Bonjour tristesse

Bonjour_Tristesse.jpgWie jedes Jahr verbringt die siebzehnjährige Cecile ihre Sommerferien an der französischen Rivieria. Sie genießt die unbeschwerte Zeit, die sie gemeinsam mit ihrem jugendlichen Vater und seiner augenblicklichen Freundin, der schönen, aber etwas naiven Elsa, verbringen darf. Eines Tages platzt Anne, eine Freundin von Ceciles verstorbener Mutter, in diese Idylle der Heiterkeit und Lebenslust. Der Vater ist derart hingerissen von der eleganten und intelligenten Modeschöpferin, daß er schon bald bereit wäre, seinen bisherigen Lebensstil aufzugeben und sie zu heiraten. Mit Anne kämen Ordnung und Disziplin nicht nur in sein Leben, sondern auch in das seiner Tochter. Wenngleich Cecile sehr wohl Sympathie für Anne empfindet, sieht sie doch ihre Freiheit bedroht, so daß sie ein fein ausgeklügeltes Spiel inszeniert, um ihren Vater von Anne zu trennen. Die Rechnung geht auf, allerdings mit weitaus tragischeren Folgen als erwartet.

Meine Gedanken zum Buch: 

Bestürzt wird man Zeuge einer Intrige, geplant von einer 17-jährigen, die in ihrer Angst um das eigene Wohlbefinden und das ihres Vaters hin- und hergerissen ist zwischen Liebe, Eifersucht und dem Gefühl der eigenen Unzulänglichkeit. Cécile erkennt sehr rasch die Schwächen der Menschen, wie Marionetten tanzen der Vater, die Verlobte, die verlassene Geliebte und der Liebhaber nach ihrer Pfeiffe.
Eine faszinierende Geschichte, die an Bedeutung noch gewinnt, wenn man bedenkt, dass die Autorin bei ihrer Entstehung selbst gerade einmal 18 Jahre alt war. Man hat das Gefühl, Einblick in das Seelenleben eines Teenagers zu erhalten, das in den Fünfzigerjahren wohl auch nicht viel anders ausgesehen hat wie heutzutage, was dem Buch eine gewisse Zeitlosigkeit verleiht.. Ein beeindruckendes literarisches Werk, auf jeden Fall empfehlenswert!

Ich zögere, diesem fremden Gefühl, dessen sanfter Schmerz mich bedrückt, seinen schönen und ernsten Namen zu geben: Traurigkeit. Es ist ein so ausschließliches, so egoistisches Gefühl, daß ich mich seiner fast schäme - und Traurigkeit erschien mir immer als ein Gefühl, das man achtet. Ich kannte es nicht; ich hatte Kummer empfungen, Bedauern und manchmal Reue. Jetzt hüllt mich etwas ein wie Seide, weich und ermattend, und trennt mich von den anderen.

Seitenangabe für Zitat1: 
9
Verlag: 
Ullstein Taschenbücher-Verlag
Auflage: 
16. Auflage
ISBN: 
ASIN: B0026LUMRM

Kommentare

dieses Buch vor 45 Jahren gelesen. Ich habe natürlich vieles vergessen, aber ich werde es mir noch einmal zu Gemüte führen. Dass man dieses Buch von  Francoise Sagan heute noch liest hätte ich mir nicht gedacht.

Wenn man so wie ich (und übrigens auch Klaudia) auf die fast in Vergessenheit geratene Literatur des 20. Jahrhunderts steht, kommt man an diesem Buch einfach nicht vorbei. Leider liest ja auch keiner mehr Daphne Du Maurier, Pearl S. Buck oder Vicki Baum, dabei hätten sich deren Geschichten ein Revival wirklich verdient, weil sie meiner Meinung nach weder an Aktualität noch an Unterhaltungswert verloren haben.

Es sind echte Schätze, die man da entdecken kann! Vor allem sind sie sprachlich einfach wunderschön, ohne dass irgendwelche bewussten "Stilmittel" eingesetzt werden müssen. Und die Geschichten sind spannend, weil sie eine Zeit auferstehen lassen, die für uns knapp, aber gerade eben doch schon vorbei ist. Es ist oft die Jugendzeit meiner Eltern und Großeltern, die mir da gezeigt wird. Manchmal natürlich auch die der Urgroßeltern...;-)
Und Kulturen werden lebendig, die damals noch viel deutlicher "fremd" waren, als sie es durch die Globalisierung jetzt sind!