Auf Treu und Glauben

Venedig kann sehr heiß sein: Im Sommer fliehen die Venezianer aus der stickigen Lagunenstadt. Doch aus Ferien in den kühlen Bergen wird für Commissario Brunetti nichts. Dafür sorgen eine Leiche und dubiose Machenschaften am Tribunale

Meine Gedanken zum Buch: 

Nicht zu fassen!!!!! Mit "Auf Treu und Glauben" hat Donna Leon bereits  Brunettis 19ten Fall auf den Büchermarkt gebracht und erstaunlicher Weise fällt ihr nach all den Bänden auch immer noch wieder was Neues ein.   Dieses Mal muss der schon mehr als urlaubsreife Commissario in der brütenden Hitze der Lagunenstadt ausharren und das er da mehr als ins Schwitzen kommt versteht sich vermutlich von selbst.   Schon beim letzten Teil hatte ich das Gefühl, eine neue Seite an Brunetti kennen zu lernen. In "Schöner Schein" empfand ich ihn schon als unerwartet verwegen und draufgängerisch. Hier nun etwas humorvoller als gewohnt.... man könnte fast meinen.... er taut auf Wink   Trotz teils fehlender Spannung wieder ein Lesevergnügen.... für diese Krimiserie gilt einfach.... einmal Brunetti - Fan..... immer Brunetti - Fan.... und Venedig an sich  trägt zusätzlich auch noch seinen Teil dazu bei.

"Nie einen Tag versäumt? Abgesehen von dem Tag, als sein Vater begraben wurde? Und sie sagen, dieser Mann ist Beamter?

Seitenangabe für Zitat1: 
101

"Ein Mann, der keinen Sinn für Mode hat, hat keine Seele", sagte Signorina Elettra und blätterte um.

Seitenangabe für Zitat2: 
106
Verlag: 
Diogenes Verlag AG
Auflage: 
1. Auflage
ISBN: 
978 3 257 06776 7

Kommentare

Der Originaltitel des Buches von Donna Leon und im Original habe ich es auch gelesen.
Es sind eigentlich 3 Geschichten, die am Anfang alle so langweilig sind wie der italienische Sommer. Angel Ispettore Vianello hat Probleme mit einer Tante, die viel Geld in eine obscure Person (Wahrsager) steckt. (B) Ein Freund, der ihm von einer Richterin berichtet, die Fälle oft über Jahre hinweg immer wieder vertagt und schließlich (c) Ein Amtsdiener am Gericht, der zuständig ist für die Akten am Gericht und für diese Richterin und der plötzlich in eine sündhaft teure Wohnung zieht.

Trotzdem geschehen ist eigentlich nichts und über mehr als hundert Seiten quält sich der Roman lustlos dahin, wie ein Hochsommertag mitten in einer Wüste.. Die nicht vorhandene Klimaanlage, durchgeschwitzte Hemden und geschmolzene Eiskugeln, die den Spritz verwässern sind die Hauptthemen.

In der relativ einfachen englisch Schreibweise der Donna Leon fast nicht auszuhalten, endlich sitzt auch Brunetti im Zug in die Berge, wo es hoffentlich kühler ist aber nach dem zweiten oder dritten Mal umsteigen erreicht ihn ein Telefonanruf von einem Ispettore der in der Questura Wache hält, es hat einen Mord gegeben und ausgerechnet der untadelige Amtsdiener ist die Leiche.

Brunetti wechselt am nächsten Bahnhof in den ICE München-Venedig, den er allerdings nur erreicht weil er (wie üblich) Verspätung hat und Vianello wird aus seinem Urlaubsort in Kroatien mit einem Schnellboot der Polizei nach Venedig zurückgebracht.

Und nun beginnt die die eigentliche Geschichte, die und vor allem die Lösung sollte jeder selbst lesen.

Diese ersten 100+ Seiten wirkten auch auf mich zunächst langweilig, es geschieht nichts wirklich aufregendes und die Dialoge sind quälend - auf Englisch fast nicht auszuhalten !

So wie sich Brunetti (und Venedig) ein Sommergewitter gewünscht haben mögen, so wünscht sich der Leser, es möge endlich etwas passieren.

Bei zweiten Durchgang sehe ich das anders ob gewollt oder per Zufall Donna Leon spiegelt das Leben im italienische Sommer wieder, langsam, ereignislos, die Hitze bringt Mensch und Tier an den Rand der Verzweiflung und selbst die Ganoven gehen in den Urlaub. Niemand (außer den Touristen) läuft draußen herum.

Dann als Vianello in Kroatien und Brunetti schon fast in den Bergen ist kommt völlig unerwartet der Paukenschlag ein Mord an dem eigentlich unbedeutenden Amtsdiener.

Donna Leon hat es m.M. wirklich gut gemacht, aber man muß es erst einmal aushalten können.

Rotbart

Es gibt keine schlechten Bücher -
es gibt nur unfähige Autoren

.... ja, eine spannungsgelandene Krimireihe ist es wirklich nicht, da hast du recht... und doch, ein gewisser Reiz ist dabei, der mich immer wieder weiterlesen lässt.... es sind die Charaktäre, die mir nach all diesen Bänden so an Herz gewachsen sind, es ist  die Atmosphäre in der Lagunenstadt und auch die Neugier... was hat sie sich diesemal einfallen lassen.... und wie ich schon in meinem Kommentar geschrieben hab.... irgendwie hab ich das Gefühl, Brunetti taut auf.... ich entdecke neue Seiten an ihm... natürlich keine großartige Wandlung der Person, aber doch kleine, feine Dinge, die mir neu an ihm scheinen.... lassen wir uns überraschen, was beim nächsten Teil passiert... im Mai/Juni sollte es ja dann wieder so weit sein.... :o)