April in Paris

Frühjahr 1943 im besetzten Paris: Der junge deutsche Gefreite Roth glaubt sich aus den Wirren der Zeit heraushalten zu können. Tagsüber arbeitet er als Dolmetscher für die deutsche Geheimpolizei, abends flaniert er heimlich in Zivilkleidern durch die geliebte Stadt. Auf einem dieser Streifzüge lernt er Chantal kennen, die Tochter eines französischen Buchhändlers. Er ahnt nicht, daß diese geheimnisvolle junge Frau ...

Meine Gedanken zum Buch: 

Das ist Wallners Durchbruchs-Werk. Sehr brutal, zwar nichts gegen Tokio, aber doch sehr hart. Man fühlt sich in Paris und auf der Flucht. Wallners reißenstes Buch. Absolute Empfehlung

"Warum bist du noch in der Stadt? " fragte ich. "Ich fahre morgen." Verloren, zweifelnd, glücklich stand ich am Rande des Bordsteins.

Seitenangabe für Zitat1: 
132

Wir brachen auf. Die Herren machten sich auf die übliche Lokalroute durch die Seine-Bezirke. Die Invasionsgerüchte waren Gesprächsthema, doch alles in einem Ton, als werde das Ereignis im Sandkasten stattfinden. Vierte Panzer nach West, Nachschubwege sichern, Luftabwehr entlang der Marne-Linie... In der Theorie schien der Fall gelöst.

Seitenangabe für Zitat2: 
139

Zwei Arme rissen mich hoch, Fäuste bearbeiteten meine Nieren, die Rippen. Ich keuchte, man ließ mich los. Von selbst kam ich auf die Beine. Glaubte zuerst, daß die Schläge mich munter gemacht hätten.

Seitenangabe für Zitat3: 
178
Verlag: 
Luchterhand
Auflage: 
1. Auflage
ISBN: 
9783630872216

Kommentare

mitreissend, spannend.
Das Buch ist der ganz normale Wahnsinn. Erschütternd.
Was man so alles erlebt, wenn man sich bedingungslos selber treu ist. Dieses Thema scheint Wallners Spezialität zu sein.

beidem möchte der Protagonist perfekt gerecht werden.
die Kriegs-Umstände führen zum Extremwert.
Sehr skurril habe ich diese Flucht in Erinnerung.
schreibt Reinhard

Ich finde nicht, dass er sich selbst treu bleibt, er nimmt sich von der deutschen und französischen Seite das, was er gerade braucht. Das gibt er selbst auch zu. Er sympathisiert mit den Franzosen, nimmt aber trotzdem nicht Stellung gegen die Deutschen. Versteht mich bitte nicht falsch, ich möchte ihn deshalb nicht verurteilen. Ich finde diese Einstellung sehr menschlich, auf jeden Fall menschlicher als jene, die Bewohner eines anderen Staates als Feind zu betrachten.
 

für diesen tollen Buchtipp, ich habe es in einem verschlungen, und mir erging es ähnlich wie Gabi, ich hätte fast meine Schnellbahnstation verpasst.
 
Alleine die Schilderungen von Paris sind so lebensnah, man sieht die Straßen, die Cafés geradezu vor sich. Und natürlich diese unglaubliche Liebesgeschichte, die Grausamkeit und letztendlich der Schluss, den wir ja nicht verraten wollen - ein wahres Meisterwerk der Fiktion, das mich fast so berührt hat wie die wahre Geschichte der Marianne Golz.

in der Früh im Zug. Ich beginne dieses Buch und schaue nach geraumer Zeit aus dem Fenster um festzustellen, dass ich bereits aussteigen muss...
 
...das passierte mir noch mit keinem einzigen Buch.
 
Ich war in Paris, in einer anderen Zeit. War mit dem Gefreiten Roth in den Straßen und Gassen unterwegs auf der Suche nach Chantal. Durch die Ich-Erzählung wirklich fesselnd.
 
Die einzige Sorge, die ich noch habe, ist der Hinweis von Reinhard, dass das Buch brutal sei. Ich werd' ja sehen.

wird hier natürlich nicht verraten, aber es tut sich dann doch einiges. Trauriges und Wunderbares.
lg

puh... es ist eine gefährliche Neugier, die den jungen Roth da aus dem "Schutz" der Gestapo treibt... raus, in die aufregende Welt.... raus in das Paris, das ihn umgibt.
Ich kann ihn verstehen.... getarnt als Zivilist ist er endlich "frei"... kann sich bewegen wie er möchte, kann sehen, entdecken.... keine Blicke, die ihn mit Angst oder auch Hass streifen....endlich kann er er selbst sein.
 
Was aber dann durch diesen "jugendlichen Übermut" geschieht, ist einerseits etwas Wunderbars und andererseits ebenso furchtbar. Die Liebe zu Chantal lässt in blind werden für jede Gefahr.... gut, nicht ganz blind... er ist sich derer schon bewusst, aber wie soll ein verliebter, junger Mann anders Handeln....????!!!
 
Die Handlung reisst mit.... und wie sollte es auch anders kommen, Roth lehnt sich zu weit aus dem Fenster und schon lässt sich das Rad der Ereignisse nicht mehr aufhalten.
Oft habe ich über seine blauäugige Verliebtheit schmunzlen müssen, oft hab ich mich auch darüber geärgert.... aber egal, es ist wie es ist.... und so steuert man unaufhaltsam einem Ende entgegen, das nichts Gutes verheißt. Auch wenn ich die Hoffnung nie aufgab, der Schluss - auch wenn ich gestehen muss, die Handlung an sich fand ich teils ein bisschen unrealistisch - trifft mich als Leser dann noch mal so richtig....
Kein Wunder, dass Wallner mit diesem Roman der Durchbruch gelungen ist... mit Recht, kann ich nur sagen.