn man aus der gewohnten, bewährten, vielleicht geliebten Umgebung fortschreitet. Aber nein: sie - die Großnasen hier - finden ihren Fort-Schritt wünschenswert und sogar tugendhaft.

Seitenangabe für Zitat1:
88

Es ist ein altes Gesetz, daß unterteilte Dinge kleiner sind als das Ganze. Das ungeteilte Ganze ist größer als die Summe der Teile. Zumindest gilt das, habe ich hier gelernt, in hohem Maß von der Zeit. Geteilte Zeit vergeht rasch. Die Großnasen haben ihre Zeit erbarmungslos zerhackt, und die Zeit rächt sich damit, daß sie entflieht, so schnell sie kann. Und darüber wundern sich die Großnasen ständig. Ständig jammern sie, daß ihnen - einen Ausdruck jenes Herrn an dem Abend bei der Dame Pao-leng zu gebrauchen, dessen Namen ich mir nicht gemerkt habe - "die Zeit in den Händen wie Wasser zerrinnt". Ist denn noch keiner von ihnen drauf gekommen, darüber nachzudenken? Es ist doch nicht schwer, den Zusammenhang zu erkennen. Mir ist schon mehrfach aufgefallen, daß man hier die Floskel: "...der ist einer, der immer Zeit hat" als Schimpfwort gebraucht. Daß den Großnasen dabei nicht sogar selber etwas auffällt?

Seitenangabe für Zitat2:
146

Ein Lehrer hier bei den Großnasen darf von einem Schüler sagen, er sei frech, er sei vorlaut, er sei faul, er sei unordentlich - der Lehrer darf nicht sagen: der Schüler sei dumm oder sei unbegabt. Das erschwert verständlicherweise den Standpunkt der Lehrer gegenüber den Familien der Schüler, denn wenn die Erziehung mißglückt, so ist das doch in den seltensten Fällen auf Frechheit und Unordnung zurückzuführen, sondern auf Dummheit und mangelnde Begabung. Aber gerade das dürfen die Lehrer nicht sagen. Es herrscht der ungeschriebene politische Sittenkodex, der besagt, daß alle gleich begabt sind. Woher kommt das? Es kommt von der an sich edlen Anschauung der Großnasen, daß alle Menschen gleich sind. Das ist im Gesetz verankert, das wird überall und immer betont, und wer es laut sagt, ist des Beifalls aller sicher.  Ich habe mit Herrn Me-lon darüber gesprochen, der als Richter sehr darauf bedacht ist, alle Menschen gleich zu behandeln. Er war über meine Fragen und Ansichten zunächst wenig erfreut, mußte mir dann aber beipflichten. Ja - sagte ich - gleich behandeln schon; das ist ein hochachtbarer Grundsatz, wenn Arme und Reiche, Hochgeborene und Niedriggeborene, Schwarzhäutige und Bleichhäutige gleich behandelt werden, aber sind sie denn gleich? Sie wiegen gleich, ihre Seelen wiegen gleich, aber sie sind nicht gleich. Ein Dummer wiegt in seiner Menschlichkeit wie ein Weiser, und ihm darf so wenig Schaden oder Unrecht zugefügt werden wie jenem, aber gleich sind sie deswegen noch nicht. Das ist doch eine Verwirrung der Begriffe, wenn man Gewicht und Charakter vermengt.

Seitenangabe für Zitat3:
338
Quellenangaben
Verlag:
Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG
Erscheinungsjahr:
1986
Auflage:
35
ISBN:
3423105410
Meine Gedanken zum Buch:

Es ist ein philosophisches Buch.
Kao-tai bemüht sich, alle wesentlichen Bereiche im München der 80er Jahre kennenzulernen und zu verstehen: Er stellt Fragen zur Religion, zu Sitten, zum Thema Frau in der Gesellschaft, Musik, Literatur, Rechtsprechung, Krieg und Frieden, Staatswesen, Verkehr, Industrie, ... und versucht, seine Gedanken dazu in Briefen an seinen Freund im alten China in Worte zu fassen. Viele Dinge muss er umschreiben, damit er sie seinem Freund verständlich machen kann, manche Namen, die ihm fremd klingen, gibt er so wieder, wie er sie verstanden hat. (Dadurch kommt man auch oft ins Schmunzeln:  zum Thema Dauerregen hört er: "Shai-we-ta", er hört Musik von Meister We-to-feng und Meister Mo-tsa. Durch Fußnoten wie z. B. S. 343 "*Kao-tai benutzt das chinesische Schriftzeichen: "Te" = Tugend, das ihm offenbar dem Wort "deutsch" am ähnlichsten klingt." bekommt man den Eindruck, wirklich die Briefe von Kao-tai zu lesen, die von jemandem gefunden wurden, der sie für uns in ein Buch zusammengefasst hat. Ich habe es sehr genossen, dieses Buch zu lesen, danke Babsi!

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Bild von Claudia Maralik

Wo ist nur mein Humor

Wo ist nur mein Humor geblieben????
Überall wird dieses Buch angepriesen..... auf Amazon haben 41 Leser die Höchstnote vergeben... man liest von Schmunzel- bis Lachattacken, von Witz und Lesevergnügen.....nur bei mir will sich all das beim besten Willen nicht einstellen....
 
Der Weg bis Seite 80 war schon weit, wie wird er wohl weitergehen....????? Genauso beschwerlich???

Bild von tedesca

Versteh ich wirklich nicht.

Versteh ich wirklich nicht. Ich kann mich erinnern, dass ich immer wieder laut lachen musste! Kann es sein, dass sich Humor abnützt und bei jüngeren Leuten nicht mehr ankommt?

Bild von Claudia Maralik

Was weiß ich, alles ist

Was weiß ich, alles ist möglich.... mich wundert´s ja selbst....
Vielleicht leg ich es mal zur Seite und starte nochmal zu einem späteren Zeitpunkt (obwohl, so was mach ich normaler Weise nie - das lässt mein "Stolz" im Grunde nicht zu....)
Momentan ist`s halt so - ich lese und lese und denke mir immer : Mann, komm endlich auf den Punkt!!
Vielleicht ist es momentan auch einfach das falsche Buch für mich. Ein sommerliches Beispiel: Man hat riesen Lust auf einen Schokoladeneis, steht vor der Vitrine und alles was die haben ist Zitrone. Was macht man? Zur Not nimmt man halt Zitrone, weil der Gusto auf Eis so groß ist und man nicht ohne gehen will. An einem anderen Tag wär Zitrone vielleicht prima, aber momentan.... :-)  (ich hoffe du denkst jetzt nicht, mir ist die Hitze zu Kopf gestiegen :-))))))

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