Bittere Mandelblüten

Immer wieder fühlt die attraktive Rei Shimura sich in Tokio als Fremde – zu keß sind ihre knappen T-Shirts, und zu oft verletzt sie die gesellschaftlichen Regeln der Japaner. Von ihrer Tante Norie läßt sie sich zu einem Ikebana-Kurs überreden, doch dann wird inmitten zarter Kirschblüten und duftender Gewächse die Meisterin der Blumenkunst tot mit einer Pflanzenschere im Hals aufgefunden ... Ein atemlos spannender Fall für Sujata Masseys sympathische junge Heldin und ein rasanter Krimi voller Witz, Erotik und asiatischem Flair.

Meine Gedanken zum Buch: 

Auch der dritte Teil der Rei-Shimura-Reihe ist amüsant und spannend zu lesen. Noch mehr als zuvor erfährt man über das traditionelle Leben der Japaner, in dem vor allen für die Frauen Ikebana immer noch eine wesentliche Rolle in ihren Bemühungen spielt, den richtigen Mann zu finden. Aus diesem Grund wird Rei von ihrer Tante zu dem Kurs verdonnert, dessen Lehrerin mit einer Schere im Hals tot aufgefunden wird. Und schon wieder ist sie in einen Mordfall verwickelt, ohne recht zu wissen, wie es dazu gekommen ist. Sie stolpert in gewohnter Weise von einem Fettnäpfchen ins nächste, woran auch ihr vorschnelles Mundwerk nicht ganz unschuldig ist. Bis sie letztendlich in den Armen eines Mannes landet, der endlich Hugh Glenndining aus ihrem Herzen verdrängt. Die Reihe entwickelt sich stetig weiter, ohne dass die Qualität darunter leiden würde. Ich kann sie allen Krimifans empfehlen, die ein Herz für Asien haben.

Vorhersagen sind eine unsichere Sache. Während meiner Zeit in Japan habe ich mich immer wieder über die vielen Leute gewundert, die behaupten, daß die Zukunft von Mustern bestimmt wird, die in die Vergangenheit zurückreichen. Ich selbst habe kein Geschick bei Vorhersagen; an jenem sonnigen Frühlingsmorgen hatte ich nicht die geringste Ahnung, was auf mich zukam. Die zweiwöchige Zeit der Kirschblüte sollte einen Sturm der Vernichtung und der Offenbarungen bringen, die keiner von uns - nicht meine kluge Tante, nicht der in puncto Lebensweisheiten so bewanderte Fernsehsprecher und am allerwenigsten ich selbst - vorhersehen konnte.

Seitenangabe für Zitat1: 
7

als ich nach Hause kam, sah ich, daß mir wieder ein Briefchen unter der Tür durchgeschoben worden war. Natürlich freute mich das nicht, aber immerhin wußte ich jetzt sicher, daß es tatsächlich für mich und nicht für meine Tante bestimt war. Und ich konnte Mari Kummamori von der Liste meiner Verdächtigen streichen, denn sie war mit ziemlicher Sicherheit nicht nach Tokio zurückgeeilt, um es mir zu bringen, während ich mich noch kurz mit Mr. Waka unterhielt.
Ich zog meine Handschuhe an, um eventuelle Fingerabdrücke nicht zu verwischen, öffnete den Umschlag und las:
 
Gaikotsu no
Ue wo yosoute
hana-mi kana
 
Dieses Haiku war leicht zu übersetzen. Es hätte gut und gern als Kommentar zu der harmlosen Kirschblütenbegutachtung im Friedhof von Yanaka geschrieben sein können, doch ich fand es gruselig.
 
Betrachtung der Blüten
In ihrem festlichen Kleid
Über den toten Knochen.

Seitenangabe für Zitat2: 
285
Verlag: 
Piper
Auflage: 
5. Auflage
ISBN: 
ISBN-13: 978-3492238649