Auf der Kippe

Abbildungsnachweis Die Originale der in diesem Band publizierten Fotos fand der Autor auf Flohmärkten, bei Trödlern und in Mischantiquariaten. Sie sind Übrigbleibsel von Umzügen, Wohnungsauflösungen und Todesfälen. Ihr Absinken in die Anonymität macht aus den Fotos Abfallbilder, für die es weder eine Nachfrage noch eine ästhetische Wertschätzung zu geben scheint. Erst die Einzelbetrachtung beendet das Schicksal der Vergessenheit und gibt den Bildern die Dignität von Dokumenten zurück.

Meine Gedanken zum Buch: 

Das ist ein ganz besonderes Buch. Linke Seite Text und rechte Seite scheinbar wahllose Bilder. Genazino haucht den leblosen Fotos Geschichten und somit wieder Wert ein. Ein Foto hat ja nur soviel Wert, solange ein persönlicher Bezug (und sei es zum Ur-Ur-Urgroßvater) besteht. Aber wie steht's da mit komplett fremden Fotos, die nur durch das Betrachten und darüber Mutmaßen wieder ein Teil unserer (ja doch fremden) Geschichte werden? Wundervolles Fabulieren mit Details.  

Sind sie fünfzehn? Sechszehn? Oder schon siebzehn? Entweder sie empfinden sich noch als Kinder und haben sich, vielleicht zum ersten Mal, die Masken der Erwachsenen angelegt. Aber es klappt nicht so recht mit dem Vorgriff. Steif wie Schaufensterpuppen sitzen sie am Tisch.

Seitenangabe für Zitat1: 
22

Diesen Herrn nennen wir Onkel Walter. Er macht mit seiner Freundin einen Waldspaziergang und hat dabei die Idee, wenigstens einmal vor der Freundin den starken Mann zu spielen. An Onkel Walters halbhohen Schuhen sehen wir, daß der Spaziergang vermutlich in den zwanziger oder dreißiger Jahren stattfindet, und damals war die Markierung von Stärke eine weitverbreitete männliche Verhaltensweise.
...

Seitenangabe für Zitat2: 
58

Es gibt das Bedürfnis der Menschen, auf Fotos individueller und bedeutsamer auszuschauen als im "Leben".

Seitenangabe für Zitat3: 
62
Verlag: 
Rowohlt
Auflage: 
1. Auflage
ISBN: 
3489024876